Ingolstadt: Großes Kino
Fliegende Autos gibt es in Unterwössen im Landkreis Traunstein. Für die ausgeklügelte Filmtechnik erhielt die örtliche Mittelschule den Publikumspreis. - Foto: Mittelschule Unterwössen
Ingolstadt

Der Duft von süßem Popcorn steigt in die Nase, große rosa Zuckerwattebälle werden sorgfältig nebeneinander aufgereiht. Am Süßigkeitenstand vorbei geht es in den dunklen, mit wenigen pastellfarbenen Leuchten bestückten Saal. Eine riesige Leinwand, davor eine große Bühne: Die Halle neun in Ingolstadt ist für einen Tag ein Kino, Austragungsort des 15. Jugendfilmfestivals Oberbayern, kurz Jufinale. Zu sehen sind 32 Produktionen von jungen Leuten zwischen 12 und 26 Jahren. Der Bezirksjugendring Oberbayern und der Stadtjugendring Ingolstadt sind die Veranstalter des Filmemarathons am vergangenen Samstag. Was darf da nicht fehlen? Viel Pizza zur Stärkung und als Nervennahrung. Der Foodtruck vor der Tür sichert den Nachschub.

Dabei ging es im Vorfeld wie in der Filmbranche zu: Zunächst mussten sich die Kinder und Jugendlichen Inhalte ausdenken, dann ein Drehbuch schreiben, die filmische Umsetzung planen, Utensilien besorgen, den Film abdrehen, das Material schneiden, Musik und Soundeffekte einfügen und nachbearbeiten. Dazu zählen Sequenzen in Zeitlupe und Zeitraffer, Einfärbungen des Bildmaterials oder die Verwendung der Blue-Screen-Technik. Das ganze Programm.

Entstanden sind Stop-Motion-Filme aus Knete und Zement, Papier und Pappe, aber auch Zeichentrick und viele Realfilme - und je länger der Film, desto größer der Aufwand. Für die Filmprojekte konnten Ortschaften, die Feuerwehr, Büchereien, die Polizei und sogar ein Zirkus gewonnen werden. Belohnt wird das Engagement mit sechs oberbayerischen Jugendfilmpreisen, einer davon ein Publikumspreis, und zwei besonderen Auszeichnungen. Davor heißt es aber: acht Stunden Filmegucken - mit Pausen.

Los geht es mit einem Heimspiel. Der Stop-Motion-Film einer Gruppe des Stadtjugendrings Ingolstadt zeigt mit selbst gebastelten Figuren aus Alu oder Plastik, wie Freundschaften zwischen unterschiedlichen Charakteren entstehen können und dass Freunde alles füreinander tun.

Doch nicht nur Jugendverbände, sondern auch Ganztagsschulen, Ferienprogramm-Gruppen, Schulfilm-AGs oder selbstständig arbeitende Jugendliche haben einzigartige Werke geschaffen. Manche haben sogar mehrere Filme eingereicht, etwa die Anjar-Filmgruppe aus Altötting. Drei Produktionen haben die Jugendlichen während eines Ferienprogramms gedreht und mit "Äktschn ... to go" die vierköpfige Jury überzeugt. Besonders gefallen haben die ungewöhnlichen Bilder, mit einer flexiblen GoPro-Kamera eingefangen, und der bayerische Witz der Protagonisten.

Weitere Preisträger sind Workflow Productions mit "Akte O", die einen Ohrwurm so ernst nehmen wie eine Naturkatastrophe. Zu den Gewinnern gehören auch der 19-jährige Florian Hofmann, der mit "We are watching you" einen ausgeklügelten Animationsfilm über das Innere des Smartphones geschaffen hat, und die hochprofessionelle Gruppe N-ten Film, die mit "Motten" beweist, dass sie qualitativ schon für die Öffentlich-Rechtlichen produzieren könnten. Das P-Seminar Animationsfilm wird für "Die rechte Form" ausgezeichnet. Darin geht es um ungeliebte Rechtecke in einer quadratischen Welt, um gesellschaftliche Normen und Vertreibung. Für diesen Beitrag gibt es den Sonderpreis Heimat.

Eine besondere Anerkennung erhält die Offene Ganztagsschule Dorfen (Kreis Erding) mit "Ein Klick zurück". Zwar keinen der sechs regulären Preise, aber die Nachwuchsschauspieler sollen für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet werden. Denn: Sie zeigen Mitgefühl für andere, beziehen Gebärdensprache mit ein und verbinden dies mit zukunftsweisenden Erfindungen, etwa einer Zeitreise-App. Eine weitere besondere Anerkennung erhält ein Gesundheits- und Krankenpflegekurs der Unfallklinik Murnau mit seinem hochprofessionellen Berufsschulprojekt, das filmische Spezialeffekte mit Fachwissen und der Kritik an der Pflegepolitik verbindet.

Außergewöhnliche Bilder zeigen die LJ Buddys mit ihrem Drohnenflug über das Kloster Weltenburg und Kelheim. Und obwohl sie aus dem Landkreis Pfaffenhofen kommt, zeigt die Leonhardt Filmproduktion einen Kurzfilm über das nordfriesische Sankt Peter-Ording.

Der Fantasie waren an diesem Tag keine Grenzen gesetzt - selbst der Moderator trat im Fernsehstörbild-Anzug auf. Die Jugendlichen begeisterten mit ihrer Themenwahl und der Umsetzung nicht nur die Jury, sondern auch die Zuschauer. Und auch wenn nicht jeder gewinnen konnte, feierten sie am Ende eine große Party. Die Prämierten, die eine Trophäe in Kameraform und 200 Euro Preisgeld bekamen, werden sich wiedersehen: beim gesamtbayerischen Kinder- und Jugendfilmfestival vom 21. bis 24. Juni nächsten Jahres in Roth.