Ali Hamady, genannt "Toni", Boss des Clans, will aussteigen. Nicht aus moralischen Gründen. "Ich will ein sauberes Leben, keinen Stress, ich hab' Familie", sagt er. Ein Leben als Immobilienbesitzer mit deutschem Pass, so stellt er sich seine Zukunft vor. Statt immer mit einem Bein im Gefängnis zu stehen, will er "der deutscheste Deutsche" werden. Seit 26 Jahren lebt der Libanese mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung hier. Nun hat die Behörde angekündigt, dass seine Frau und er deutsche Pässe bekommen werden. Doch in seinem Revier, den "4 Blocks", gibt es Probleme: Die Polizei hat seinen Schwager Latif verhaftet, eine Drogenlieferung wurde be-schlagnahmt, sein hochaggressiver Bruder Abbas flippt aus, ein ermittelnder Polizist wird erschossen und kriminelle Konkurrenz droht. Gut, dass Tonis Jugendfreund Vince auftaucht, der vor Jahren verschwand, jetzt Geld braucht und Anschluss sucht. Toni, der Kopf, vertraut ihm, Abbas, die Faust, beäugt ihn argwöhnisch

"4 Blocks" - das steht für all das, womit der Clan Geld macht: Mädchen, Casinos, Drogen, Schutzgeld - bietet einen rohen, trockenen Realismus: So könnte es draußen wirklich aussehen. Marvin Krens Inszenierung ist flüssig und temporeich, die Kamera lebendig, man ist nah dran am Geschehen. Neukölln wird quasi zu einem weiteren Hauptdarsteller. Und für die nötige "Street Credibility" sorgen echte Berliner Clan-Mitglieder, die es als Rapper zu Bekanntheit gebracht haben: Veysel und Massiv spielen Abbas und Latif. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Gringo haben sie auch den Song zur Serie geschrieben. Der harte Beat des Hip-Hops spielt eine wichtige Rolle in der Serie, ihre Texte unterstreichen, was der Zuschauer sieht: "Wir sind keine Gang, wir sind Familie." Die Musik gibt den Takt vor, dazu die harten Bilder, das physische Spiel, die beeindruckend agierenden Kido Khodr Ramadan als Toni und Frederick Lau als Vince - all das hat man so noch nicht oft gesehen in deutschen Produktionen.

ZDFneo: Doppelfolgen ab heute, 23.15 Uhr.