Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.02.2012 19:24 Uhr | 90x gelesen
Drucken Text vergrößern

Beinharte Abrechnung


Bild: Beinharte Abrechnung. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Nun weiß man endlich, warum dieser Max Uthoff mit dem Deutschen Kabarettpreis 2011 ausgezeichnet wurde. Nicht die Tatsache, dass er brillantes, bissiges, satirisch erstklassiges, wortgewaltiges und höchst unterhaltsames politisches Kabarett macht, ist der ausschlaggebende Punkt.

Ingolstadt (DK) Nun weiß man endlich, warum dieser Max Uthoff mit dem Deutschen Kabarettpreis 2011 ausgezeichnet wurde. Nicht die Tatsache, dass er brillantes, bissiges, satirisch erstklassiges, wortgewaltiges und höchst unterhaltsames politisches Kabarett macht, ist der ausschlaggebende Punkt.


Ingolstadt: Beinharte Abrechnung
Wortgewaltig: Max Uthoff bei den Kabaretttagen. - Foto: Löser
Sondern die Art, wie er es macht. Uthoff nämlich arbeitet sich über die Wirkung zur Ursache vor. Bei ihm treten die sich einzig und allein durch esoterisches Getue definierende Mittvierzigerin, ihr dumpfer, sich durch die Lektüre der Blöd-Zeitung zu informieren meinender Gatte und all die anderen Figuren seines Programms „Oben bleiben“ nur deswegen exemplarisch in Erscheinung, weil Uthoff über sie am besten den Mechanismus unserer Demokratie verdeutlichen kann. Nämlich den, durch die Züchtung von bewusst dumm gehaltenem, durch Konsum und Freizeitmüll ruhig gestelltem, durch schlechte Bildung unmündig gehaltenem Bürgervieh die Geschicke des Gemeinwesens so zu manipulieren, wie es für einen nach Macht, Ansehen und nicht zuletzt Geld gierenden Finanz-, Wirtschafts- oder Politikhai vorteilhaft ist.

Die Sehnsucht nach Wahrnehmung als Individuum unter sieben Milliarden Menschen, der von der Werbung suggerierte Drang nach individueller Perfektion, die Angst vor den Fährnissen der Zukunft und die daraus resultierende individuelle Regungslosigkeit – das seien die Triebfedern hinter den Auswüchsen unserer Zeit, an der die Republik krankt, sagt Uthoff, unterfüttert seine Thesen erneut mit wahnwitzigen, auf höchst gemeine Art überhöhten Fallbeispielen, treibt satirischen Schabernack mit aktuellen Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und macht sich einen Reim auf Skandale und Meldungen, über die auch wir den Kopf schütteln sollten, stattdessen aber zur Tagesordnung übergehen.

Genau das tut Uthoff nicht, sondern regt sich auf. Und zwar ganz zu Recht, wie man im Laufe dieses Kabaretttage-Abends in der ausverkauften Neuen Welt sich mehr und mehr eingestehen muss. Da macht es auch gar nichts, dass er sich im zweiten Teil des Abends ausgewählte Politikerdarsteller und Parteien ganz speziell zur Brust nimmt und somit genau das tut, was fast alle anderen politischen Kabarettisten auch tun. Aber selbst hier bleibt Uthoff eine Besonderheit. Noch nie nämlich hat jemand ausgerechnet das politisch grüne Selbstverständnis so genüsslich zerlegt und deren gewählte Vertreter so sehr an ihren Taten gemessen wie er in seiner beinharten Abrechnung kurz vor Schluss dieses überragenden Programms.

Und Christian Wulff? Der darf natürlich nicht fehlen. Uthoff schlägt ihn als Moderator für „Wetten dass . . .“ vor. Und Dirk Bach soll Bundespräsident werden. Weil, irgendwie ist ja eh alles wurscht und im Grunde eins.


Von Karl Leitner

Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Raritäten und Klassik-Schlager
"Die Kunst geht nicht nach dem Markt"
"Eine tolle Auswahl"
Literarisches Fräuleinwunder
Die Schönheit der Leiber
Frisch aus dem Baumarkt
Großes Herz
Das Fremde in uns
Per Karussell nach Moskau
Unheimliches Idyll
 


>