Im Rahmen des ARD-Themenabends "Flucht aus Europa" - im Anschluss an den Film sollte Sandra Maischberger in ihrer Talkrunde das Motiv des Films aufgreifen, diskutiert nun jedoch aus aktuellem Anlass über "Das GroKo-Drama: Zerlegen sich die Volksparteien" - wagt man den filmischen Perspektivwechsel. Journalist Jan (Fabian Busch) soll mundtot gemacht werden, das Regime will ihn ins Gefängnis stecken. Über Nacht flieht er mit seiner Familie. Sein Ziel ist die Südafrikanische Union, dort herrscht politische und ökonomische Stabilität. Ein Frachter soll ihn, seine Frau Sarah (Maria Simon) und die Kinder Nora und Nick nach Kapstadt bringen. Doch Schlepper setzen sie und andere Passagiere in viel zu kleinen Booten vor der Küste Namibias aus. Dabei kentern sie, werden gerettet, nur Sohn Nick ist verschwunden. Statt Traumstrand erwartet die Familie die Hölle. Als Jan erfährt, dass man wieder nach Deutschland abgeschoben werden soll, fliehen die drei aus dem Lager und schlagen sich illegal nach Südafrika durch - immer in dem Glauben, dass der kleine Nick noch lebt.

"Wir haben lange überlegt, wie wir es schaffen, dass die Zuschauer trotz der vielen Nachrichten über Flüchtlinge nicht abstumpfen. Deshalb hatten wir die Idee, ein Boot mit Europäern auf Afrikas Küste zusteuern zu lassen - und die Rollen umzudrehen", sagt Produzentin Kirsten Hager. Regisseur Kai Wessel ergänzt: "Ich glaube, dass unser Film unsere Empathiefähigkeit gegenüber jenen Menschen schult, die aus welchen Gründen auch immer ihr Land verlassen müssen, weil sie in Zuständen leben, die für sie nicht mehr haltbar sind, und auf der Flucht das Gefühl erleben, anderen ständig ausgeliefert zu sein."

Das gelingt, denn "Aufbruch ins Ungewisse" ist ein sehr emotionaler Film. Nah an der Realität wird die Odyssee einer Familie erzählt. Sie erlebt all das, womit Menschen auf der Flucht konfrontiert sind: skrupellose Schlepper, die Furcht vor Abschiebung, karges Dasein im Camp, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und unfreundliche Bürokratie. Und die Schneiders haben in dieser emotionalen Ausnahmesituation auch mit familiären Konflikten und gegenseitigen Schuldzuweisungen zu kämpfen.

Was in diesem bedrückenden Drama zu vage bleibt und nicht überzeugt, ist die Ausgangssituation in einer fiktiven Zukunft. Die spielt schon nach wenigen Minuten keine große Rolle mehr, alles gleicht danach der gesellschaftlichen Gegenwart - nur unter umgekehrten Vorzeichen. Das allerdings ist sehenswert, dazu tragen auch das hervorragende Szenen- und Kostümbild bei. Alles wirkt sehr lebendig und authentisch. Ein Film, der berührt.

Heute, 20.15 Uhr, ARD: "Aufbruch ins Ungewisse".