Alte Meister, Hip-Hop und Hahnemann
Ingolstadt (DK) Theater, Musik, Führungen, Lesungen, Modenschauen, Tanz und natürlich Kunst – all das gibt es wieder bei der Nacht der Museen am 11. September in Ingolstadt. Und doch ist bei der mittlerweile 13. Auflage der Reihe einiges anders als in den Jahren zuvor.

Venus im Bikini: Ottmar Hörl hat das Bild von Tizian überarbeitet, in der Galerie Mariette Haas wird es demnächst gezeigt. - Foto: oh
So bespielt etwa das Museum für Konkrete Kunst diesmal gleich zwei Stätten: Das eigene Institut und die ehemalige Ganghofersche Buchhandlung. "Wir haben die vierten Ingolstädter Designtage zeitlich in den Rahmen der Museumsnacht gelegt", erzählt Museumsleiter Tobias Hoffmann. Und das heißt: Die Ganghofer-Ausstellung innovativer Designer ist nicht nur bis Mitternacht geöffnet, sondern bietet unter dem Motto "Design-Talks" auch drei geführte Rundgänge mit den Künstlern an. Im Museum für Konkrete Kunst selbst, das unter anderem die obligatorische Bonk-Modenschau und eine Rap-Performance bietet, kommt außerdem als Premiere ein ganz besonderer Mitarbeiter zu Wort. "Simon" Templer, der Meister der Hängung, erzählt im Dialog mit Hoffmann seine Sicht der Dinge und der Künstler. Etwas Neues gibt es auch in der Galerie Mariette Haas, wiewohl mit dem renommierten Kunstprofessor Ottmar Hörl ein alter Bekannter zu Gast ist. Doch der zeigt diesmal keine seriellen Kunststoffengel- oder Hasen, sondern riesige Malerei nach alten Meistern. "Etwas ganz ganz anderes", sagt die Galeristin – damit man das auch versteht, erfolgt die Einführung um 18.30 Uhr von "Prof. Ottmar Hörl selbstredend". Die zweite beteiligte Ingolstädter Galerie, das junge Haus xhoch4, dagegen bringt Neuerung in Form einer allerersten Gemeinschaftsausstellung in ihrem kleinen Raum. Die Schau mit Skulpturen von Biserama und Gemälden von Dome wird um 19.30 Uhr eröffnet.
Ebenfalls mit einer Premiere – drei Auftritten des erstmals engagierten Münchner Improtheater Fastfood – wartet das Museum mobile auf. Das erfahrungsgemäß hochkomische Theaterspektakel steht unter dem Motto "Helden der Farbe", wie das übrige Programm vorort passend zur derzeitigen Sonderausstellung "Farbverlauf – Geschichte der Autolacke”.
Denn natürlich haben die Museen ihr Programm auch heuer wieder auf ihre aktuellen Inhalte ausgerichtet. So ist im Medizinhistorischen Museum Samuel Hahnemann höchstpersönlich zu Gast: Museumsdirektorin Marion Maria Ruisinger hat als Hauptevent den Schauspieler Andreas Jung engagiert, der sich in seinem beruflichen Schaffen ganz auf den Vater der Homöopathie konzentriert hat und nun auch in der Homöopathieausstellung in dessen Gestalt schlüpft. Im Stadtmuseum führt man durch die aktuelle Schau "Angewandte Kunst der Gruppe Fakten”, aber natürlich auch, etwa mit Modeschauen und Römerlager, hinein in Ingolstadts Historie; den militärhistorischen Aspekt dazu gibt es dann bei den Kurzführungen im Bayerischen Armeemuseum. Im Heinrich-Stiefel-Schulmuseum dreht sich mit Theater und Rätselspielen alles um "Sprichwörter", während das Alf-Lechner-Museum auf Literaturworte – Schauspieler Richard Putzinger liest Thomas Bernhardt – setzt. Und auf Musik: Das Blechbläserquintett Schutzblech ist hier mit mehreren Gigs zu Gast.
Aber Musik gibt es sowieso (fast) überall: Die Newcomer-Band The Stereons bei Ganghofer, The Jazz Five und ein Percussion-Trio im Stadtmuseum, "Musik im Schönen Saal" im Neuen Schloss, die Pink-Floyd-Band Darkside bei Audi und zum traditionellen Ausklang am Sonntagvormittag The Birdland Jazzband im Bauerngerätemuseum Hundszell.
Von Karin Derstroff

