Beinharte Abrechnung
Ingolstadt (DK) Nun weiß man endlich, warum dieser Max Uthoff mit dem Deutschen Kabarettpreis 2011 ausgezeichnet wurde. Nicht die Tatsache, dass er brillantes, bissiges, satirisch erstklassiges, wortgewaltiges und höchst unterhaltsames politisches Kabarett macht, ist der ausschlaggebende Punkt.
Die Sehnsucht nach Wahrnehmung als Individuum unter sieben Milliarden Menschen, der von der Werbung suggerierte Drang nach individueller Perfektion, die Angst vor den Fährnissen der Zukunft und die daraus resultierende individuelle Regungslosigkeit – das seien die Triebfedern hinter den Auswüchsen unserer Zeit, an der die Republik krankt, sagt Uthoff, unterfüttert seine Thesen erneut mit wahnwitzigen, auf höchst gemeine Art überhöhten Fallbeispielen, treibt satirischen Schabernack mit aktuellen Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und macht sich einen Reim auf Skandale und Meldungen, über die auch wir den Kopf schütteln sollten, stattdessen aber zur Tagesordnung übergehen.
Genau das tut Uthoff nicht, sondern regt sich auf. Und zwar ganz zu Recht, wie man im Laufe dieses Kabaretttage-Abends in der ausverkauften Neuen Welt sich mehr und mehr eingestehen muss. Da macht es auch gar nichts, dass er sich im zweiten Teil des Abends ausgewählte Politikerdarsteller und Parteien ganz speziell zur Brust nimmt und somit genau das tut, was fast alle anderen politischen Kabarettisten auch tun. Aber selbst hier bleibt Uthoff eine Besonderheit. Noch nie nämlich hat jemand ausgerechnet das politisch grüne Selbstverständnis so genüsslich zerlegt und deren gewählte Vertreter so sehr an ihren Taten gemessen wie er in seiner beinharten Abrechnung kurz vor Schluss dieses überragenden Programms.
Und Christian Wulff? Der darf natürlich nicht fehlen. Uthoff schlägt ihn als Moderator für „Wetten dass . . .“ vor. Und Dirk Bach soll Bundespräsident werden. Weil, irgendwie ist ja eh alles wurscht und im Grunde eins.
Von Karl Leitner

