Bänkelsänger, Plauderer, Rapper
Ingolstadt (lei) Ab sofort laufen die 28. Ingolstädter Kabaretttage auf Hochtouren. Josef Brustmann, früher beim „Bairisch-Diatonischen Jodelwahnsinn“ und bei der „Monaco Bagage“ tätig, eröffnete mit seinem dritten Soloprogramm „Ich bin so frei“ das Festival in der ausverkauften Neuen Welt.

Wilde Mischung: Josef Brustmann hantiert mit verschiedenen Stilen, Techniken und Qualitätsebenen - Foto: Löser
Der ist so frei und träumt der Kindheit nach, einer Zeit, in der Freiheit noch unbeaufsichtigte Freizeit in den Flussauen bedeutete, erzählt von realen oder fiktiven Figuren, die sich von niemandem dreinreden lassen und ihr Leben gestalten, wie sie wollen, aber auch von risikoscheuen Individuen, die aus lauter Angst vor der eigenen Courage lieber auf die Freiheit der Entscheidung verzichten als sie wahrzunehmen.
Bezüglich seines Programms gönnt sich Brustmann die Freiheit, aus dem vollen Angebot zu schöpfen. Er ist Bänkelsänger, Plauderer, Rapper, Zitherspieler und Sänger, packt Gstanzln, gebundene Verse, Witze, Aphorismen und Schüttelreime in seine Nummern und sorgt vermittels dieser Vielfalt, aber auch wegen seiner Technik, den dem Thema innewohnenden philosophischen Überbau seinen persönlichen Texten gegenüber zu stellen, für eine Art bayerischen Heimatabend für anspruchsvolle Zuhörer mit absichtlich eingebauten Widerhaken. Brustmann ist humorvoll, freundlich, ab und zu bissig und garstig, dann wieder gemütlich und beschaulich. Seine Metzgerwitze und Szenen wie die über die Gattin beim Glotzen einer TV-Schmonzette sind köstlich, es gibt aber auch einige Sequenzen, die ganz einfach nicht so recht zünden wollen. Man erkennt solche recht schnell am deutlich zaghafteren Applaus. Die ein oder andere gesungene Nummer gehört in diese Kategorie, dann diverse Sinnsprüche, deren schwache Pointen auch durch noch so viele Blackouts nicht an Fallhöhe gewinnen und mit Sicherheit die Mitsing- und Mitmachnummer im zweiten Teil des Abends, die als Gag zwar ganz nett ist, aber mit dem durchaus beachtlichen Niveau des Gesamtprogramms nichts zu tun hat.
Was bleibt? – Ein Programm, das sich durch Verwendung diverser, höchst unterschiedlicher stilistischer Mittel eines nicht leicht zu packenden Themas annimmt, bei dem man was lernen und zugleich immer wieder schmunzeln kann, das für einen kurzweiligen Abend sorgt und – das ist das Entscheidende – beim Publikum ankommt. Der Anfang ist also gemacht: Mal sehen, was uns die Kabaretttage in den nächsten drei Monaten noch so alles bescheren.
Von Karl Leitner

