Ingolstadt: Auf den Spuren von Jimi Hendrix
Ryan McGarvey taucht in die Welt der Heroen der 70er ab - Foto: Löser
Ingolstadt
Handwerklich ist er makellos, ja, vermutlich trägt sein Spiel bereits in dieser frühen Phase seiner musikalischen Entwicklung virtuose Züge. Sein klassisches Trio gleicht mehr einem Kraftwerk und entwickelt eine Schubkraft, die man nicht nur hört, sondern auch spürt.

Es bewegt sich also alles im grünen Bereich bei diesem Konzert im Rahmen des Ingolstädter Bluesfests. Die Neue Welt ist ausverkauft, McGarvey spielt sich die Finger wund und die Fans sind begeistert.

Bei Gitarristen, die zwar auch am Song, aber in erster Linie doch an den Möglichkeiten ihres Instruments interessiert sind, an Effekten, Sounds und Spielweisen, besteht oft die Gefahr, dass sie ihre herausragenden handwerklichen Fähigkeiten in den Dienst der Demonstration stellen. McGarvey geht dem aus dem Weg, indem er Eigenkompositionen wie „Watch Yourself“, „So Close To Haven“ oder „Cryin’ Over You“ trotz solistischer Ausflüge eine immer noch kompakte Form zugesteht, sich also nicht übermäßig verfranst. Wenn er allerdings in „Hey Jimi“ vor der Pause seinem Idol Jimi Hendrix und zum Ende hin via Gibson Les Paul dem großen Jimmy Page seine Reverenz erweist, sieht die Sache anders aus, denn nunmehr taucht er völlig ein in die Welt der Heroen der frühen 70er und ist weniger eigenständiger Künstler denn bekennender Fan.

McGarvey ist ein Schwamm. Er saugt auf, aus der Jimi Hendrix/Stevie Ray Vaughan-Ecke den hoch elektrifizierten Blues und aus dem Umfeld von Robin Trower, Rush und Frank Marino eine starke Rocklastigkeit, wobei sich besonders Letzterer – auch wegen der Ähnlichkeit im Gesang – als Vergleich besonders aufdrängt. Und so wäre es sicherlich verfrüht zu sagen, McGarvey zöge bereits sein ureigenstes Ding durch, denn über weite Stellen sind die Einflüsse schon noch übermächtig.

Akustisch ist ein Konzert der Ryan McGarvey Band sicherlich ein Ereignis, besonders für Fans, die den typischen voluminösen Sound von Strat- und Telecaster zu schwer rollenden, pumpenden und pulsierenden Rhythmen mögen. Dass wie in diesem Falle durchaus ein klein wenig Blendwerk mit im Spiel sein darf, muss man nicht unbedingt kritisieren, das gehörte vor allem sogar bei Hendrix zum Handwerk.

Und McGarvey ist ja auch erst 25 und vermutlich noch auf der Suche nach seinem endgültigen Stil. Nicht jeder stellt schließlich wie der seinerzeit gleichaltrige James Marshall Hendrix aus dem Handgelenk die Musikwelt auf den Kopf, schon gar nicht mit den Tricks der Vorväter.