Müsste man Amy MacDonald mit einem Wort beschreiben, würde man wohl sagen: Die Frau ist lässig. Sie braucht keine Vorband, keine lautstarke Ankündigung, kein theatralisches "Wann erscheint sie endlich auf der Bühne?"-Spielchen. Die 29-jährige Schottin macht kein großes Aufheben um sich: Mit schwarzer Jeans, Top und umgehängter Gitarre schlendert sie einfach aus dem Backstage-Bereich auf die Bühne, grinst ihr Publikum an und beginnt sofort mit "Under Stars", einer rockigen Nummer auf ihrem gleichnamigen neuen Album. 

Nach zwei Songs kocht die Stimmung. MacDonalds Live-Performance ist wahnsinnig gut, sie klingt sogar noch besser als auf der Platte. Zudem gelingt ihr genau die richtige Mischung aus bekannten Hits wie "Don't Tell Me That It's Over" oder "Mr Rock & Roll" und neuen Liedern wie ihrer aktuellen Single "Dream On" oder der Nummer "Automatic", die am Freitag als neue Single-Auskopplung veröffentlicht wird. 

Zwischendurch plaudert MacDonald mit ihrem extrem sympathischen, aber nicht immer ganz verständlichen, schottischen Dialekt über ihren letzten feuchtfröhlichen Besuch in München - "Ich war so verkatert" - und erzählt die Geschichten hinter ihren Songs. Ihre 2012 erschienene Single "Pride" hat sie etwa als Hommage an ihr Vaterland Schottland geschrieben und auch schon mehrfach bei Spielen der schottischen Fußballnationalmannschaft gesungen.




Überhaupt ist Fußball ein Thema, das der 29-Jährigen sehr am Herzen liegt, selbst, wenn ihr Land in dieser Sportart eher selten punktet. "Ich weiß nicht, wann wir zuletzt nicht geschlagen worden sind", witzelt sie. Und fügt hinzu, dass Jogi Löw, der als Trainer der deutschen Nationalmannschaft 2014 den Weltmeister-Titel holte, manchmal ihre Musik höre. "Ich glaube, näher kann Schottland der Weltmeisterschaft kaum kommen."

Mit Humor nimmt MacDonald auch das warme Klima in der ausverkauften Tonhalle. "Es ist hier wie in der Sauna. Das ist nichts für uns Schotten", erklärt sie. Ihre ganze Kleidung sei durchgeschwitzt, deshalb müsse sie jetzt etwas Ruhiges spielen. Es folgt eine wunderschöne, sehr romantische Interpretation der ursprünglichen Up-Tempo-Nummer "4th Of July". Das hört sich so wunderbar an, dass man sich wünscht, die Musikerin würde bei diesem Konzert noch mehr ihrer alten Lieder neu interpretieren. Leider ist das nicht der Fall - es bleibt aber wirklich der einzige Wermutstropfen an diesem Abend.  


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