Ingolstadt: "Die letzten Wochen waren nicht einfach"
Herr über Ingolstädter Kulturveranstaltungen: Tobias Klein vor dem Kulturzentrum neun. - Foto: Hauser
Was wird sich – im Vergleich zu den Vorjahren – bei den Ingolstädter Jazztagen verändern?

Tobias Klein: Die Besucher der Ingolstädter Jazztage können sich heuer über die eine oder andere spannende Neuerung freuen. Am 3.11., wenn gleichzeitig der Jazz in den Kneipen-Abend und die Welcome Party stattfinden, verkehrt der kostenlose Jazz-Bus mit Live-Musik von der Neutral Ground Brass Band zwischen drei Haltestellen in der Innenstadt und dem NH Ingolstadt. Ihre Tickets können die Fans von Jazz in den Kneipen ab sofort auch in einigen teilnehmenden Locations erwerben. Außerdem gibt es jetzt auch ein exklusives Festival T-Shirt im Jazztage Design. Die T-Shirt-Edition möchten wir in den nächsten Jahren fortführen, sodass sich die T-Shirts ideal auch als Sammlerstücke für treue Jazztage-Fans eignen.

 

Was wird gleich bleiben?

Klein: Die Ingolstädter Jazztage haben sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Ruf in der europäischen Jazz-Szene erworben. Uns ist daran gelegen, die Vielfalt im Programm durch einen gelungenen Mix aus Anspruch und Breitenwirksamkeit auch in Zukunft fortzusetzen.

 

Sind die Kompetenzen – Organisation/Finanzen und Programmplanung – klar getrennt?

Klein: Das Team der Veranstaltungs GmbH arbeitet sehr eng mit dem Produktionsteam um Jan Rottau zusammen und ist täglich im Austausch miteinander. Nach wie vor liegt jedoch die Programmplanung bei Jan Rottau, der durch seine langjährige Erfahrung die größte Kompetenz diesbezüglich mitbringt, während das Team der Veranstaltungs GmbH schwerpunktmäßig für die Organisation, Finanzen und das Marketing zuständig ist. Aber beides geschieht in enger Abstimmung.

 

Für welche Veranstaltungen / Spielstätten ist die neue Veranstaltungs GmbH noch zuständig?

Klein: Abgesehen von den Ingolstädter Jazztagen ist die Veranstaltungs GmbH für die Ingolstädter Literaturtage zuständig. Darüber hinaus ist sie Betreiberin des Kulturzentrums neun, in dem eine große Bandbreite an kulturellen Veranstaltungen stattfindet.

 

: "Lob der Besucher ist das größte Geschenk für mich"
Jan Rottau - Foto: Schuhmann

Die Ingolstädter Jazztage stehen für ein anspruchsvolles, aber auch für ein stilistisch offenes Programm. Welche Acts/Genres werden dennoch nie bei den Ingolstädter Jazztagen ein Forum bekommen?

Jan Rottau: Rock-Acts wie die Scorpions passen wohl kaum in unser Programm – wenngleich die in ihrem Genre natürlich durchaus ihren Stellenwert haben. Im Laufe der Jahre veranstalteten wir Jazz-Acts mit Verbindung zu Klassik, Ethno, Funk, Soul und anderen Stilrichtungen.

 

Mit welchem internationalen Festival ließen sich konzeptionell die Ingolstädter Jazztage am ehesten vergleichen?

Rottau: Die Süddeutsche Zeitung schrieb, man hätte „die bisherigen Konzerte auch nicht besser in Montreux oder Montreal besetzen können“. Somit werden die Ingolstädter Jazztage mit diesen internationalen Festivals verglichen, worauf man natürlich stolz sein kann.

 

Die Künstlergagen sind hoch und sie steigen ständig, dazu kommen hohe Produktionskosten und Steuern. Lässt sich ein so hochkarätiges Programm ohne die Hilfe von Sponsoren realisieren?

Rottau: Nein! Dazu müssen wir nochmals betonen, dass wir, im Gegensatz beispielsweise zu Leverkusen, ein Non-Profit-Festival sind. Das heißt, wir erwirtschaften keinen Gewinn, im Groben erfolgt bei uns die Deckung der Produktionskosten über die Gagen hinaus durch die Stadt Ingolstadt. Große Namen und günstige Ticketpreise, das ist auch ein Verdienst unserer Sponsoren, allen voran: die Sparkasse Ingolstadt, Audi ArtExperience, Media-Saturn, Herrnbräu sowie das NH Ingolstadt.

