Mittwoch, 30.05.2012 |

 

20.02.2012 20:47 Uhr | 69x gelesen
Drucken Text vergrößern

Die Abwesenheit des Körpers


Bild: Die Abwesenheit des Körpers. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Es ist dämmerig und gefühlt sehr blau im Eingangsfoyer zur Ausstellung der jungen Schweizerin Pamela Rosenkranz. In dem kleinen Tonnengewölbe leuchtet Yves Kleins „International Klein Blue“ von einem Monitor und leise, leise murmelt es dazu.

Ingolstadt (DK) Es ist dämmerig und gefühlt sehr blau im Eingangsfoyer zur Ausstellung der jungen Schweizerin Pamela Rosenkranz. In dem kleinen Tonnengewölbe leuchtet Yves Kleins „International Klein Blue“ von einem Monitor und leise, leise murmelt es dazu.


Ingolstadt: Die Abwesenheit des Körpers
Die Frage nach Identität stellt Pamela Rosenkranz in ihrer Installation im Ausstellungsraum T 25 - Foto: Wittmann
Das wirkt nun erst einmal berückend meditativ. Doch es geht, ganz unromantisch und sachlich, um „The Death of Yves Klein“. Das Murmeln erweist sich als die Stimme der Künstlerin, die auf Englisch Warnhinweise vor den gesundheitsschädlichen Malsubstanzen und dem exzessivem Lebenstil, welche womöglich beide Kleins frühen Tod mitverursacht haben, herunterbetet. Und auch das Blau ist eine Schimäre: Natürlich kann es auf dem Display nicht so wie einst von Klein patentiert wiedergegeben werden. Entzauberung einer Legende? Sozialkritisches Statement zur Situation des Künstlers an sich?

In der großen, renommierten Kunsthalle Basel war dieses so pointierte wie komplexe Videoloop der 32-Jährigen im Frühjahr vergangenen Jahres zu sehen, nun ist es in das winzige gemietete Ausstellungskabinett T 25 des Ingolstädters Andreas Wittmann im Rückgebäude der Theresienstraße 25 eingezogen. Hier präsentiert der leidenschaftliche Sammler zeitgenössischer Kunst seit 2009 rein zum Privatvergnügen Neuerwerbungen oder Schätze aus seinem Bestand – und beweist dabei regelmäßig sein Gespür für junge spannende und hochqualitative Positionen.

Das ist auch im Fall Rosenkranz so, einer so aufstrebenden wie zurückhaltenden Künstlerin, deren Arbeiten auf hochkomplexen philosophischen oder wissenschaftlichen Ansätzen beruhen, dabei aber ebenso sinnlich wie sanft ironisch wirken. Ihre Qualität kann man eratmen, selbst wenn man von ihrem intellektuellen Grundkonzept nichts weiß – das zeigt sich besonders im zweiten, zentralen Ausstellungsgewölbe.

Das hat Rosenkranz in eine berückend intime Gesamtsituation verwandelt, in einen Raum, der menschliche An- und Abwesenheit gleichzeitig spannungsvoll inszeniert. Auf einer gebogenen Plexiglasscheibe beschwört bräunliche Farbe einen Körper (auch das ein Motiv Yves Kleins), Handtücher in Nischen und auf Fensterbrettern scheinen gerade eilig hier abgelegt, so milchiges wie steriles Licht – denn die Fenster hat Rosenkranz mit Folie verkleidet und dazu eine dunkle Holzwand weiß gestrichen – erinnert an eine Krankenzelle. War jemand hier? Wo ist er hin? Für immer verschwunden oder nur kurz? Eine bebende Präsenz hat das Nichtvorhandene in dieser tiefgründigen Arbeit. Unbedingt sehenswert!

Die Ausstellung im Rückgebäude der Theresienstraße 25 läuft bis 4. April, sie ist jeden Samstag von 16 bis 18 Uhr geöffnet .


Von Karin Derstroff

Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Raritäten und Klassik-Schlager
"Die Kunst geht nicht nach dem Markt"
"Eine tolle Auswahl"
Literarisches Fräuleinwunder
Die Schönheit der Leiber
Frisch aus dem Baumarkt
Großes Herz
Das Fremde in uns
Per Karussell nach Moskau
Unheimliches Idyll
 


>