Claus Woelke
Ingolstadt

Die fünf jungen Männer - Bastian Hupfer und David Lugert (beide Tenor), Mateusz Phouthavong ("Ma Te") und Jörg Schwartzmanns (beide Bariton) sowie Heiko Benjes (Bass) - ließen das Publikum andächtig zuhören, fröhlich mitsingen und selig mitswingen in ihrem Crossover-Programm "Neue Songs in alten Mauern".

Doch sind es nicht nur ihre außergewöhnliche Musikalität und faszinierende Perfektion, mit der sie ihre Lieder interpretieren, wie sie aufeinander eingespielt sind, sich kurz verständigen, wer das nächste Lied aus der schier endlosen Bandbreite ihres Repertoires anstimmt. Abwechselnd führen sie charmant, offen und mit feiner Selbstironie in die Titel ein. Man glaubt, sie in der französischen Stadt Marseille sitzen zu sehen, wenn Heiko davon singt, wie einer am Hafen ist und auf die Schiffe blickt. Sie singen von Einsamkeit, Zweifel, Liebe und Angst. Auch davon, dass "Besitz besessen macht", dass "zum Leben Freiheit gehört", dass "das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt", und sie beschwören eine "Welt voller Wunder". Das Publikum spürt: Selbst, wenn sie Lieder anderer interpretieren ("Angels" von Robbie Williams oder "Radio Ga Ga" von Queen), steckt immer ein persönlicher Moment dahinter, der ihre Lust an der Musik und am Leben spiegelt. Das "S'Leben is wia Traum" der Spider Murphy Gang, das sie in St. Augustin performen, haben sie auf Einladung der Spiders bereits vor neun Jahren mit diesen im Circus Krone gesungen. Und werden es im nächsten Jahr in der Olympiahalle zum 40-jährigen Bestehen der Gang wiederholen.

Fotostrecke: Viva Voce in der St. Augustin Kirche

 

Mitreißend sind ihre Körperperformance, ihr Fingerschnipsen, ihre Tanzschritte, die kleinen Gesten, ein Schulterklopfen, ein Kopfstreicheln oder die Slapstick-Einlage, als Jörg Schwartzmanns' einmalige Kunst, allein mit der Stimme ein komplettes klassisches Schlagwerk zu ersetzen, seine Mouth-Percussion, vorgeführt wird: Da muss Bastian Hupfer das Schlagwerk "darstellen", sich rütteln und zucken, wenn Schwartzmanns Kostproben gibt von Becken, von der kleinen und großen Trommel und ihn andeutungsweise dabei schlägt.

Seit acht Jahren sind sie eine eingespielte Formation. Gegründet wurde Viva Voce 1998 von vier ehemaligen Mitgliedern des Windsbacher Knabenchores (Lugert und Hupfer sind Gründungsmitglieder), die im Stil der Comedian Harmonist begannen und geistliche Lieder pflegten. Mit Jörg Schwartzmanns kam der eigene jazzige Rhythmus hinzu. Kontinuierlich haben sie sich weiterentwickelt, absolvieren rund 150 Auftritte im Jahr, wurden vielfach ausgezeichnet, reisen als Kulturbotschafter um den Globus und haben 13 Alben vorgelegt - erst jetzt sind "Viva Voce goes Symphonic" und "Ein Stück des Weges" erschienen. Aus diesem singen sie das innige "Immer begleiten" und das im Gospelstil schwingende "Gentle Shepard". Im nächsten Jahr wird es anders weitergehen, Jazzstudent Ma Te wird eigene Wege stärken.

Davon war am Sonntagabend nichts zu spüren. Zum Niederknien schön das Gloria und Kyrie aus Ariel Ramirez' Misa Criolla und, als allerletzte Zugabe, das ohne Mikrofone und im Mittelgang der Kirche im Kreis stehend intonierte "Halleluja". Da war nicht nur der Hausherr in St. Augustin, Pfarrer Erich Schredl, restlos beseelt von dieser einmaligen Klangfülle.