Die Ausstellung „Time Capsule“: Im Spiegelkabinett
Ingolstadt (DK) Ein Quader aus zusammengeklebten Kieselsteinen, Fotos aus Amerika, ein Tisch mit abgenommener Tischplatte, ein Skulpturenwesen aus Verlängerungskabeln, baumelnde Holzlatten, Stühle, Ständer, Gitter, Bilder in Gold, Silber oder ganz konkret und all das und noch viel mehr immer wieder und weiter in den endlosen Raum gespiegelt.

Wundersames Sammelsurium aus Zitaten, Fragen, Antworten und Experimenten zu Konkreter Kunst. 35 Künst- und Designschaffende zeigen in der »Zeitkapsel« ihre Version des Genres
Es geht also in der Schau um wirkliche, reale, vollständig erdachte neutrale Kunst. Und – nimmt man den Haupttitel „Time Capsule“ als weiteren Hinweis zum Verständnis – wohl auch um den Umgang mit den großen Ideen der großen Vertreter des konkret-konstruktiven Genres. Zeitsprünge vor und zurück, ins Gestern, Heute und vielleicht Morgen sollen also möglich sein in der „Zeitkapsel“, die das Münchner Kuratoren-Duo Michael Biber und Hannes Gumpp als innen rundum verspiegeltes Kabinett ins Erdgeschoss des Museums baute.
Um es mit Arbeiten von nicht weniger als 35 Künstlerinnen und Künstlern zu bestücken. Schon an diesem Aufbau zeigt sich gleich: Man spielt mit den gesetzten Elementen der Konkreten Kunst, mit Spiegelungen, Licht, der Interaktion des Betrachters, der sich hier optisch selbst kaum aus dem Wege gehen kann. Und – so zeigt sich bei der Betrachtung der einzelnen Exponate – mit ihrer Farb- und Formensprache. Verwischt, greift auf, konterkariert und zitiert die großen Meister, augenzwinkernd oft und frisch.
Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch? Oder doch eher demontiert, ein schwarzes Quadrat im Winkel an einem schwarzen Raster? Da erscheinen konkrete Farbflächen plötzlich geradezu ikonografisch, erweist sich eine filigrane Holzfächerspirale (Titel „Große Pommesspirale“) als nüchtern-formale Überlegung, da stehen Gitter wie vergessene Baumaterialien da und sind doch ganz konkrete Raster. Schön: All das bleibt, dank der Gesamtinszenierung, in der Schwebe des Versuchs, im Flair des Flüchtigen und Weiterdenkens. Erstaunlich, wie die Spiegelwände den Raum entgrenzen – und die Ausstellung ein wenig auch die Konkrete Kunst.
Bis 26. Februar, Di bis So 10 bis 17 Uhr. Führung mit den Kuratoren am Sonntag, 26. Februar, um 11 Uhr.
Karin Derstroff
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Weitere Themen

