Autor Thomas Köck und Regisseur Michael Simon stellten sich den Fragen des Publikums. Isabella Kreim moderierte die Diskussion. Neben ihr Kostümbildnerin Kerstin Grießhaber (von links).
Autor Thomas Köck und Regisseur Michael Simon stellten sich den Fragen des Publikums. Isabella Kreim moderierte die Diskussion. Neben ihr Kostümbildnerin Kerstin Grießhaber (von links).
Foto: Witzke
Ingolstadt
Dieser Frage geht der 1986 in Steyr geborene Autor Thomas Köck in seinem Stück "kudlich. eine anachronistische puppenschlacht" nach - und erzählt auf der Folie der Biografie des österreichischen "Bauernbefreiers" Hans Kudlich von Problemen der Jetztzeit und der Ambivalenz der Freiheit. Mit virtuoser Sprachkraft und in einem ganz eigenen Sound stellt er Fragen nach Revolution und Widerstand. "Wo Macht ist, ist auch Widerstand", lautet der Kernsatz des Stücks.

Regisseur Michael Simon hat diesen äußerst komplexen Parforceritt durch die Geschichte im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt inszeniert - in einer radikal gekürzten Fassung, einer überwältigenden Bildästhetik und mit brillanten Schauspielern. Ein lustvolles Theaterspektakel ist es geworden und - weil es auch um die Sprache geht, um die Ideologisierung von Begriffen - ein hellsichtiger Kommentar auf die aktuellen politischen Brandherde. Bei der Premiere Ende März gab es dafür großen Applaus.

Am Mittwochabend fand nun im Anschluss an die "kudlich"-Vorstellung ein Publikumsgespräch unter der Moderation der Kulturjournalistin Isabella Kreim statt. Und dazu waren nicht nur der Autor Thomas Köck und das gesamte Produktionsteam angereist, sondern auch der Urgroßneffe des realen Hans Kudlich, der kurz über die politische Bedeutung seines Urgroßvaters Hermann Kudlich und dessen Bruder Hans sprach. Zu später Stunde gab es im oberen Foyer des Stadttheaters Ingolstadt aber zunächst mal viel Lob für die Inszenierung. Vor allem vom Autor selbst: "Es toller Abend", sagte Thomas Köck. Gespannt sei er auf die Bilder gewesen, die Regisseur Michael Simon und sein Team zu seinem Text eingefallen seien. "Der Text verändert sich ja, wenn man ihn aus der Hand gibt. Und ich bin fast gelangweilt, wenn ich das sehe, was ich reingeschrieben habe", erklärte er dem Publikum. Auf der Suche nach Stoffen, "die mit der Geschichte kommunizieren", war er auf Hans Kudlich gestoßen- und auch darauf, dass sich mit der Abschaffung der Leibeigenschaft der Bauern das Kreditwesen (auch mit all seinen negativen Seiten) entwickelte.

Regisseur und Schauspieler berichteten von der Arbeit am Text und den intensiven Proben. Und auch die Frage nach dem Chor im Stück tauchte auf. Der habe Stellvertreterfunktion für uns alle, meinte Regisseur Simon. Begriffe wie "Volk" oder "Heimat" seien längst Reizwörter der Gegenwart geworden. Darüber hinaus, fügte Autor Köck hinzu, "finde ich den Chor angenehm, weil man beim Schreiben das Gefühl hat, man ist nicht allein".

Durchaus kontrovers wurde allerdings der politische Gehalt diskutiert und auch die Frage, was Theater leisten muss - und kann. Intendant Knut Weber verwies auf den facettenreichen Spielplan in seiner Gesamtheit und stellte klar: "Die Produktion zeigt eine Sicht auf die Welt - und die stellen wir zur Debatte. "
.