Hamburg (DK: "Sinfonie aus Stein und Glas"
Zur Eröffnung der Elbphilharmonie kamen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (von rechts), Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Bundespräsident Joachim Gauck. - Foto: Schwarz/AFP
Hamburg (DK

"Hamburg setzt mit der Elbphilharmonie ein unübersehbares Zeichen für die große Bedeutung, die Kunst und Kultur in einer freien Gesellschaft zukommt", erklärte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zuvor. Der 11. Januar 2017 sei aber nicht nur für die Hansestadt "ein historisches Datum". "Auch die gesamte Kulturnation Deutschland präsentiert sich zu diesem Anlass in herausragender Weise." Das Konzerthaus sei eine "Sinfonie aus Stein und Glas".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ehemann Joachim Sauer, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und zahlreiche Politiker aus Bund und Ländern gehörten zu den eingeladenen Besuchern. Außerdem standen Regisseur Fatih Akin, Modeschöpferin Jil Sander und die Schauspieler Hannelore Hoger, Charly Hübner und Armin Mueller-Stahl auf der Gästeliste.

Das erste Konzert in dem großen Saal mit der besonderen Innenverkleidung - der sogenannten weißen Haut - durfte das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung von Thomas Hengelbrock geben. Zum Auftakt stand "Pan" auf dem Programm, das erste Stück der "Sechs Metamorphosen nach Ovid" des englischen Komponisten Benjamin Britten. Das Musikprogramm bildete eine musikalische Reise von der Renaissance bis zur Gegenwart, zu den Solisten zählten Bryn Terfel und Philippe Jaroussky. Musiker, die in der Elbphilharmonie bereits proben durften, hatten von ihrem "warmen Klang" geschwärmt.

Der Akustiker Yasuhisa Toyota wollte zudem, dass alle Besucher auf den terrassenförmigen Publikumsrängen gleich gut hören können. Aus Schallschutzgründen wurde der 12 500 Tonnen schwere Saal vom restlichen Gebäude entkoppelt, er liegt auf Federpaketen. Für Zuschauer draußen wurde die Musik mit einer Lichtinstallation auf den spektakulären Glasbau, der auf einem alten Kaispeicher steht, übertragen.

Der Grundstein für den Jahrhundertbau an der Spitze der Hafencity wurde bereits am 2. April 2007 gelegt. Eigentlich sollte das Konzerthaus der Architekten Herzog & de Meuron, das neben dem großen Saal mit 2100 Plätzen noch einen kleinen Konzertsaal, ein Hotel mit 244 Zimmern und 44 Eigentumswohnungen beherbergt, bereits vor sieben Jahren eröffnen.

Die Kosten für den Prestigebau stiegen für die Steuerzahler von 77 auf 789 Millionen Euro; hinzu kamen 57,5 Millionen Euro Spenden. "Um mehr Vielfalt in die Säle zu holen, muss es gelingen, auch Menschen zu erreichen, die bislang nicht in Konzerte gehen, sagte Gauck. "Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit, weil neue Konzertsäle die Steuerzahler viel Geld kosten." Unmittelbar vor der feierlichen Eröffnung hatte Olaf Scholz das neue Konzerthaus gegen Kritik verteidigt. "Es war eine schwere Geburt, aber sie haben das Kind adoptiert." Hamburgs Linke sprach von "Begeisterungs-PR", die über die wahre Stimmung täusche.

Es ist zu hoffen, dass die Elbphilharmonie - neben dem Großen Musikvereinssaal Wien - zu Europas bedeutendstem Musikhaus wird. Tourismus-Chef Michael Otremba jedenfalls rechnet mit vielen zusätzlichen Besuchern aus aller Welt - vor allem aus den USA und Asien.