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26.11.2009 20:02 Uhr | 374x gelesen
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Im Wunderland der Akustik


Bild: Im Wunderland der Akustik .  Tokio/München (DK) Vielleicht muss man nach Japan reisen, um zu begreifen, was man sich antut, wenn man sich mit den Münchner Konzertsälen zufrieden gibt. Abend für Abend.

Tokio/München (DK) Vielleicht muss man nach Japan reisen, um zu begreifen, was man sich antut, wenn man sich mit den Münchner Konzertsälen zufrieden gibt. Abend für Abend.



Eine Raumakustik, die den Orchesterklang adelt: Das BR-Symphonieorchester gastierte in der Muza Symphony Hall. - Foto: Frei
"Der Kontakt auf der Bühne zwischen uns Musikern ist fantastisch", schwärmt Franz Scheuerer. "Wir können den Klang der einzelnen Instrumentengruppen und der einzelnen Spieler kontrollieren. Man spürt die Resonanz unter der Fingerkuppe." Damit meint der Violinist beim BR-Symphonieorchester nicht etwa den Gasteig, sondern die Suntory Hall in Tokio und die Muza in Kawasaki.

Hier endete die zweiwöchige Japan-Tournee des BR unter Mariss Jansons, und tatsächlich: Derart nuancenreiche und transparente Durchdringungen des Klangs erreichen die Konzertsäle in der Musik- und Orchestermetropole München nicht einmal ansatzweise. Vielfach meinte man, das BR-Symphonieorchester erstmals überhaupt zu hören. "Die Klangdynamik in Kawasaki ist wirklich toll", berichtet Konzertmeister Florian Sonnleitner. "Man freut sich schon auf das nächste Diminuendo." Im Münchner Gasteig freut man sich hingegen, wenn man überhaupt irgendetwas Differenzierteres hört – auf dem Podium und im Zuhörerraum. Denn: "Der Gasteig ist und bleibt ein akustisch schlechter Saal." Das sagen übereinstimmend weltweit geschätzte Akustiker, womit letztlich auch der Sinn von kostspieligen Optimierungen am Gasteig bezweifelt wird. Einer von ihnen ist Yasuhisa Toyota, er hat die Suntory Hall und die Muza konzipiert. Seit 1977 arbeitet er für Nagata Acoustics.

Zu seinen Meisterwerken zählen auch die Konzerthalle in Sapporo und die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Aktuell betreut Toyota die Elbphilharmonie in Hamburg, zudem optimiert er die Bamberger Konzert- und Kongresshalle. Schon jetzt gilt der 1952 geborene Japaner als Top-Favorit, wenn es um den heiß diskutierten neuen Konzertsaal im Münchner Marstall geht. Für ihn macht sich Jansons stark. "Ich bin nicht gegen den Gasteig, ich bin für einen neuen Saal im Marstall", betont er.

Denn: "Die Japaner haben überall bessere Säle als wir in München", stichelt wiederum Geiger Peter Riehm. Für die Musikmetropole München ist das wenig schmeichelhaft, denn auch in Japan ist nicht alles Gold, was glänzt. Von den fünf Konzertsälen, die auf der BR-Tournee bespielt wurden, boten nur Tokio und Kawasaki akustische Top-Qualität. Das Auditorium in Kurashiki blieb recht trocken, im Hyogo Performing Arts Center in Nishinomiya störte hingegen der lange Nach- und wuchtige Rückhall. Denn wie der Gasteig ist die Halle ein Multifunktionssaal, bei dem die akustischen Kompromisse zulasten des Klassikkonzerts gehen. Und die von Kurt Masur oder Riccardo Chailly gelobte Acros Fukuoka? Den knalligen, recht direkten Klang wünschte man sich im Marstall nicht. "Manche Säle in Japan sind gut, andere sehr gut, aber keiner ist fürchterlich", beschwichtigt Jansons. Toyota wiederum saß in Tokio im Publikum, zum Marstall wollte er nichts sagen.

Immerhin sprach er von fünf bis sechs Jahren, die eine Realisierung des Marstalls beanspruchen würde. Und wenn der Marstall nicht kommt? "Dann kommt eine fürchterliche Depression", so Jansons. "Ich wüsste nicht, was dann geschieht." Das klingt nach einem möglichen Abschied. "Das erste, was sie in Kurashiki nach dem Erdbeben gebaut haben, war der Konzertsaal. Das ist unglaublich, und wir diskutieren in München immer noch über den Marstall."


Von Marco Frei

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