Augsburg: Leichenfund im Untergrund der Lechmetropole
Bei der Ermittlung eines Mörders sind alle Mittel recht - auch die Beschlagnahmung von einem Bus. Kommissar Weber (Klaus Müller) und Aquabiologin Dr. Fredrich (Katharina Rehn) streiten im ersten Augsburger Theater-"Tatort" über die Vorgehensweise. - Foto: Jan-Pieter Fuhr
Augsburg

Das alles ist Teil einer Inszenierung des Theaters Augsburg. Da die Stadt es bisher noch nicht in das sonntägliche Fernsehformat des "Tatorts" geschafft hat, etablierte der neue Intendant André Bücker einen interaktiven Theater-"Tatort". Man begibt sich also "Zu neuen Ufern" (Titel der ersten Folge). Zu Beginn des Abends versammeln sich die Schaulustigen im unterirdischen Gewölbe des Hoffmannkellers, als hätte man sich zu einem gemeinsamen Fernsehabend verabredet. Die Leinwand zeigt die auswärtigen Kommissare Bruch und Weber. Sie sollen dem geheimnisvollen Tod einer Augsburger Kollegin auf den Grund gehen. Die erste Besprechung zur "Operation Brezel" ist an der Bar des Hoffmannkellers, das Publikum sitzt währenddessen im Nachbarraum. Das Duo könnte nicht unterschiedlicher sein: Sie ist scharfsinnig und kritisch, er wirkt mit seinen Bibelzitaten beruhigend. Das komisch-skurrile Beschnuppern wird jäh unterbrochen: Man sieht, wie eine junge Frau in Wathose, gelbem Regenmantel und weißem Schutzhelm durch eine Tür an den Ermittlern vorbei und in Richtung Zuschauerraum rennt. Im nächsten Moment steht sie keuchend zwischen dessen Reihen. Die Aquabiologin Dr. Franziska Fredrich, gespielt von Katharina Rehn, bietet für die Stadt Führungen durch die unterirdischen Wassersysteme an. Eine Vorabkontrolle der glitschigen und dunklen Gänge führte sie zu besagter Leiche. Ermittlerin Bruch übernimmt die Fahndung nach dem vermeintlich Toten in der Unterwelt mithilfe der burschikos wirkenden Pathologin Dr. Karin Thielemann. Die überirdische Suche erfolgt zu Fuß auf den verregneten Straßen mit Kommissar Weber und der Aquabiologin, gefolgt von den mittlerweile 80 Zeugen. Auf dem Weg unterrichtet Fredrich über Sehenswürdigkeiten, Berühmtheiten oder das Wassersystem, wie bei einer echten Führung. Dabei kommt es vor, dass der Pulk den Verkehr lahmlegt, weil die Fußgängerampel längst auf Rot gesprungen ist. Fredrich ermutigt zum Weiterlaufen mit dem Merkel'schen "Wir schaffen das". Vor dem baufälligen Augsburger Theater warnt die sonst so ängstliche Frau: "Sogar die Kanäle machen hierum einen Bogen!"

Der Auferstandene ist nach seinem Angriff auf Kommissarin Bruch in Richtung des Stadtteils Lechhausen geflohen. Weber beschlagnahmt einen Stadtbus, um die Verfolgung aufzunehmen. Während der Fahrt durchs Dunkle werden erste Vermutungen angestellt, denn die Zeugen werden sukzessive zu Ermittlern, bevor der finale Akt mit dem Fluchtweg des Unbekannten in einer Kirche endet.

Die Erklärung der rätselhaften und bedrohlichen Ereignisse reicht zurück bis in die Geschichte der Stadt zu Zeiten von Luthers Reformation und dem Erbe von Kaiser Maximilian I. Die Thematik ist heute genauso aktuell wie damals: ein Konflikt zwischen Kapitalismus, Wissenschaft und Religion.

Der Krimi zum Miterleben beginnt spektakulär und vermag zunächst auch durch den Einsatz von Videos zu überzeugen. Doch während der Busfahrt geht allmählich die Spannung verloren. Die Fahrt dauert zu lang, die Gruppe ist zu groß. Und der Humor konterkariert den Ernst der Lage, immerhin ist lange Zeit nicht klar, ob die Kommissarin den Schuss überlebt hat.

Die Stadt Augsburg und ihre vielfältige Geschichte gehören zusammen, deswegen wird auch in den Wänden der St. Petrus Kirche in Lechhausen vermutlich nie wieder so viel Applaus erklingen, wie zu diesem Premierenabend. Die Folge zwei (ab 31. Dezember) beschäftigt sich mit einem historischen Fall, bevor Weber und Bruch ihre Nachforschungen zur "Operation Brezel" in der vorerst letzten Folge des Augsburger "Tatorts" fortsetzen.

Die erste Folge läuft bis einschließlich 8. Dezember. Karten sind online erhältlich unter: theater-augsburg. de/tatort_augsburg