Russland hat nach Angaben der USA und Großbritanniens eine großflächige Cyberattacke verübt. Der "bösartige" Angriff ziele sowohl gegen Regierungseinrichtungen als auch private Organisationen und solle unter anderem der Spionage dienen, warnten Sicherheitsbehörden beider Länder. Russland soll eine neue massive Cyberattacke gefahren haben
Russland hat nach Angaben der USA und Großbritanniens eine großflächige Cyberattacke verübt. Der "bösartige" Angriff ziele sowohl gegen Regierungseinrichtungen als auch private Organisationen und solle unter anderem der Spionage dienen, warnten Sicherheitsbehörden beider Länder.
© 2018 AFP

Russland hat nach Angaben der USA und Großbritanniens eine großflächige Cyberattacke verübt. Der "bösartige" Angriff ziele sowohl gegen Regierungseinrichtungen als auch private Organisationen und solle unter anderem der Spionage dienen, hieß es in einer am Montag in London veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von britischen und US-Sicherheitsbehörden.

Die mutmaßliche Cyberattacke könnte die ohnehin stark angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen weiter belasten. Zuletzt waren diese Spannungen durch die gemeinsamen Luftangriffe der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf mutmaßliche Chemiewaffenanlagen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad verschärft worden. Moskau unterstützt Assad militärisch im Bürgerkrieg.

Ziel der Cyberattacken sei es, die Arbeit anderer Regierungen zu stören und geschäftliche Aktivitäten zu destabilisieren, erklärte ein Sprecher der britischen Regierung. Er nannte die Angriffe ein weiteres Beispiel für Russlands "Missachtung von internationalen Normen und der globalen Ordnung". Der Experte der US-Bundespolizei FBI, Howard Marshall, betonte, die neue Attacken fügten sich in ein Muster von "bösartigen" Cyber-Aktivitäten der russischen Regierung ein.

Laut der gemeinsamen Erklärung des FBI, des US-Heimatschutzministeriums und des Nationalen Cybersicherheitszentrums von Großbritannien richten sich die Cyberattacken unter anderem gegen Internetprovider und andere Dienstleister der Online-Infrastruktur. Betroffen seien auch Internetnutzer im "Home Office", also mit dem Arbeitsplatz daheim.

Zu den konkreten Zielscheiben der Attacken gehören den Angaben zufolge Installationen wie Router, Switches und Firewalls. Router sind Geräte, welche die Verbindung zum Internet herstellen. Ein Switch ermöglicht den Datenaustausch zwischen Computern. Firewalls sind Sicherungssysteme gegen Hackerangriffe. Die Hacker wollten der Spionage den Weg bahnen, geistiges Eigentum rauben und dauerhaften Zugang zu den Netzwerken der Opfer gewinnen, warnten die Behörden.

Kurz vor Bekanntgabe der Cyberattacken hatte die US-Regierung mitgeteilt, dass über mögliche neue Sanktionen gegen Russland noch nicht entschieden sei. Zusätzliche Strafmaßnahmen würden geprüft, und die Entscheidung darüber "in der nahen Zukunft gefällt", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders.

Sanders schien damit Äußerungen der US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, zu widersprechen. Haley hatte am Vortag den Eindruck erweckt, dass die neuen Sanktionen bereits beschlossene Sache seien, und deren Bekanntgabe für diesen Montag angekündigt. Die Diplomatin sagte, die Strafmaßnahmen sollten russische Unternehmen treffen, die mit der syrischen Regierung Geschäfte machten.

Laut "Washington Post" soll Haley jedoch zu weit vorgeprescht sein. US-Präsident Donald Trump habe "auf die Bremse getreten" und den Sanktionen noch nicht abschließend zugestimmt.

Moskau hatte die Luftangriffe auf die mutmaßlichen Chemiewaffenanlagen in Syrien zwar scharf verurteilt, jedoch auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow äußerte die Hoffnung, "dass trotz all der Schäden, die Washington dem bilateralen Verhältnis zugefügt hat, irgendeine Art von Kommunikation beginnen kann".

Der US-Präsident hatte in seiner Begründung der Luftangriffe den russischen Staatschef Wladimir Putin hart für sein Bündnis mit Assad kritisiert. Es war eines der bislang seltenen Male, dass er Putin direkt kritisierte. Trump hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er eine gute Beziehung zu Putin für erstrebenswert halte.

Die Sanktionsschraube gegen Russland hatte die US-Regierung allerdings bereits Anfang April fester angezogen. Die damaligen Strafmaßnahmen richteten sich gegen Oligarchen und Regierungsmitglieder, die zum inneren Zirkel um Putin gezählt werden.

Schon zuvor waren die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen durch den Giftanschlag in England auf den Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter schwer belastet worden. Auf den Anschlag reagierten die USA, Großbritannien und andere westliche Staaten mit der Ausweisung zahlreicher russischer Diplomaten. Moskau, das eine Verantwortung für den Fall bestreitet, antwortete seinerseits mit Ausweisungen.