Mittwoch, 30.05.2012 |

 

02.02.2012 22:56 Uhr | 123x gelesen
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Die Ausstellung „Time Capsule“: Im Spiegelkabinett


Bild: Die Ausstellung „Time Capsule“: Im Spiegelkabinett.  Ingolstadt (DK) Ein Quader aus zusammengeklebten Kieselsteinen, Fotos aus Amerika, ein Tisch mit abgenommener Tischplatte, ein Skulpturenwesen aus Verlängerungskabeln, baumelnde Holzlatten, Stühle, Ständer, Gitter, Bilder in Gold, Silber oder ganz konkret und all das und noch viel mehr immer wieder und weiter in den endlosen Raum gespiegelt.

Ingolstadt (DK) Ein Quader aus zusammengeklebten Kieselsteinen, Fotos aus Amerika, ein Tisch mit abgenommener Tischplatte, ein Skulpturenwesen aus Verlängerungskabeln, baumelnde Holzlatten, Stühle, Ständer, Gitter, Bilder in Gold, Silber oder ganz konkret und all das und noch viel mehr immer wieder und weiter in den endlosen Raum gespiegelt.


Time Capsule
Bild: Derstroff Wundersames Sammelsurium aus Zitaten, Fragen, Antworten und Experimenten zu Konkreter Kunst. 35 Künst- und Designschaffende zeigen in der »Zeitkapsel« ihre Version des Genres
Ein Augen verwirrendes Wunderkabinett, eine grenzenlose Geisterkammer ist die „Time Capsule“ mit ihrer Sammlung eines, so scheint es, Kunst- und Krempel-Manikers. Dass das Ganze dann auch noch „Eine Frau, ein Baum, eine Kuh“ heißt, macht die Sache nicht einfacher. Oder doch? Doch. Denn wir sind im Museum für Konkrete Kunst und der Baum-Frau-Kuh-Untertitel der ersten Schau des Jahres leitet sich ab von einem Zitat des Urvaters der Konkreten Kunst, der ihr letztendlich ihren Namen gab. In seinem „Manifest zur Konkreten Kunst“ stellte Theo von Doesburg 1930 die rhetorische Frage, ob eben eine Frau, ein Baum, eine Kuh auf der Leinwand etwa konkrete Elemente seien – um zu dem Schluss zu kommen, dass dem nicht so sei, und nichts wirklicher, realer, „konkreter“ sei, als eine Linie, Farbe oder Fläche.
 
Es geht also in der Schau um wirkliche, reale, vollständig erdachte neutrale Kunst. Und – nimmt man den Haupttitel „Time Capsule“ als weiteren Hinweis zum Verständnis – wohl auch um den Umgang mit den großen Ideen der großen Vertreter des konkret-konstruktiven Genres. Zeitsprünge vor und zurück, ins Gestern, Heute und vielleicht Morgen sollen also möglich sein in der „Zeitkapsel“, die das Münchner Kuratoren-Duo Michael Biber und Hannes Gumpp als innen rundum verspiegeltes Kabinett ins Erdgeschoss des Museums baute.
 
Um es mit Arbeiten von nicht weniger als 35 Künstlerinnen und Künstlern zu bestücken. Schon an diesem Aufbau zeigt sich gleich: Man spielt mit den gesetzten Elementen der Konkreten Kunst, mit Spiegelungen, Licht, der Interaktion des Betrachters, der sich hier optisch selbst kaum aus dem Wege gehen kann. Und – so zeigt sich bei der Betrachtung der einzelnen Exponate – mit ihrer Farb- und Formensprache. Verwischt, greift auf, konterkariert und zitiert die großen Meister, augenzwinkernd oft und frisch.
 
Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch? Oder doch eher demontiert, ein schwarzes Quadrat im Winkel an einem schwarzen Raster? Da erscheinen konkrete Farbflächen plötzlich geradezu ikonografisch, erweist sich eine filigrane Holzfächerspirale (Titel „Große Pommesspirale“) als nüchtern-formale Überlegung, da stehen Gitter wie vergessene Baumaterialien da und sind doch ganz konkrete Raster. Schön: All das bleibt, dank der Gesamtinszenierung, in der Schwebe des Versuchs, im Flair des Flüchtigen und Weiterdenkens. Erstaunlich, wie die Spiegelwände den Raum entgrenzen – und die Ausstellung ein wenig auch die Konkrete Kunst.
 
Bis 26. Februar, Di bis So 10 bis 17 Uhr. Führung mit den Kuratoren am Sonntag, 26. Februar, um 11 Uhr.
Karin Derstroff

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