Ingolstadt: Der Griesgraminski mag Stinkesocken und Jazz
Foto: Johannes Hauser
Ingolstadt

Im Rahmen der Ingolstädter Jazztage gab es am Sonntag ein interaktives Konzert für Kinder - mit dem Nürnberger Quintett Klang Tarassa Bumm. Und das brachte nicht nur Musik von John Coltrane und Richard Rodgers mit, sondern nahm Jung und Alt mit auf eine verwegene Reise an den Ort, an dem die Sonne schlafen geht. Und dazu braucht man als erstes? Genau! Ein Schiff. Da wird die Querflöte zum 1a-Fernrohr und der Kontrabass zum Schiffsmast. Den Ostwind bläst das Publikum. Und für die Wellen lassen Kinder die blauen Stoffbahnen wogen. "Wir bauen uns ein Boot und fahren übers Meer, mit Sauerkraut und Brot der Sonne hinterher", singen die Musiker - und es klingt wie "My Favourite Things" von Richard Rodgers.

Ein so kluges wie unterhaltsames Konzept haben sich Sängerin Hanna Sikasa, Moderator und Schlagzeuger Adrian Klein, Saxofonist Julian Schunter, Gitarrist Florian Hirle und Kontrabassist Felix Buchner ausgedacht, indem sie theatrale Mitmach-Elemente mit einer kleinen Geschichte und viel Musik mischen - und so den Kindern (ab sechs Jahren) den Einstieg in den Jazz leicht machen. Und wenn Hanna John Coltranes berühmte Ballade "Naima" träumerisch-samten ins Mikro haucht, dann lässt sich das Publikum genauso betören wie beim bluesigen "Equinox" oder beim treibend-druckvollen "Mr. P.C.". Und ganz nebenbei lernt man auch etwas über Rhythmus, Klang, Tempo, Melodieführung und Instrumente. Zum Beispiel, dass ein Saxofon sprechen und lachen kann, wie das von Paradiesvogel Waldemar. Kein anderes Instrument kommt der menschlichen Stimme, ihrer Geschmeidigkeit und Ausdruckskraft so nahe wie das Saxofon.

Klar wird am meisten gelacht, wenn der Griesgraminski auftaucht, der schlechtgelaunteste Tausendfüßler unter der Sonne. Dann braucht man flugs ein paar Kinder, die ihm noch weitere Beine zur Verfügung stellen, und solche, die - nach seinem Nervenzusammenbruch - seine Stinkesocken ordnen. Aber dazu tönen eben so draufgängerisch wie zart präsentierte Jazzstandards. Ein Live-Erlebnis ist nie zu toppen, aber für alle, die's nachhören wollen: Es gibt eine CD "Übers Meer der Sonne hinterher" (Infos unter www.klangtb.de).