Gates als Sologitarrist, der die Songs legendärer Bluesmen von Big Bill Broonzy bis Elmore James spielt und eigene in deren Stil hinzufügt und mit dieser Methode einen durchaus soliden Eindruck hinterlässt. The Leadbelly Project, indem es sich die Stücke des sagenumwobenen und bereits 1949 verstorbenen Huddie Ledbetter zur Brust nimmt. Und damit für die mit Abstand größte Entdeckung des bisherigen Bluesfestes 2011 sorgt.
 
James O. Belcher aus Alabama/Georgia, Schlagzeuger und Sänger mit mächtiger Soulröhre, Alexander Möckl als Soundspezialist an der Gitarre und Jonas Hermes, ein Tausendsassa am Kontrabass, bringen es tatsächlich fertig, den archaischen Vorkriegsblues Leadbellys weit hinein ins 21. Jahrhundert zu transferieren, in einer Art, dass man teilweise die Vorlagen gar nicht mehr wiedererkennt. Als Meister der Verfremdung arrangieren sie Grunge-Sounds, kammermusikalische Streicherspuren, Bassgeblubbere, Guitarloops, Rap und Dancebeats auf exzellente Weise um altehrwürdige Kompositionen wie "Gallis Po" und "Green Corn" herum, verschmelzen nicht für kompatibel gehaltene Bestandteile zu einer unerhörten Melange, die man vielleicht noch am ehesten mit Independent-Blues bezeichnen könnte.
 

Das Trio ist ständig in Bewegung, emotional und musikalisch. Wie hier jeder mit jedem kommuniziert, wie jeder auf jeden eingeht, ist sensationell. Zwischen den drei Musikern herrscht eine Art elektrisch aufgeladenes Spannungsfeld, von dem man als Zuhörer magisch angezogen wird. In diesem Milieu ergeben sich Dynamik und Energie, die mit Händen zu greifen sind. In dieser Dichte hat man so etwas lange nicht erlebt. Und so ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass die Band ohne Ansagen auskommt und das Publikum mit rein musikalischen Mitteln problemlos knackt, obwohl das bei diesmal vergleichsweise gelichteten Reihen nicht gerade einfach ist.

Von ganz weit weg schiebt sich die berühmte Ry Cooder-Gitarre aus "Paris, Texas" ins Bild, Nirvana servieren bei "Where Did You Sleep Tonight" das volle Brett, Tom Waits lässt mit gegen den Strich gebürsteten Sounds grüßen und irgendwer hat das alles auf Zeitlupe heruntergedreht. Oder auf Speed beschleunigt. Oder verschiebt mal eben die Eins. Oder lässt gerade den Rhythmus einschlafen und einen neuen erwachen. Und doch ist das alles doch immer noch Leadbelly-Blues, also klassischer Stoff. Immer noch nennen sich diese Klassiker "Bourgeois Blues" oder "Midnight Special". So grandios wie The Leadbelly Project aber hat sie selten jemand je interpretiert. Was für eine Band! Absolut überragend!