Ingolstadt: Das große Irrewirre
Dunkelheit, Nacht, Schlaflosigkeit sind zentrale Motive in "Macbeth". Knut Weber inszeniert mit einem siebenköpfigen Ensemble ein Albtraumspektakel mit Musik von den Tiger Lillies. ‹ŒProb - foto: Hiller
Ingolstadt

Shakespeare verknüpfte in seinem Drama, das um 1606 entstand, geschichtliche Fakten über den historischen Schottenkönig Macbeth und den zeitgenössischen englischen König Jakob I. mit Aberglauben, Mythologie und Fiktion und wirft so einen Blick ins diffuse Dunkel menschlicher Abgründe. Angeblich verwendete Shakespeare in seinem Text echte Zaubersprüche. Hartnäckig hält sich in Theaterkreisen der Aberglaube, dass es Unglück bringt, wenn der Titel des Stückes genannt wird. Man munkelt sogar von schrecklichen Bühnenunfällen. Stattdessen wird oft nur vom "schottischen Stück" gesprochen.

"Der Fluch des Stücks hat uns schon verfolgt", sagt Intendant Knut Weber. "Dauernd war jemand krank. Wir mussten deshalb schon einige Proben opfern." Er lacht. So ganz ernst meint er es nicht. Am Freitag, 8. Dezember, hat unter seiner Regie "Dreamtime" im Kleinen Haus Premiere, ein Theaterspektakel nach Motiven von Shakespeares "Macbeth" mit Musik von den Tiger Lillies. Bekannt wurden diese Kultband vor allem mit der Junk-Oper "Shockheaded Peter" und ihren schaurig-schönen Moritaten, die mit britischem Humor durchsetzt sind.

2003 hatte Weber mit dem damaligen Regisseur Michael Simon eine Fassung für das Staatstheater Karlsruhe erarbeitet. "Der Stoff ist einfach wahnsinnig faszinierend. Er kreist um die Frage: Was macht es mit mir, wenn ich die Macht habe" Für Ingolstadt hat Weber nun eine neue Version entwickelt. "Sie ist näher dran an Shakespeares Text. Wir erzählen ,Macbeth €˜, aber nicht im Sinne von einer Psychologie der Figuren. Um einen Begriff aus dem Stück zu verwenden: Der Abend ist ein großes ,Irrewirre €˜. Ein alchemistischer Abend, der versucht, die verschiedenen Künste Schauspiel, Musik, Videokunst, Bühne und Kostüme gleichberechtigt nebeneinander stark zu machen und alles in ein produktives Chaos zu stürzen, um diese Geschichte zuzuspitzen", erklärt Weber.

Gleich vier Schauspieler übernehmen dabei die Rolle Macbeths (Jan Gebauer, Péter Polgár, Richard Putzinger, Enrico Spohn) und drei Schauspielerinnen die von Lady Macbeth (Sarah Horak, Renate Knollmann, Katharina Solzbacher). Der rote Faden ist Shakespeares Tragödie und die Songs der Tiger Lillies strukturieren den Abend. Die Songs sind zwar auf Englisch, aber die Übersetzungen wird man im Programmheft finden.

Gespielt wird im Kleinen Haus. "Das hat was mit der Musik zu tun", sagt Knut Weber. "Man sollte die Musik nicht aufblasen. Es sind Kinderlieder, Jahrmarktlieder, Bänkelsongs, die in einer unglaublichen Naivität die größten Grausamkeiten beschreibt." Matthias Flake ist für die Musik verantwortlich. "Ein irrwitziges Miniorchester" aus Toypiano, Akkordeon, Klavier, Dudelsack, Schlagwerk, Waterphone, Gitarre und Trompete. "Ich glaube, die Lieder sind dann stark, wenn man sie so belässt - ganz nah bei den Tiger Lillies."

Premiere ist am Freitag, 8. Dezember, um 20 Uhr im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt. Kartentelefon: (08 41) 30 54 72 00.