Ansteckende Leidenschaft
Ingolstadt (DK) Vier Streichbogen tanzen heftig auf den Saiten. Zwei Geigen und eine Bratsche bewegen sich in Wellenbewegungen aufeinander zu und wieder auseinander. Einzig und allein das Cello bohrt seinen Stachel entschlossen in den Boden. Die Instrumente atmen, schreien, kreischen und singen. Doch so wild sie die Musik auch auszuleben versuchen: Sie werden dennoch beherrscht von acht Händen, die gekonnt auf Saiten drücken und den Bogen ziehen. Auf einmal bricht Stille den bunten Tanz der Töne ab. Regungslos und gefangen von der Wirkung der letzten Klänge starren Musiker und Schüler in den Raum.

"Rhapsody in school" heißt ein bundesweites Projekt, bei dem Schüler Stars der Klassik hautnah erleben können. Das Minguet-Quarett war vor seinem Konzert im Gnadenthal-Gymnasium zu Gast. - Foto: Sauer
Nach und nach füllen Schüler den Raum und warten gespannt auf das Eintreffen der Musiker. Ulrich Isfort mit seiner Violine betritt als erster den Saal. Auch die zweite Geigerin, Annette Reisinger, und Aroa Sorin mit ihrer Viola sowie Matthias Diener mit seinem Violoncello finden vor den Schülern Platz. Im Rahmen des bundesweiten Projekts "Rhapsody in school" ist das Minguet-Quartett heute zu Besuch. Eine zehnten Klasse und 15 Orchestermusiker erhalten einen Einblick in das Leben der Musiker, können Fragen stellen und bekommen Ausschnitte der Musikstücke vorgestellt, die die Künstler am Abend im Rahmen der Audi-Sommerkonzerte in Maria de Victoria aufführen werden.
"Da wir ein musisches Gymnasium sind, planen auch viele Schüler ein Musikstudium. Für sie ist es besonders interessant, wie die Künstler spielen und leben", sagt Musiklehrer Klaus Hoffmann. "Heute Vormittag bekommen sie die Musik vorgestellt und abends geht es dann für alle ins Konzert."
Als erstes Stück spielen die vier Kölner Musiker das d-Moll-Streichquartett von Mozart. In dem Moment, in dem aus den hölzernen Instrumenten Töne erklingen, strahlen die Gesichter der Künstler Ernsthaftigkeit und Konzentration aus. Ihre lockere Art ist abgelegt und ihre Aufmerksamkeit gilt der Musik. Durch Blickkontakte werden Melodien vom einem zum anderen Instrument übergeben. Ein wenig so, als würden sie sich behutsam Tennisbälle zuspielen. Ihre Körper, Gestik und Mimik sind ganz getaucht in den Zauber der Musik. Auf einmal herrscht wieder Stille und nach einer kurzen Pause klatscht der gesamte Raum.
Nur zaghaft trauen sich wenige Schüler ihre Hand zu heben und Fragen zu stellen: zum Tagesablauf der Musiker, ihrem Leben oder auch dem Ursprung des Namens Minguet-Quartett. Ulrich Isfort erklärt: "Pablo Minguet war im 18. Jahrhundert ein spanischer Philosoph. Er hat sich darum bemüht, dem breiten Volk Zugang zu den Schönen Künsten zu verschaffen." Und das wurde für das Quartett aus Köln zum künstlerischen Programm.
Nach der ersten Fragerunde stellt das Quartett ein modernes Stück von Peter Ruzicka vor. Im Anschluss daran erklären sie ausführlich, wie der Künstler in diesem Werk den Tod seiner eigenen Mutter verarbeitet. Und auch das letzte Stück hat wiederum mit dem Tod zu tun: Felix Mendelssohn Bartholdy hat das f-Moll-Quartett geschrieben, als er von dem Tod seiner geliebten Schwester erfuhr.
Wieder setzen die Musiker ihre Instrumente an. Wieder sieht man ernste Gesichter und wieder beginnt ein wortloser Dialog voller Emotionen.
Von Stefanie Starke

