Eine Reise kreuz und quer durch die USA hat Eva Schweitzer unternommen, immer auf der Suche danach, für was die Tea-Party-Bewegung eigentlich steht. Um es vorwegzunehmen: Eine Antwort konnte sie nicht finden, und das liegt nicht an der Autorin. Denn die erzkonservative Tea Party ist nicht für, sondern gegen.
Aber auch da ist nur die Ablehnung von Barack Obama richtig klar. Alles andere ist kaum zu fassen. Denn die Tea Party ist auch gegen soziale Hilfen – nicht aber, wenn Wähler davon profitieren. Staatliche Subventionen werden entschieden abgelehnt – nur nicht im konkreten Einzelfall. Viele wollen den Bundesetat zusammenstreichen – einige den Riesenklotz Rüstungsausgaben aber auf keinen Fall. Die meisten Tea-Partianer sind strikt gegen Einwanderer. Ihr Superstar Rick Perry aber sagt dazu kein Wort – bei ihm in Texas stammen inzwischen 40 Prozent der Menschen aus Mexiko. Auch will die Tea Party mit der Washingtoner Politmafia nichts zu tun haben, hebt aber zugleich deren reaktionären Paten Newt Gingrich auf den Schild. Der ist in dritter Ehe verheiratet, von einer Frau ließ er sich scheiden, während sie ans Krankenbett gefesselt war – doch das stört nicht in einer Bewegung, die pausenlos das Bild der intakten amerikanischen Familie vor sich herträgt. Dass die Party Spekulanten und Banker offiziell lautstark verdammt, aber alles sabotiert, was denen Zügel anlegen könnte, fällt schon gar nicht mehr ins Gewicht.
Fazit: Die Tea Party kommt als wirrer Haufen daher, in dem es von beschränkten, bornierten, selbstsüchtigen, frömmelnden und dazu noch aggressiven Typen wimmelt. Wer den hässlichen Amerikaner sucht, der wird hier fündig.
Eva C. Schweitzer. Tea Party. Die weiße Wut, Deutsche Verlags-Anstalt, 280 Seiten, 14,90 Euro.
Von Wolfgang Weber