Ingolstadt: Klingende Erinnerungen
Rauchig-samtige Stimme: Pippo Pollinas Lieder überzeugen auch dann, wenn man nicht jedes Wort versteht. - Foto: Erl
Ingolstadt

Mit seinen Liedern aber - so scheint es - kann er manches mehr bewirken als ein Anwalt es kann. Nicht nur im Kampf gegen die Mafia.

Seine Erinnerungen auch aus den Jahren, in denen er als Straßenmusiker quer durch Europa reiste, reichen bis zurück in die Zeit der Protestfront gegen den Vietnamkrieg. Und Pollina erzählt von seinen Erlebnissen, die in diesen Liedern münden. Auch wenn der gebürtige Sizilianer mit Wahlheimat Zürich damit nie auf einem Spitzenplatz in den deutschen Charts landete, hat der Sänger und Musiker doch sein Publikum gefunden. So, wie am Dienstagabend in der Eventhalle.

"Sprecht ihr Italienisch" fragt er nach einer schwungvollen sizilianischen Begrüßung in astreinem Deutsch erstaunt in die aufmerksam lauschenden Reihen. Nur ein paar Einzelne melden sich, aber die Sprache der Lieder steht für seine Art Musik sowieso nicht an erster Stelle. Über die Inhalte spricht er ohnehin.

Er ist ein charmanter Plauderer und immer wieder lässt er über die Leinwand im Hintergrund ein paar Szenen aus seinem Leben oder aus der Zeit seiner Erinnerungen einspielen. Sprachen sind für ihn eher Trittsteine, auf denen er seine Lieder und die kraftvolle Lyrik ausbreitet. In Italienisch zumeist, mal aber auch auf Französisch oder Rätoromanisch. An diesem Abend aber nicht in Deutsch und nicht in Englisch.
 

Fotostrecke: Pippo Pollina in der Eventhalle

Der Zauber, den er mit seiner rauchig-samtigen Stimme übers Publikum legt, ist nicht an eine Sprache gebunden. Der Mann am Mischpult aber hätte gut daran getan, die Regler vor allem in Bezug auf die Instrumente ein wenig sensibler zu führen. Die Begleitmusiker Michele Ascolesi an der Gitarre und der Klarinettist Roberto Petroli harmonieren zwar hervorragend mit der Stimme von Pollina, aber in der überlauten Einstellung der Elektronik kommen selbst die weichen Töne recht kantig beim Publikum an.
 

Seine Canzone können die Nähe zu den Großen der Italo-Lieder wie Adriano Celentano oder Eros Ramazotti nicht abweisen, und doch hat Pollina musikalisch irgendwo in der Mitte zwischen beiden seinen eigenen Weg gefunden. Es scheint bezeichnend, dass der Frauenanteil im Publikum erstaunlich hoch ist.

Das wird spätestens dann sichtbar, wenn Pollina zum Finale sein "Ciao Bella" anstimmt und die "Bellas" reihenweise aufstehen. Mit tanzenden Beinen, schwingenden Hüften und klatschenden Händen nehmen sie den Takt auf und schicken den Refrain wie eine Woge aus dem Publikum zurück auf die Bühne. Das letzte Lied des Abends - ein altes sizilianisches Volkslied - singt er ohne Mikrofon zur Gitarre. Es sind die intimsten Momente mit seinem Publikum und das kollektive "Ola le" des Refrains liegt noch lange nach seinem Abgang im Raum.