Ehrung für Kerstin Specht
München (DK) Viele literarische Auszeichnungen hat sie bereits erhalten, darunter auch den Marieluise-Fleißer-Preis im Jahre 2005 für ihren Monolog "Die Rückseite der Rechnungen", in dem sie in Momentaufnahmen wichtige Stationen der Ingolstädter Schriftstellerin aufblitzen lässt.
Ernst Hoferichter (1895– 1966), Münchner Schriftsteller und Schwabinger Original, sei Dank, der seine Villa der Stadt München mit der Auflage vermacht hat, mit den Zinsen des Hausverkaufs alljährlich freiberufliche Autoren auszuzeichnen, in deren Werken Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbunden ist, wie Münchens Oberbürgermeister und Jurymitglied Christian Ude humorvoll erläuterte. Launig klopfte dann Tilman Spengler in seiner Laudatio Kerstin Spechts Werk vom "Glühend Männla" bis zu "Carceri" und "Die Rückseite der Rechnungen" denn auch nach den drei Preisvoraussetzungen hin ab. Alles trifft zu: Nicht nur durch Originalität bestechen die Theaterstücke, sondern auch Spechts Weltoffenheit dokumentiert sich allein schon durch ihre Übersiedlung vom Frankenwald nach München, während der Humor in ihren Schauspielen eher schwarz sei.
Eine Kostprobe des letzten Kriteriums gab die Ausgezeichnete dann auch mit einer Lesung aus ihrem neuesten Stück, das noch der Uraufführung harrt: Odysseus bricht hier nach seiner Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg erneut auf, da er seine letzten Lebensjahre lieber mit Helena als mit seiner Frau Penelope verbringen will, um nach den erotischen Eskapaden mit der Tochter des Zeus und der Leda letztlich doch in den Hafen der Ehe zurückzukehren.
Elke Heidenreich lobte nun das Doppelbödige im Werk von Jan Weiler, des 2. Hoferichter-Preisträgers. Und die Literaturpäpstin vergaß auch nicht zu erwähnen, dass dies Weilers späte erste Auszeichnung ist, obwohl sein Debütroman "Maria, ihm schmeckt’s nicht" doch bereit 1,7 Millionen Mal verkauft wurde. Und mit hintergründigem Humor bespaßte Jan Weiler dann auch die Zuhörer, indem er eine Episode aus seiner Zeit als Zeitungsvolontär in Starnberg zum Besten gab: Der Auftritt des ehemaligen U-Boot-Kapitäns und Kunstsammlers Lothar Günther Buchheim in der Redaktion. Ein Besuch, der beinahe mit einem Mord endete, da Journalisten allemal gefährlich leben, zumal wenn sie nichts Positives über selbst ernannte Personen der Weltgeschichte schreiben. Eine abgründige Weiler-Glosse vom Feinsten.
Von Hannes S. Macher