 

Würden Sie sich noch weitere Unterstützer des Festivals wünschen? Was können Sie einem potentiellen neuen Sponsor bieten?

Klein: Wie Herr Rottau gerade schilderte, sind wir auf Sponsoren und Förderer angewiesen, um das Festival in der Form und Größe überhaupt realisieren zu können. Daher freuen wir uns sehr über die großzügige Unterstützung unserer Sponsoren, die teilweise schon seit Jahren an Bord sind. Für weitere Unterstützer und Partner sind wir natürlich offen und dankbar, mit Blick auf die Jazztage 2017. Was ein solches Sponsoring-Paket im Einzelnen beinhalten könnte, möchte ich an dieser Stelle noch offen halten. Dazu wird es neue Konzepte geben.

 

Bei den Ingolstädter Jazztagen ist der Altersdurchschnitt der Besucher erstaunlich niedrig – wie erklären Sie sich das? Ist doch Jazz eher eine Musikrichtung für ein tendenziell älteres Klientel?

Rottau: Der klassische Modern Jazz, Mainstream oder Bebop bindet eher das ältere Publikum – hierfür stehen Künstler wie Abbey Lincoln oder Tomasz Stanko. So wie der Begriff „Jazz“ aus den afrikanischen Wörtern für „Energie, Vitalität, Erregung“ erwachsen ist, so verstehen die derzeit prägenden „Jazzer“ ihre Musikform mehrheitlich als virtuos, experimentell, improvisatorisch. Sie integrieren vielfältige historische – auch regionale – Traditionen in die Formen des Jazz, Blues, Soul oder Funk und mixen dazu die musikalischen Ausdrucksformen der neuen Generation, also Hip-Hop, Indie, Dubstep, Beatbox oder Techno. So machen Künstler wie Max Mutzke, Clueso, Butterscotch, ZAZ und Jamie Cullum die Nähe zum Jazz auch für junge Leute attraktiv. Gerade die Jazzfestivals tragen auch eine Verantwortung für die musikalische Weiterentwicklung und sollten eine Plattform für Musiker und für neue musikalische Konzepte bilden. So haben sich aus den Jam Sessions schon mehrmals neue Kontakte und Projekte entwickelt. In den 21 Jahren meiner Festivalleitung war für mich die Orientierung an sich weiter entwickelnden Jazz-Entdeckungen immer spannend – auch im Interesse des Publikums!

 

Auffällig ist, dass die Ingolstädter Musikszene mit vielen herausragenden Talenten gespickt ist – eventuell eine Folge der Ingolstädter Jazztage? Warum sind der Ingolstädter Jazzförderpreis und Programmpunkte wie „Jazz for Kids“ und „Jazz an den Schulen“ wichtig?

Rottau: Tatsächlich ist im Laufe der letzten 20 Jahre als Folge der Jazztage eine gute Basis für den Jazz-Nachwuchs entstanden. Die Veranstaltungen „Jazz für Schulen“, die seit 21 Jahren Walter Haber konzipiert, sowie „Jazz for Kids“, mittlerweile verantwortet von Robert Aichner, leisten hier sicher einen Beitrag, die Freude am Jazz bei Kindern und Jugendlichen zu wecken. Wir bieten einen niedrigschwelligen Zugang zum Jazz, der Lust auf mehr machen soll. Auch die „Young Jazz Players“ sind ein wichtiges Sprungbrett. Die Musikpädagogen unserer Gymnasien und an den Musikschulen leisten hier eine sehr gute Basis-Arbeit. Mehrere Jazzförderpreisträger der letzten Jahre sind in dieser Entwicklung zu sehen – wie Christina Jungblut, Veronika Schnattinger, Simon Seidl, Matthias Hetzer, Nick Flade und Oliver Kügel.

 

Was wünschen Sie beide sich für die diesjährigen Ingolstädter Jazztage?

Rottau: Volle Häuser und ein enthusiastisches Publikum als Anerkennung für die Programmauswahl.

Klein: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir hoffen, dass das vielfältige Programm mit seiner ausgezeichneten Qualität auf überregionales Interesse stößt. Als Geschäftsführer hoffe ich natürlich auf Erfolg, sowohl in künstlerischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht.