Ingolstadt: Der Dancefloor ist eröffnet
Brauchen keine übertriebene Lautstärke, um das Publikum wegzublasen: Nils Landgren, der Mann mit der roten Posaune, und seine Band Funk Unit brachten ihre Zuhörer auf der Jazztage-Welcome-Party im NH-Hotel zum Tanzen, Jubeln und Schwitzen. - Foto: Persy
Ingolstadt

Das Programm der Jazzpartys enthält meistens funkige Kracher. Und Nils Landgren zündet: Er macht schlichtweg alles richtig am Donnerstagabend bei der Welcome Party, die den Jazztage-Reigen im NH-Hotel eröffnet: Sein Publikum jubelt, tanzt und schwitzt.

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Der Schwede mit der roten Posaune kennt die Ingolstädter Jazztage gut. Er war mit seiner Band Funk Unit schon mehrfach zu Gast. Und er bekennt: "Wir haben uns schon auf heute gefreut." Genau wie das Publikum schätzt der 61-Jährige den ungewöhnlichen Konzertraum, in dem die Zuhörer nur eine Armlänge entfernt und keinen halben Meter niedriger stehen als die Musiker. "Da kriegt man fast Tränen in die Augen, wenn alle Leute so da stehen und dich anschauen", sagt Landgren in perfektem Deutsch. Passend spielt die Band die Nummer "Stars in your eyes" von der aktuellen Platte "Unbreakable" - ihrem siebten Studioalbum. Diese Musik ist die wesentliche Zutat zu der Atmosphäre, die der schwedischen Formation so gut gefällt.

Anders als Inkognito oder Tower of Power, die im NH-Hotel ebenfalls schon oft zu Gast waren, brauchen die sechs Männer von Funk Unit keine übertriebene Lautstärke, um ihr Publikum wegzublasen. Der Sound ist so, wie man ihn von einer ordentlichen Funk-Band erwartet: Robert Mehmet Ikiz am Schlagzeug und Magnum Coltrane Price am Bass verausgaben sich beim Grooven. Petter Bergander an den Tasten hat eine echte Hammond-Orgel samt Leslie-Lautsprecher und ein Original-Fender-Rhodes dabei. Andy Pfeiler an der E-Gitarre macht gerne vom Wah-Wah-Effekt Gebrauch. Nils Landgren und Jonas Wall an Posaune und Tenorsaxofon liefern ihre Bläserpassagen auf den Punkt ab.

Bei dieser Auflistung könnte man denken, dass die Schweden das Klischee einer Funkband erfüllen wollen. Das tun sie aber nicht, sondern machen ihr eigenes Ding und überraschen mit ungewöhnlichen Soli und Sounds - was das völlig aufgeheizte Publikum mit Juchzern quittiert.

Zum Beispiel benutzt bei Funk Unit nicht nur der E-Gitarrist gerne Effektgeräte, sondern auch die beiden Bläser. Nils Landgren schwört auf ein Gerät, das eigentlich für Gitarren gedacht ist. Damit kann er seine Posaune verfremden oder sozusagen vervielfachen. Der 61-Jährige zeigt auch schon ohne jede Elektronik, was man aus einer Posaune alles herausholen kann - mit den Effekten erweitert er den Sound noch mehr. Das bleibt aber stets stimmig und klingt schlicht phänomenal - genau wie die Band im Ganzen. Die griffigen Textzeilen ("We'll be rockin' after midnight") singt das Publikum mit - dass die sechs Schweden sie so knackig rüberbringen, verführt dazu. "It's very important to have some fluency when you sweat so much", kommt noch der gute Rat aus der Band, bevor sie das Publikum bis kurz nach Mitternacht auf Trab hält.