Jürgen Schuhmann
Ingolstadt

Vergnügt und locker, manchmal geradezu übermütig gibt sich Richard Bona. Und so klingt auch die Musik des 49-jährigen Kameruners. Die verführerischen Grooves seines E-Basses unterlegen Musik, die in keine Schublade passt. Richard Bona lässt seine afrikanischen Wurzeln einfließen, auch wenn er sich im aktuellen Projekt stilistisch nach Kuba orientiert. Er singt dazu in seiner Muttersprache Douala - seine Stimme klingt auch in der Höhe sanft und unaufgeregt. Stefano Volpe am Schlagzeug, Isamu McGregor an den Tasten, Ciro Manna an der Gitarre und Tatum Greenblatt an der Trompete machen die Verschmelzung der Stile freudig mit.

Auch das Publikum lässt sich von Bonas positiver Ausstrahlung anstecken. Die Zuhörer rufen den Solisten ein anerkennendes "Yeah" zu und amüsieren sich über Bonas Witze. Wenn er beispielsweise erzählt, wie seine Tour in dieser Woche verlaufen ist: "Tokio, Rio de Janeiro. London und jetzt. . . Ingolstadt!" Seine Loop-Station bezeichnet er als "Black Voodoo Machine" und benutzt sie gleich für eine Beatboxing-Einlage. Dass er völlig entspannt mit seinen verblüffenden musikalischen Fähigkeiten umgeht, macht Bona zum Liebling des Publikums.

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Für die Überraschung des Abends sorgt Renaud García-Fons. Sein Kontrabass kann klingen wie Instrumente aus anderen Kulturkreisen: Dafür sorgt der 53-Jährige mit schier unglaublichen Zupf- und Bogentechniken.

Das neue Programm seines Trios, "Revoir Paris", widmet sich eigentlich der Musette und dem Chanson. Aber der Franzose mit spanischen und italienischen Wurzeln kann in seinem Spiel nicht verbergen, dass seine Leidenschaft auch dem Flamenco und der Musik des Orients gilt. Wenn er mit seinem Bogen auf die Saiten schlägt, klingt sein Bass wie ein Zymbal - ein osteuropäisches Hackbrett. Über diese Technik schüttelt sogar die Jazzpianistin Olivia Trummer, die sich unters Publikum gemischt hat, bewundernd den Kopf.

Aber damit nicht genug: García-Fons entlockt seinem Fünfsaiter mit dem Bogen Gesang, zupft Basslinie und Akkorde gleichzeitig und spielt wahnwitzige Läufe. Auch seine Begleiter sind erlesen: David Ventuccis Akkordeon-Melodien verorten das Trio eindeutig in Frankreich. Stephan Caracci spielt sein Schlagzeug zu diesen schwelgenden Klängen angemessen minimalistisch oder sorgt dafür, dass sich sein Vibrafon elegant mit Kontrabass und Akkordeon vereint. Aber die drei Herren bleiben nie in der Musette-Romantik stecken, ihr Sound öffnet sich immer wieder hin zu anderen Kulturkreisen - als würden sie Paris vorübergehend in den vorderen Orient oder nach Andalusien verlegen. Dass dieses Trio großartig ist, spricht sich herum: Der Saal wird immer voller, der Jubel ist groß.

Stanley Clarke hat natürlich einen E-Bass mitgebracht. Schließlich zählt der 65-Jährige als Legende des Jazzrock. Er gibt großzügig Kostproben seiner Slapping-Technik - der sehr perkussiven Art, den Bass zu spielen, die er zusammen mit anderen Fusion-Bassisten erst bekannt gemacht hat. Doch Clarke kann auch Kontrabass - wenn es sein muss, für ein Intro auch ganz lyrisch gestrichen mit dem Bogen. Aber wenn die Band einsetzt, ist der Sound wieder ganz klar Fusion.

Auf der Bühne steht viel Elektronik: Beka Gochiasvili und Cameron Graves alias Planetary Prince entlocken diversen Synthesizern, Tasten und Effektgeräten spacige Sounds. Dazu tobt Michael Mitchell, den Stanley Clarke als "Black Dynamite" vorstellt, am Schlagzeug: laut hart, aber auch detailverliebt, wie schon allein die vielen verschieden klingenden Becken am Drumset beweisen.

Viel nachdenklicher geht es da beim Dieter Ilg Trio zu. Der 55-jährige Kontrabassist und seine Gefährten bewegen sich irgendwo zwischen Jazz und Kammermusik. "Mein Beethoven" heißt das Programm, das in diesem Jahr den Jazz-Echo erhalten hat. Die Werke des großen Komponisten bilden die Grundlage für großartige Melodien und ein hypnotisches Zusammenspiel der Musiker - das zeigt, wie sich die Arbeit im Jazztrio und in der Kammermusik ähnelt.

Nur dass Patrice Héral das Allegro der Pathétique mit samba-artigen Schlagzeugrhythmen beginnen lässt oder das Thema der Klaviersonate nicht Rainer Böhm spielt, sondern Dieter Ilg am Bass.

Die Jazzparty-Besucher haben unterschiedliche Strategien: Manche geben sich ganz der meditativen Atmosphäre bei Dieter Ilg hin oder feiern Clarke in voller Länge, manche lassen sich treiben. Doch egal, ob man alle vier Bassisten gesehen hat oder nur ausgewählte Lieblinge - dass die tiefen Töne Star-Potential haben, wird bei jedem der hochkarätigen Acts klar.