Freitag, 30.07.2010 |

 

12.09.2007 19:36 Uhr | 190x gelesen
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Die Beliebigkeit unserer Welt


Bild: Die Beliebigkeit unserer Welt .  Nürnberg (DK) Ob unsere Welt ein Zufallsprodukt der Natur ist oder ob ihr doch das \

Nürnberg (DK) Ob unsere Welt ein Zufallsprodukt der Natur ist oder ob ihr doch das "intelligente Design" eines Schöpfers, gar der Plan eines Gottes, zugrunde liegt, wird in der derzeit aus den USA herüberschwappenden und heftig geführten "Kreationismus-Debatte" diskutiert. Die neue Ausstellung der Kunsthalle Nürnberg liefert zwar auch keine schlüssige Antwort auf diese Fragen, bebildert aber höchst amüsant und bunt die Kontroverse um "Gott oder Evolution".


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Die Skulptur "Johnny Depp" der Amerikanerin Rachel Harrison. Die Kunsthalle Nürnberg zeigt die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland. - Foto: Felix
In ihrer ersten deutschen Einzelausstellung in der Nürnberger Kunsthalle geht die amerikanische Künstlerin Rachel Harrison (1966 in New York geboren) dem Urproblem zumindest künstlerisch auf den Grund – und beruft sich im Titel, "Voyage of the Beagle" auf dessen Urheber: Charles Darwins legte auf seiner 1831 in England gestarteten fünfjährigen Reise mit dem Forschungsschiff "Beagle" halbwegs rund um den Globus die Grundlagen seiner immer wieder verbotenen und bis heute umstrittenen Evolutionstheorie.

So bunt wie die Natur die Erde zusammengewürfelt hat, ist auch Rachel Harrisons Bilderwelt, die sie eigenhändig in der Nürnberger Kunsthalle installiert hat: Da läuft ein meterlanger Foto-Fries den Wänden entlang und zeigt Schaufensterpuppen und Perückenauslagen, ausgestopfte Tiere und prähistorische Figuren, Masken und mittelalterliche Plastiken, einen holzgeschnitzten Abraham Lincoln und die verkitschte Freiheitsstatue, Mickey Mouse und Pin Ups – so als ob die menschgemachte Zivilisation eine Fortsetzung der Natur sei, in der der blanke Zufall, keinesfalls aber ein göttliches Prinzip obwalte.

In anderen Arbeiten geht die Künstlerin der Doppelgesichtigkeit des Menschen nach und zeigt ihn janusköpfig: von vorn als Schaufenster-Puppen-Gesicht, von hinten als Abraham Lincoln mit Sonnenbrille – oder wahlweise mit der Maske des amerikanischen Vize-Präsidenten Dick Cheney. Und in der größten Installation der Ausstellung, der saalfüllenden Arbeit "Trees for the Forest" (Bäume für den Wald) sieht man vor lauter Bäumen den Wald beziehungsweise vor lauter Trivialbildern die Kunst nicht mehr: Ein riesiges Stelen-Feld versammelt auf seinen bunt bemalten Säulen, Sockeln und Podesten zusammengeklaubtes Bildgut von Krempel und Trödel – und stürzt die Kunst von ihrem hehren Denkmal wie weiland Marcel Duchamp mit seinen Readymades von Fahrradfelge und Pissoir-Becken.

In ihrer Ikonografie der moderne Warenwelt simuliert Rachel Harrison die Beliebigkeit unserer wahren Welt, in der die alltäglichen Dinge zu Artefakten der Zivilisation geronnen sind.

Kunsthalle Nürnberg, Lorenzer Str. 32. Rachel Harrison: "Voyage of the Beagle". Bis 4. November. Di bis So 10 bis 18 Uhr, Mi bis 20 Uhr. Katalog, 150 S., 30 Euro.

Von Friedrich J. Bröder

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