Polizeiruf 110: Das Beste für mein Kind
Sabine Hallmann (Katharina Heyer) ist überglücklich, das ihr Sohn Leon (Paul Lehmann) wieder zu Hause ist.
(rbb Presse & Information)
Frankfurt/Oder

So jagt das deutsch-polnische Ermittlerduo Olga Lenski und Adam Raczek den Mörder eines Entführers. Die Kommissare stoßen dabei auf ein schwieriges Beziehungsgeflecht: Der kleine Leon hat mehrere Väter und Mütter. Die Hallmanns sind die Adoptiveltern, die leibliche Mutter Anna lebt mit ihrem Ehemann, einem Lkw-Fahrer, und Tochter in Polen und arbeitet in einem Kinderheim. Sie gibt an, Robert Hallmann, mit dem sie eine Affäre hatte, sei Leons Vater. Doch bald schon stellt sich heraus: Er ist nicht der Erzeuger.

Der "Polizeiruf 110 - Das Beste für mein Kind" ist ein intensives Familiendrama. Sehr langsam, zuweilen ein wenig träge, entwickelt Jakob Ziemnicki (hat auch schon die erste Folge mit dem Duo Maria Simon und Lucas Gregorowicz inszeniert) diesen Kampf um ein Kind, in dem es nicht nur um Mutterliebe, Ablehnung eines Kuckuckskindes durch den Partner, sondern auch um grenzwertige Methoden bei der Adoption geht. Dass man Tempo nicht vermisst, dafür sorgt die kluge und abwechslungsreiche Kamera von Gunnar Fuss. Diese Qualität des Films erkennt man schon zu Beginn, wenn die Entführung des Babys mal aus der Perspektive des Kindes, mal aus der des Kidnappers gezeigt wird, oder in den sehr authentisch gefilmten Szenen im Kommissariat. Auf der Tonebene arbeitet der Film reduziert, Musik wird wenig eingesetzt, Emotionalität beim Zuschauer entsteht in erster Linie durch das Handeln der Figuren.

Aus dem unspektakulär agierenden Ensemble sticht Agnieszka Grochowska - in ihrer Heimat Polen eine bekannte Schauspielerin - heraus. Unaufgeregt und nuanciert spielt sie diese seelisch zerrissene Mutter, die ihr Kind weggab, aber nicht die Liebe zu dem Kleinen. Der Film arbeitet eher mit spärlichen Dialogen, Interaktion, Blicke und Gesten bekommen dadurch mehr Bedeutung. Das macht den Film bisweilen etwas sperrig. Für Bewegung und Dynamik sorgen die zahlreichen (Auto-) Fahrten: der Entführer, die Mutter, die Ermittler, sie sind gut unterwegs. Und es geht weit - bis in die Masuren, dem Schauplatz des Finales, wo sich den Kommissaren schließlich die Frage stellt: Geht es um Gerechtigkeit oder geht es um das Beste für das Kind?

 

"Polizeiruf 110: Das Beste für mein Kind", Sonntag, ARD, 20.15 Uhr.