Krautrock vom Feinsten: Hellmut Hattler (rechts) und Peter Wolbrandt beim Auftritt von Kraan im Paradox in Ingolstadt. - Foto: Rössle
Das Konzert 1975 im Quartier Latin in Berlin? "Wir waren damals total angesagt. Das war gar nicht schlecht. 2000 Leute sind gekommen", erzählt Wolbrandt. Der Auftritt ist auf "Kraan live" veröffentlicht worden. Und wenn das "nicht schlecht" war, was ist dann erst ein gutes Kraan-Konzert

Vielleicht ein Auftritt wie der am Donnerstag im Paradox in Ingolstadt. Was Wolbrandt, sein Bruder Jan Fride am Schlagzeug und natürlich Bassist Hellmut Hattler zweieinhalb Stunden lang auf der Bühne zelebrieren, ist phänomenal und um einiges besser als vor einigen Jahren das Konzert im Ohrakel. Legenden haben ja immer ein Problem, wenn sie älter werden – Kraan nicht. Diese Musik ist zeitlos.

"Im Grunde ist es völlig egal, was wir machen. Es kommt immer Kraan dabei heraus", sagt Hattler auf der Bühne. Und das (mit Unterbrechungen) seit fast 40 Jahren. Das gilt sowohl für die neuen als auch für die alten Stücke. "Club 20" ist so eines. Hattler fängt an, Peter Wolbrandt setzt langsam ein und Bruder Jan Fride bereitet am Schlagzeug das Fundament. Und dann kann’s richtig losgehen – mit dem Improvisieren nämlich. Denn das macht Kraan immer noch am liebsten.

Es ist ein Genuss, wenn Hattler und Wolbrandt mit- oder auch gegeneinander spielen und der Bass zum vollwertigen Melodieinstrument wird. Ganz zu schweigen von Hattlers Fähigkeiten auf dem Griffbrett. Mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit rasen die Finger über die Saiten und entlocken dem Bass rasend schnelle Melodielinien. Peter Wolbrandt steht seinem kongenialen Partner darin nicht nach. Absolut flüssig und präzise hält Jan Fride Wolbrandt am Schlagzeug alles zusammen.

Das Ergebnis ist Krautrock mit jeder Menge Jazzeinflüssen, fast nur instrumental und live auf einem unglaublich hohen musikalischen Niveau. Natürlich durften einige der bekanntesten alten Stücke nicht fehlen, wie etwa "Jerk Of Live" aus dem Jahr 1974 oder "Holiday am Marterhorn", das nach 35 Jahren wie die Titelmelodie von "Bonanza" auf LSD klingt: irgendwie genial, leicht verrückt und immer Kraan.