Ein Star dirigiert Schüler
Ingolstadt (DK) Mit geschlossenen Augen sitzt er versunken in der Ecke und lauscht. Jos van Immerseel, der berühmte Dirigent, Pianist und Professor am Antwerpener Konservatorium, der im Rahmen der Audi-Sommerkonzerte auch in Ingolstadt gastiert.

Konzentriert präsentieren sich die Schüler des Reuchlin-Streichorchesters dem Dirigenten Jos van Immerseel. - Foto: Rössle
Die Schüler sind interessiert und offen für die Kritik des Meisters und auch van Immerseel kommt gut mit der Situation zurecht, die auch für ihn neu ist. Er erklärt genau, treibt die Jugendlichen zu Höchstleistungen, spielt selbst Beispiele am Flügel an und ist sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis. Das Streichorchester, in dem Schüler der Klassen 5 bis 13 gemeinsam musizieren, meistert die "Probe" mit dem Profi souverän.
Jos van Immerseel gibt den Schülern einen Einblick in seine spezielle Art, eine Gruppe von Musikern zu leiten. Wie wichtig hierbei ein exaktes Abstimmen der einzelnen Instrumente und eine genaue Intonation ist, erklärt er den Schülern und lässt sie nacheinander ihre Stimmen aufeinander aufbauen. Schon bald erreicht er gemeinsam mit ihnen eine wohltönende Klangfülle ganz ohne Vibrato und mit viel Gefühl. In lockerer, aber konzentrationsgeladener Atmosphäre, mit kleinen Plaudereien aus dem Orchesteralltag, gelingt es ihm, die Schüler für sich und die Klassik zu begeistern. Die Bemühungen des Projektes "Rhapsody in school", Jugendliche durch Besuche von Orchestern, Ensembles oder einzelnen Künstlern an die klassische Musik heranzuführen, sind am Reuchlin-Gymnasium mit Erfolg gekrönt.
Lucas (19) ist begeistert von der Arbeit mit dem "Perfektionisten" van Immerseel, der "gut auf uns eingeht". Auch die 16-jährige Stephanie, schwärmt von der "angenehmen Art" des Dirigenten und der ungezwungenen Atmosphäre ohne Lampenfieber während dieser besonderen "Probe".
Nach einer viel zu kurzen Stunde wird Jos van Immerseel von den Schülern mit Fragen bombardiert. Er gibt die lange Liste seiner Lieblingskomponisten preis und erzählt, wie er als kleiner Junge vom Klavier seiner Mutter fasziniert wurde. Am Ende bedankt sich der Meister für die angenehme Arbeit.
Er verabschiedet die jungen Streicher und erklärt augenzwinkernd, dass sie "ohne Instrumente" in das abendliche Konzert kommen müssten.
Von Magdalena Breitenhuber

