Ein Handelsabkommen zwischen der EU und Japan könnte einer Studie zufolge das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln - besonders in Deutschland. Über einen solchen Handelsvertrag wird derzeit verhandelt. Hafen in Tokio
Ein Handelsabkommen zwischen der EU und Japan könnte einer Studie zufolge das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln - besonders in Deutschland. Über einen solchen Handelsvertrag wird derzeit verhandelt.
© 2017 AFP

Ein ehrgeiziges Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Japan könnte das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln - und Deutschland würde besonders profitieren. Die Bundesrepublik könnte mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 0,7 Prozent rechnen, absolut sind das etwa 20 Milliarden Euro, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab. Eile sei bei den Verhandlungen geboten, mahnte die Stiftung.

Die EU und Japan verhandeln derzeit über ein Freihandelsabkommen und wollen damit neue Impulse für die Wirtschaft setzen. Beide Seiten sollten "schnell handeln und versuchen, die Verhandlungen tatsächlich noch in diesem Jahr abzuschließen", erklärte die Autorin der Studie, Cora Jungbluth. Denn China habe sich bereits in Position gebracht, um im internationalen Freihandelsregime künftig stärker mitzureden, und könnte versuchen, das Vakuum, das die USA hinterlassen, im eigenen Sinn zu füllen. "Eine solche Entwicklung dürfte weder im europäischen noch im japanischen Interesse sein."

Der Modellrechnung zufolge würde im Fall eines ambitionierten Freihandelsabkommens Japans BIP um 1,6 Prozent höher ausfallen als ohne Abkommen. In der EU würden sich die Effekte von 0,1 Prozent etwa in Griechenland oder Rumänien bis zu 1,4 Prozent für Irland erstrecken, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. In Deutschland würden demnach vor allem die Branchen Pharmazeutische Produkte, Computer, Elektronik und optische Produkte profitieren.

Ambitioniert wäre das Abkommen laut Stiftung, wenn nicht-tarifäre Handelsbarrieren wie technische Vorschriften oder Zulassungsbedingungen so reduziert würden wie es im Durchschnitt aller existierenden Freihandelsabkommen zu beobachten sei. Gegenwärtig scheine allerdings ein Handelsabkommen am wahrscheinlichsten, das die nicht-tarifären Hemmnisse nur ansatzweise abbaut.

Der mögliche Schub fürs Wirtschaftswachstum würde dann laut Studie viel geringer ausfallen - das BIP der EU würde in dieser Modellrechnung nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2014 zulegen, in Japan um 0,23 Prozent. Deutschland könnte demnach mit einem Zuwachs von 0,1 Prozent des deutschen BIP von 2014 rechnen, das wären 3,4 Milliarden Euro.

Japan ist für die EU der sechstgrößte Handelspartner, die EU steht für Japan an dritter Stelle. Das gegenseitige Handelsvolumen betrug 2016 rund 125 Milliarden Euro, wie die Stiftung erklärte. Das Potenzial sei wegen bestehender Zölle und nicht-tarifärer Handelshemmnisse nicht ausgeschöpft.