Berlin: Der spannende Dreh mit Cate Blanchett
Auf einem Friedhof: Regisseur Julian Rosefeldt mit Textblatt und Christoph Krauss an der Kamera beim Dreh der "Dadaismus"-Sequenz. - Foto: Julian Rosefeldt/ VG Bild-Kunst
Berlin

Berlin (DK) Er gerät ins Schwärmen, wenn er von ihr spricht. Strahlt, als würde in seinem Gesicht ein Scheinwerfer angeknipst. "Du könntest Cate Blanchett vor eine weiße, neonröhrenbeleuchtete Wand stellen, und es wäre immer noch spannend." Christoph Krauss stand bei dem Kunstprojekt "Manifesto" hinter der Kamera - und der australische Kinostar davor. Die 13-teilige Filminstallation des Münchner Künstlers Julian Rosefeldt ist in der Villa Stuck zu sehen.

Kameraleute bleiben unsichtbar, treten meist nicht in Erscheinung, obwohl sie einen wesentlichen Anteil am Gelingen eines Filmprojekts haben. Manche empfinden das als ungerecht - Christoph Krauss nicht. "Das ist Teil der Entscheidung, wenn du diesen Beruf wählst," sagt der 52-jährige, gebürtige Hofer, der in Berlin lebt. "Ich sehe mich in der Rolle des kreativen Zuspielers." Dass jetzt durch "Manifesto" ausnahmsweise doch etwas Scheinwerferlicht auf ihn fällt, betrachtet Krauss als riesigen Glücksfall. "Normalerweise arbeite ich ja nicht in so einem glamourösen Umfeld."

Es gab aber auch Zeiten, da zweifelte er an seiner Berufswahl. Christoph Krauss hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt und sich nach der Ausbildung an der Fachschule für Optik und Fototechnik in Berlin als Kameraassistent und Beleuchter hochgearbeitet. "Ich wollte auf keinen Fall bei einem Sender fest angestellt sein, denn die spannenden Aufträge gehen meist an freie Produktionen." Der Preis der Freiheit: Phasen, in denen es nur wenige Aufträge gibt oder solche, die er nicht interessant findet. "Letztlich ist es aber doch das, was ich immer machen wollte."

Krauss arbeitet unter anderem auch für den bekannten Kameramann Hans Fromm, Träger des Adolf-Grimme-Preises. Der empfiehlt eines Tages Julian Rosefeldt seinen Assistenten. "Er ist ein Wagnis mit mir eingegangen, aber es hat sich eine schöne Zusammenarbeit entwickelt", erzählt Krauss. "Es beginnt mit der rohen Idee, dann sitzen wir zusammen und brüten darüber, spielen uns den Ball hin und her, bis eine Bildsprache entsteht."

Als Cate Blanchett zusagt, bei "Manifesto" mitzuwirken, noch dazu ohne Gage, ist das natürlich eine Sensation. Die Schauspielerin hat gerade für "Blue Jasmin" den Oscar bekommen, als die Dreharbeiten beginnen: "Wir befürchteten, dass sie uns absagen würde", erinnert sich Krauss. Doch Blanchett hält Wort, denn sie reizt die Idee, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen und die revolutionären Künstlermanifeste zu inszenieren. Nur eine Bedingung stellt sie: Sie bringt ihre eigene Maske mit. "Für uns war es jedes Mal eine Überraschung, wenn sie morgens aus dem Wohnwagen kam - mal als Grabrednerin, mal als Puppenspielerin oder als Clochard. In der Episode über eine Mutter spielen sogar ihr Mann und ihre drei Söhne mit."

Nur elf Drehtage bleiben mit Blanchett. "Sie ist wahnsinnig routiniert und auf den Punkt fokussiert", erzählt der Kameramann. Eine große Herausforderung bei "Manifesto" stellt allein die Textmenge dar. Krauss erinnert sich: "Teilweise hat sie die schwierigen Texte vorher aufgenommen und mit Knopf im Ohr gesprochen." Die prominente Hauptdarstellerin spornt jedenfalls die ganze Crew an. "Bei so einem Dreh sind die Erwartungen natürlich hoch, dass jeder mithält."

Gelungen ist ein Kunstwerk, das nun auch in München zu sehen ist. "Es fasziniert mich, wie gebannt die Leute vor der Leinwand stehen und die Szenen regelrecht inhalieren. Da entsteht eine Bindung, und das genieße ich", meint Krauss. "Manche Besucher schauen sich alles von A bis Z an, obwohl es mehr als zwei Stunden dauert."

Beim berühmten Sundance Film Festival hatte die Filmfassung von "Manifesto" Premiere. "Das war spannend", erzählt Krauss, der selber dort war. "Die Kritiker waren ganz euphorisch. Ich freue mich natürlich über die Anerkennung. Das ist eine tolle Arbeit, und ich war daran beteiligt." Aktuell wird das Werk, auch beim Tribeca Filmfest in New York gezeigt.

Für seine Arbeit in "Manifesto" wurde Christoph Krauss jetzt auch für den Deutschen Kamerapreis in der Sparte Kinospielfilm nominiert. Die Gala findet am 24. Juli in Köln statt. Aktuell dreht der Kameramann gerade einen Thriller mit Wotan Wilke Möhring und Hannah Herzsprung in den Hauptrollen. Es läuft gut für den Bayern aus Berlin.