Ingolstadt: "Es herrscht wieder Aufbruchsstimmung"
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Ingolstadt

Manche Orte warten nur darauf, entdeckt zu werden. Und manche Orte könnte man schöner nicht erfinden. Das Kap94 ist ein solcher Ort. Einmalig allein schon wegen seiner historischen Gemäuer, der verwunschenen Lage am Ingolstädter Künettegraben. Und ganz besonders wegen seines kreativen und überbordenden Innenlebens. Ein Ort mit viel Potenzial. In den verwinkelten Räumen mit den dicken Mauern gibt es Platz für Ateliers, Werkstätten, eine Bar, Kinderprogramm, Märkte, Konzerte, Partys - und viel Raum für gemeinsam Aktionen.

Im Februar vergangenen Jahres hat das Kap seine Verwandlung vom Schmuddelkind "Batterie 94" zum neuen Kulturstandort erlebt. Ines Weinfurtner, der Lichtkünstler Markus Jordan und andere Aktive aus der Kreativ- und Kunstszene haben viel Geld, Zeit und Arbeitsstunden investiert. Da Ines Weinfurtner sich auf ihre gastronomische Tätigkeit konzentrieren will, stand das Projekt nach etwa einem Jahr auf der Kippe. Doch das kreative Leben im Kap geht weiter.

"Wir wollten diesen Ort als Plattform für alle, die neugierig sind, erhalten. Für Kultur für alle", sagt Hermann Blenk, Schatzmeister des neuen Vereins. Die Gespräche mit dem Polizeisportverein, Vermieter des Gebäudes, das der Stadt gehört, seien sehr positiv gewesen, berichtet Blenk erfreut, der auch in der Performance-Gruppe Glow-Connection aktiv ist. Auch für die Finanzierung, die bislang privat lief, haben sie eine Lösung gefunden: mit Mitgliedsbeiträgen und der Miete der Atelierräume, einer städtischen Förderung und der Verpachtung der Bar sowie mit Konzerten, Lesungen und Vermietungen der Räume für Workshops oder Feiern will der Verein seine Projekte und auch große Vorhaben umsetzen. Wie etwa den Dachgarten auf dem Gebäude. Die gute Nachricht, so Blenk: Die Genehmigung für die Treppe habe man bereits. Markus Jordan, Mann der ersten Stunde, freut sich ebenfalls, dass das Kap weiter besteht. "Es füllt eine Leerstelle, die auch durch den Wegfall des Körnermagazins entstanden ist", sagt er. Die Nachfrage nach Ateliers, Probenräumen und einem Treffpunkt für kreative Leute sei groß. "Wir mussten manchen leider schon absagen."

Der Metallkünstler Tom Parthum, einer der Mitbegründer von damals, sitzt in seinem Atelier mit Blick auf das Wasser und das Grün und konstruiert filigrane und aberwitzige Miniaturfiguren und andere Gestalten. "Es herrscht schon wieder Aufbruchsstimmung", schwärmt der 41-Jährige. Für das Kap kann er sich vieles vorstellen: Ausstellungen, eine Art Galerie, aber auch Talkformate. "Hier ist gemeinsam alles möglich." Eine Tür weiter hat sich Karin Voit ihre Malutensilien zurechtgelegt. Die Lehrerin, die "froh und glücklich" ist, dass sie hier wirken kann, teilt sich das Atelier mit der Künstlerin Beatrix ChaBé Müller. Und im Raum gegenüber sucht sich Paula Gendrisch, stellvertretende Vorsitzende, die Utensilien für das "Kap der Kinder" zusammen.

Aber nicht nur die Atelierkünstler sind aktiv. Jedes Mitglied kann sich einbringen. Und so geht es um Lichtkunst, Bildende Kunst, Bitkunst, Schauspiel, Physical Theatre, Malerei, Elektronik, Jonglage, Grafik, Videokunst, Musik, Puppenspiel, Breakdance, Tanz, Kunsthandwerk, Glasbläserei, Steam Punk oder Upcycling-Aktionen. Wie etwa bei Christoph Peischl, der außerdem gleich noch die Musiktechnik bei den Konzerten übernimmt.

Vom Kap94 begeistert ist auch David Macaira. Der 61-Jährige ist so etwas wie die "gute Seele" des Vereins und des Gebäudes. Manche nennen den gebürtigen Brasilianer, der nach Stationen in Portugal und München vor drei Jahren nach Ingolstadt zu seiner Familie zog, auch einfach "Meister Eder". Macaira, dem die Arbeit mit dem Holz nach einer schweren Krankheit auch Therapie war, ist ein begnadeter Künstler mit besonderer Erfahrung. In Brasilien hat er für die Karnevalsumzüge Wagen und Figuren, in Portugal ein mobiles Theater auf einen Lkw gebaut. Im Kap hat sich Macaira, der auf "Ruhe und Geduld" setzt, ein winziges Atelier eingerichtet. Bis unter die Decke voll mit Holz und Werkzeug. Aus Fundstücken von Spaziergängen an der Donau entlang oder im Wald schafft er seine Werke. Besondere Hingucker sind die fein gearbeiteten Lampen in jeglicher Größe, Vasen, Obstschalen, Ringe, Armreifen. Das Material? Ein alter Holzboden aus dem Stadttheater.

Das, was sie wohl alle an diesem besonderen Ort eint, ist der Gedanke der Gemeinschaft, der Vernetzung, des Miteinander. Für Paula Gendrisch ist das Kap "ein großes, offenes Kollektiv". Die 31-Jährige, die Ensemblemitglied im Jungen Theater ist, schätzt, dass hier Menschen mit unterschiedlichen Interessen zusammenkommen. Jeder könne seine Fähigkeiten und sein Wissen hier einbringen, sagt auch der Vorsitzende Gregor Floßmann. "Das hier ist eine Wunderkammer."
 

Programm

 

  • Freitag, 20 Uhr: StartupKAP, Der neue Kulturverein stellt sich vor
  • Samstag, 22 Uhr: Das Electro Swing Ding #6. DJ Phil Inger (Vogelfrei) und DJ Tomahawk (Mondo Exotica) sorgen für Musik. Die Location und die Gäste stylen sich im Stil der 20er/30er- Jahre
  • 30. September, 21 Uhr: Nachtwerk: Szene-Party
  • 2. Oktober, 20 Uhr: Comedy Lounge.
  • 4. Oktober, 19 bis 22 Uhr: Kap der laufenden Bilder
  • 6. Oktober, 20 Uhr: Songslam
  • 7. Oktober, 22.30 Uhr: Rasta Sound
  • 8. Oktober, 15.30 Uhr: KAP der Kinder VII
  • 20. Oktober, 20 Uhr: Poetry Slam mit Elizabeth Reyna
  • 21. Oktober, 21 Uhr: Nachtwerk: Schwarze-Szene-Party
  • 27. Oktober, 20 Uhr: Funny Fellas
  • 4. November, 18 Uhr: Vernissage zur Werkschau „Kreatur realize the evolution“, danach von 17 bis 20 Uhr