Ingolstadt: Die Jahrhundert-Saison
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Ingolstadt

Sogar die Anzahl der Abonnenten ist zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gestiegen. Derzeit liegt sie bei 626 Vereinsmitgliedern. Insgesamt verkaufte der Konzertverein für die 18 Konzerte mehr als 13 800 Karten. So herrscht große Zufriedenheit bei der Vereinsvorsitzenden Eva-Maria Atzerodt.

Gleich mehrere Konzerte der Jubiläumssaison waren gänzlich oder nahezu vollständig ausverkauft. Am erfolgreichsten war das Neujahrskonzert mit dem Wiener Ensemble "The Philharmonics" mit 1217 Gästen. Kaum weniger gut besucht waren die Abende mit der spanischen Cellistin Sol Gabetta (1196 Besucher) sowie die h-Moll-Messe von Bach dirigiert von Peter Dijkstra und mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks (1162 Besucher). Überraschend viel Publikum fanden auch die zwei Liederabende, die Auftritte von Christian Gerhaher (836) und Christiane Karg (702). Dabei gelten heute bei Konzertveranstaltern Auftritte von Sängern geradezu als Kassengift.

Gerade der Abend mit den "Philharmonics" traf den Nerv des Publikums. Hier spielten Musiker der weltbesten Orchester aus Berlin und Wien auf denkbar höchstem Niveau. Aber sie stellten ihre Fingerfertigkeit weniger der ernsten Musik zur Verfügung als einem unterhaltsamen Programm, das auch Schlager und Filmmusik intelligent und witzig integrierte.

Die Saison war bestimmt von bewegenden Momenten und künstlerischen Höchstleistungen. Allerdings waren die musikalisch gewichtigsten Abende nicht unbedingt diejenigen, die auch am besten vom Publikum besucht wurden. So stieß etwa das eher mäßig besuchte Gastspiel des Armida-Quartetts auf ungeheure Begeisterung, viele schwärmten hinterher vom farbenreichen, detailversessenen Spiel der Musiker. Auch das sich geradezu szenisch inszenierende Carion-Bläserquintett wurde gefeiert. Das feinnervige Spiel des Pianisten Martin Stadtfeld, die vokale Intelligenz eines Christian Gerhaher, die sinnlichen Töne der Sopranistin Christiane Karg und die hochemotionale Darstellung von Bachs h-Moll-Messe unter der Leitung von Peter Djikstra - all das waren grandiose Konzerte.

Die außergewöhnliche Konzertsaison gelang trotz erheblicher finanzieller Schwierigkeiten. "Das ist alles mit heißer Nadel gestrickt", sagt Vereinsvorsitzende Atzerodt. Denn für das Jubiläum konnten allenfalls kleine Rücklagen verwendet werden. Die Unterstützung der Stadt blieb (weitgehend) bei den üblichen 25 000 Euro - ein Betrag, der fast vollständig für die Saalmiete des Ingolstädter Festsaals an die Stadt zurückfloss. Wichtige Sponsoren wie die Sparkasse Ingolstadt haben ihre Unterstützung zuletzt zurückgezogen.

So ist es kein Wunder, dass nun ab dem Herbst eine eher normale Konzertsaison bevorsteht mit lediglich 13 Konzerten sowie einem Sonderkonzert und einem Festkonzert mit der Philharmonie Kiew, das genau am Tag der Vereinsgründung vor 100 Jahren am 12. November 2017 stattfinden wird. Aber auch in der neuen Saison reisen außergewöhnliche Künstler nach Ingolstadt. So gastiert etwa im poppigen Outfit der Geigenvirtuose Nemanja Radulovic, ein aufstrebender Star, den der Konzertverein zu einer Zeit engagiert hatte, als dessen Gage sich noch in einem erschwinglichen Rahmen bewegte. Erneut eingeladen wurden einige Künstler, denen in den vergangenen Jahren herausragende Auftritte gelangen: etwa der Tenor Daniel Behle, der nun Schuberts "Winterreise" in einer Version mit Klaviertrio interpretieren wird. Der Spezialist für historische Aufführungspraxis, Reinhard Göbel, kommt, ebenso der Geiger Ingolf Turban, der Pianist Andreas Staier, die Schlagzeugerin Vivi Vassileva, die 2013 mit dem Musikförderungspreis des Konzertvereins ausgezeichnet wurde.

Die Saison im Anschluss an ein besonders gelungenes Jubiläum ist immer problematisch. Allzu groß ist die Gefahr, dass die Feierlichkeiten einen schweren Schatten auf den anstehenden Konzertzyklus werfen. Vielleicht ist es da besonders wichtig, auf Tradition zu setzen. Die vielen Künstler, die nun erneut in Ingolstadt auftreten, erinnern an die eigentliche Stärke des Konzertvereins: dass er ein Treffpunkt weltbester Musiker ist.

Programm der Saison 2017/2018

  • Klaviertrio Schäfer/Then-Bergh/Yang. Werke von Schubert, Tschaikowsky. Mittwoch, 27. September
  • Isabelle Faust, Violine, Andreas Staier, Klavier. Werke u.a. von Carl Philipp Emanuel Bach, Beethoven, Brahms. Mittwoch, 4. Oktober
  • Wettbewerbskonzert Junge Künstler. Diesmal mit Sängern. Dienstag, 17. Oktober
  • Jerusalem Quartet. Werke von Beethoven, Bartok und Dvorak. Samstag, 18. November
  • Daniel Behle, Tenor, Oliver-Schnyder-Klaviertrio. Schubert: „Winterreise“. Montag, 27. November 
  • Bayer. Kammerphilharmonie, Bruno Delepelaire, Cello, Reinhard Goebel. Leitung. Werke von Johann Christoph Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, Wilhelm Friedemann Bach. Montag, 11. Dezember
  • Ensemble Amarcord, Hille Perl. Werke u. a. von Holborn, Vecchi, Kapsberger. Mittwoch, 31. Januar 
  • I Virtuosi di Paganini, mit Ingolf Turban, Violine, Matthias Kirschnereit, Klavier. Werke von Mendelssohn, Paganini, Rossini. Freitag, 23. Februar
  • Michail Lifits, Klavier. Werke von Schubert, Schostakowitsch. Mittwoch, 7. März
  • Quatuor Voce Paris, Laurent Breuninger, Violine, Oliver Triendl. Klavier. Werke von Fauré, Ravel, Chausson. Dienstag, 20. März
  • Sinfonietta Cracovia, Susanne Hou, Violine. Werke von Mendelssohn, Bach, Mozart, Haydn. Mittwoch, 18. April
  • Nemanja Radulovic, Violine + Streicher. Werke u. a. von Bach, Mozart. Donnerstag, 3. Mai
  • Till Fellner, Klavier. Werke von Schubert. Donnerstag, 17. Mai
  • Festkonzert: Staatl. Philharmonie Kiew, Antonii Baryshevskyi, Klavier, Mykola Dyadiura, Leitung. Sonntag, 12. November, 19 Uhr
  • Sonderkonzert: Vivi Vassileva + Percussion Quartett. Werke u. a. von Vassileva, Gerassimez, Piazzolla, Chick Corea. Donnerstag, 11. Januar

Alle Konzerte (außer das Festkonzert) finden um 20 Uhr im Ingolstädter Festsaal statt. Karten und Abonnements gibt es in den DK-Geschäftsstellen und telefonisch im Büro des Konzertvereins Ingolstadt unter (08 41) 8 81 57 98. Schüler und Studenten erhalten Karten für vier Euro.