Ingolstadt: Magische Akkorde
Einer der großen Gitarristen: Michael Landau bei den Jazztagen im Diagonal. Für das Trio mit Gary Novak (Drums) und Reggie Hamilton (Bass) gab's viel Beifall - für die Zuhörer eine Zugabe. - Foto: Weinretter
Ingolstadt

Vermutlich hat Michael Landau das früher auch geübt. Der 58-jährige Gitarrist aus Los Angeles, der mit Gary Novak (Drums) und Reggie Hamilton (Bass) am Mittwochabend im Rahmen der Jazztage im Diagonal auftrat, liebt den magischen Hebel heute immer noch. Nur zu gerne zieht er daran, ja dreht ihn sogar im Kreis herum. Aber nicht, weil ihm die Ideen ausgegangen sind.

Als einer der weltbesten Studiogitarristen, der auf Hunderten von Alben mitgewirkt und mit etlichen Größen aus Rock, Jazz und Pop zusammengearbeitet hat, mangelt es ihm weder an Kreativität noch an Erfahrung. Im Gegenteil, der Mann entwickelt am Griffbrett Soli, die - um es einmal dezent auszudrücken - sehr überraschend und eigenwillig sind. Easy listening geht wahrlich anders. Der Jammerhaken hilft ihm dabei, diese speziellen Akkorde (oder auch Töne) zu erzeugen, die unter dem Namen "Magic Cords" in der Szene herumgeistern und die Landau beherrscht wie kaum ein anderer. Ein oszillierender, sphärischer Sound, der auch viel Tuning erfordert: Landau dreht beim Auftritt fast permanent an den Reglern.

Er lässt seinen beiden Begleitern, wie er ausgezeichnete Musiker, viel Raum. Gelegentlich für Soli, aber vor allem für etliche kleine Fill-ins zwischen dem musikalischen Grundgerüst, was für eine große Fülle sorgt. Bisweilen agieren die drei Musiker derart eigenständig, dass es manchem Zuhörer im voll besetzten Diagonal sogar etwas an Kohärenz mangelt.

Auch Jazz-Puristen dürften bei Landau an ihre Grenzen stoßen. Der Gitarrist, nach dessen Vorstellungen sogar eine nach ihm benannte Strat entwickelt wurde, wechselt hemmungslos die Stilgrenzen. Jazz? Rock? Magic Cords? Blues? Einfach Landau, könnte man so sagen. Wobei auch mal Hardrock durchs Diagonal wummert, wenn's das Stück erfordert.

Fotostrecke: Club-Concert im Diagonal mit der Michael Landau Group

 

Er liebe nicht-vokalistische Musik, sagte Landau 2012 dem Magazin "Guitar Player", weil diese völlig offen für Interpretationen sei. Dennoch bekamen die Gäste sogar einige Gesangseinlagen zu hören: Von ihm selber und von seiner Frau Karen, die unter dem Künstlernahmen Hazey Jane auftritt.