Erotische Verwirrungen: Kerstin Descher (links) und Stephanie Hampl in "I hate Mozart". - Foto: Schaefer
Anders als die meisten heutigen Komponisten hatte Mozart eine enge Beziehung zu den Theater seiner Zeit gepflegt und für die Ensembles hinzu- oder umkomponiert. Und genau diese "theatralischen Beziehungen" legt Michael Sturmingers Libretto offen: Der egozentrische, international ausgezeichnete Dirigent (italienisch radebrechend und gekonnt wichtigtuerisch Christian Tschelebiew), seine vielfach betrogene Sopran-Star-Gattin (berechnend giftig Kerstin Descher), die osteuropäische Sopran-Entdeckung (anfangs reizend naiv, dann beginnend selbstbewusst Cathrin Lange) sowie die bislang zurückgesetzte, alleinerziehende Mezzosopranistin (klangschön Stephanie Hampel) bilden ein erotisches Zentrum. Um sie kreisen ein trotteliger Intendant, ein schwuler Tenor, ein zum Agenten mutierter Ex-Sänger, eine nie richtig zur Regiearbeit kommende Assistentin, ein Sprechblasen absondernder Staatssekretär, ein frustrierter Korrepetitor, ein sensationsgeiler Journalist, weitere Sänger und Theaterleute sowie zwölf Chorsolisten (Bravo), die mal instrumental, mal vokal für den Hintergrund sorgen. Davor kann sich dann das schaurig-schöne Panoptikumm von erotischer Künstlerförderung, Ehekrise, Eifersucht, Intrigen, Versagensängsten, Verlogenheiten, Hoffnungen und Eitelkeiten entfalten.

 
Am Ende triumphierten Mozart, die Künstler und das Theater. Denn Intendantin Juliane Votteler hat als Dramaturgin dem Regisseur Freo Majer ideenreich zugearbeitet. Zusammen mit Bühnenbildner Alfred Peter haben sie die Besucher einen Akt lang auf die Bühne, also hinter das Orchester und inmitten der erst vorsingenden, dann probenden Künstler gesetzt; ein erstaunlicher und amüsanter Perspektivenwechsel. Nach der Pause erlebte das Publikum das Ende der vorher so umkämpften Premiere – und es ist Librettist Sturminger, vor allem aber Komponist Bernhard Lang hoch anzurechnen, dass sie alles nicht irgendwie versöhnlich oder musikalisch grandios enden, sondern vorführen und hören lassen, was nach dem Erfolg kommt: Unzufriedenheit, Leere und ein emotionale Loch. Bernhard Lang hat die seit 200 Jahren andauernde Wiederkehr der Opern Mozarts in klanglichen Wiederholungsschleifen, in verfremdenden "Loops" der bekannten Arien durch ein kleines Orchester, in Syntheziser-Klangflächen und Elektronik-Klängen sowie in die Beine gehenden Rhythmen gestaltet – theatralisch überzeugend, dramatisch frech und oft witzig. Das setzten Dirigent Kevin Edusei zusammen mit Klangregisseur Andreas Füg beeindruckend um. In guter Lichtregie stellte sich mal die Faszination der Musik, mal die Banalität, immer wieder aber auch der Zauber des Theaters von und um Mozart ein.

Da nur 400 Plätze auf der Bühne zu Verfügung stehen, mag der Applaus des dann nur halb besetzten Parketts am Ende dünner geklungen haben – erst überrascht zögerlich, dann animiert und amüsiert. Für alle Theaterfreunde können die 400 Plätze nur heißen: sofort Karten sichern.