Erotisches Zentrum hinter den Kulissen
Augsburg (DK) Augsburg und Mozart? Ja klar, Amadeus und sein "Bäsle" samt "Sauschwanz"-Briefen und Geburtsstadt von Vater Leopold. All das muss zum "Mozart-Fest 2010" zu mehr als einem Beitrag des Theaters der Stadt führen. Den einen lieferte Generalmusikdirektor (GMD) Dirk Kaftan mit einem speziellem Konzert und das Theater bot die Überraschung einer Deutschen Erstaufführung. "I hate Mozart – Ich hasse Mozart" klingt zunächst nicht nach einem feierlichen Beitrag, doch es wurde eine theatralische Feier des Theatralikers Mozart.

Erotische Verwirrungen: Kerstin Descher (links) und Stephanie Hampl in "I hate Mozart". - Foto: Schaefer
Am Ende triumphierten Mozart, die Künstler und das Theater. Denn Intendantin Juliane Votteler hat als Dramaturgin dem Regisseur Freo Majer ideenreich zugearbeitet. Zusammen mit Bühnenbildner Alfred Peter haben sie die Besucher einen Akt lang auf die Bühne, also hinter das Orchester und inmitten der erst vorsingenden, dann probenden Künstler gesetzt; ein erstaunlicher und amüsanter Perspektivenwechsel. Nach der Pause erlebte das Publikum das Ende der vorher so umkämpften Premiere – und es ist Librettist Sturminger, vor allem aber Komponist Bernhard Lang hoch anzurechnen, dass sie alles nicht irgendwie versöhnlich oder musikalisch grandios enden, sondern vorführen und hören lassen, was nach dem Erfolg kommt: Unzufriedenheit, Leere und ein emotionale Loch. Bernhard Lang hat die seit 200 Jahren andauernde Wiederkehr der Opern Mozarts in klanglichen Wiederholungsschleifen, in verfremdenden "Loops" der bekannten Arien durch ein kleines Orchester, in Syntheziser-Klangflächen und Elektronik-Klängen sowie in die Beine gehenden Rhythmen gestaltet – theatralisch überzeugend, dramatisch frech und oft witzig. Das setzten Dirigent Kevin Edusei zusammen mit Klangregisseur Andreas Füg beeindruckend um. In guter Lichtregie stellte sich mal die Faszination der Musik, mal die Banalität, immer wieder aber auch der Zauber des Theaters von und um Mozart ein.
Da nur 400 Plätze auf der Bühne zu Verfügung stehen, mag der Applaus des dann nur halb besetzten Parketts am Ende dünner geklungen haben – erst überrascht zögerlich, dann animiert und amüsiert. Für alle Theaterfreunde können die 400 Plätze nur heißen: sofort Karten sichern.
Von Wolf-Dieter Peter

