Pfaffenhofen: "Manche sind sehr blauäugig"
Smartphone - aber sicher: In einer neuen PK-Serie machen Jugendamtsleiterin Elke Dürr und Manfred Liesaus, Bereichsleiter Jugendarbeit und Prävention, auf die Gefahren und Problembereiche rund ums Thema Smartphone aufmerksam. - Foto: Gegger
Pfaffenhofen

"Smartphone - mobil - aber sicher!!" heißt ein Projekt des Kreisjugendamtes. Was versprechen Sie sich davon?

Elke Dürr: Wir haben mehrfach Rückmeldungen aus den Schulen erhalten, dass sich Jugendliche immer wieder in Situationen bringen, wo sich Anwälte melden, die Geld von ihnen wollen. Oder es kommen Anzeigen wegen Verletzungen des Urheberrechts. Es hat sich einfach herauskristallisiert, dass wir hier aufklären müssen, damit Jugendliche Fehler vermeiden.

 

Wie kommt der Kreisjugendring an diese Informationen?

Dürr: Anzeigen gegen Jugendliche gehen auch über das Jugendamt. Dann haben wir an neun Schulen Jugendsozialarbeiter, an die sich Jugendliche mit Problemen wenden können und auch Eltern rufen bei uns an. Hier hat sich in der Bevölkerung schon etwas geändert. Man macht um das Jugendamt keinen Bogen mehr, sondern wir werden als Dienstleistungsbehörde mehr und mehr angenommen.

 

Mit welchen Altersstufen haben Sie es bei der Smartphoneproblematik zu tun?

Dürr: Die betroffenen Kinder und Jugendlichen werden immer jünger. Da sind wir schon in der Grundschule dabei.

Manfred Liesaus: Und teilweise sogar schon im Kindergarten, wo die Buben und Mädchen über die Eltern oder ältere Geschwister mit Smartphones oder Tablets in Berührung kommen und lernen, damit umzugehen.

 

Man sollte eigentlich meinen, dass die heutige Elterngeneration der 35- bis 40-Jährigen fit ist im sicheren Umgang mit Smartphone, Tablet oder PC.

Liesaus: Ein Jugendlicher kriegt die neuesten Entwicklungen nebenbei mit, die Eltern müssen sich oft mühsam reinarbeiten. Manche denken dann, die damit verbundenen Probleme werden schon irgendwie an mir vorbeigehen. Aber sie gehen halt nicht vorbei.

 

Das Smartphone sicher machen - mit welchem Ansatz gehen Sie denn an diese Problematik heran?

Liesaus: Die Bewahrpädagogik hat noch nie was gebracht. Man muss akzeptieren, dass ein Smartphone bei den Kindern und Jugendlichen eine ganz wichtige Funktion hat - Kommunikation, Termine ausmachen, Information. Es geht dabei nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch. Man geht mit dieser neuen Technik um, und man muss schauen, dass nichts passieren kann.

 

Was sind die fünf größten Gefahren?

Liesaus: Viele Jugendliche geben problemlos ihre Daten weiter. Teilweise sind die Apps ja so gemacht, dass das locker und leicht geht.

 

Sind wir Deutsche in Sachen Daten zu übervorsichtig?

Liesaus: Das will ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, was passiert, wenn man seine Daten einfach preisgibt. Zum Beispiel mit Fakeprofilen, mit denen Jugendliche fertiggemacht oder Sachen auf meinen Namen bestellt werden.

 

Was kann dem passieren, der meint, es ist egal, wenn ich meine Daten weitergebe?

Liesaus: Ich brauche nur deinen Namen, deine Adresse und dein Geburtsdatum. Damit könnte ich einen Fernseher auf deinen Namen bestellen, die Rechnung geht an dich. Und du musst beweisen, dass du nichts bestellt hast. Das ist ein wahnsinniger Aufwand, der teilweise über den Rechtsanwalt gehen muss. Oder ich bastle mit deinen Daten ein Fakeprofil auf Facebook, über das ich deine Freunde aufs Übelste beleidige oder gefälschte Bilder verbreite. Das passiert immer wieder.

 

Was ist noch gefährlich?

Liesaus: Die Blauäugigkeit mancher Jugendlicher, wenn sie neue Leute im Internet kennenlernen wollen. Ein Profil kann gefakt sein, man weiß nicht, wer dahinter steckt. Früher hieß es, steig ja nicht bei fremden Leuten ins Auto ein. Heute muss man sagen, triff dich nicht mit Leuten, die du im Internet kennengelernt hast.

Dürr: Gerade bei gefakten Profilen besteht natürlich auch die Gefahr, dass Männer, die in der pädophilen Welt unterwegs sind, Mädchen anschreiben, und sich Fotos schicken lassen.

 

Und die Nummer drei?

Liesaus: Das Urheberrecht: Ich kann Songs aus dem Internet herunterladen und weiterschicken. Sie müssen aber mir gehören oder ich brauche die Erlaubnis des Eigentümers. Das vierte Problem ist das Persönlichkeitsrecht. Ich darf nicht einfach Bilder von Menschen machen und verschicken. Die muss ich vorher fragen.

 

Nun fehlt noch die Nummer fünf.

Liesaus: Man muss auch mit den eigenen Fotos aufpassen. Denn wenn ich Bilder rein stelle, dann sieht das - wenn ich Pech habe - nicht nur mein Freundeskreis, sondern die ganze Welt. Oder der Klassiker, den man in nahezu allen Schulen findet, wenn ein Nacktfoto der Freundin im Netz kursiert.

 

Wie sieht es mittlerweile mit dem Thema Mobbing aus?

Dürr: Cybermobbing ist ein häufiges Thema. Selbst bei den Eltern läuft das über die sozialen Netzwerke. Da werden Eheprobleme verbreitet, die dazu führen, jemanden öffentlich bloß zu stellen. Mit dieser Technik wird die Schärfe von Konflikten, in die ansonsten nur zwei Menschen, oder allenfalls noch die besten Freunde oder die Eltern involviert sind, ruckzuck auf 40, 50 Leute ausgeweitet. Und das nimmt oft eine Dynamik an, unter der auch wieder die Kinder leiden.

 

Was können Sie Eltern in Sachen Smartphonenutzung mit auf den Weg geben?

Dürr: Früher hat man sich Fernseh-, Telefon- oder Computerzeit einfallen lassen, und das macht auch beim Smartphone Sinn. Und bei Kindern um die sechs Jahre würde ich das Handy so einstellen, dass sie nur telefonieren können, wenn sie allein unterwegs sind. Denn für was braucht ein Kind in dem Alter ein Smartphone, das internetfähig ist?

Liesaus: Wenn ich meinem Sohn oder meiner Tochter ein Smartphone in die Hand gebe, sollte es kindersicher sein. Und ich muss sie bei der Nutzung begleiten. Wenn mein Kind Radfahren lernen soll, dann fahr ich nicht damit an den Stachus, und sag "Jetzt fahr".