Inmitten der Schnäppchen-Woche rund um die Aktionstage "Black Friday" und "Cyber Monday" sind die Beschäftigten an mehreren Standorten des Online-Händlers Amazon zu Streiks aufgerufen. Halle von Amazon in Leipzig
Inmitten der Schnäppchen-Woche rund um die Aktionstage "Black Friday" und "Cyber Monday" sind die Beschäftigten an mehreren Standorten des Online-Händlers Amazon zu Streiks aufgerufen.
© 2017 AFP

Inmitten der Schnäppchen-Woche rund um die Aktionstage "Black Friday" und "Cyber Monday" hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten an mehreren Amazon-Standorten zum Streik aufgerufen. Wie Verdi am Donnerstag mitteilte, traten Beschäftigte am Standort Leipzig und in Koblenz in den Streik. Für Freitag rief die Gewerkschaft Angestellte an insgesamt sechs großen Standorten auf, die Arbeit niederzulegen - neben Leipzig und Koblenz in Bad Hersfeld, Rheinberg, Werne und Graben.

Verdi fordert eine Bezahlung der Amazon-Beschäftigten nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels. "Die Cyber-Monday-Woche macht besonders die Widersprüchlichkeit dieses Unternehmens deutlich", erklärte Verdi-Streikleiter Ronny Streich. Eine ganze Woche lang gebe es Rabatte und neue Angebote, gleichzeitig würden den Beschäftigten aber "elementare Rechte wie tarifliche Bezahlung verwehrt". So sei im Handel etwa die Zahlung eines Weihnachtsgeldes in Höhe eines halben Monatslohns üblich.

Löhne, Gehälter, Urlaubs- und Weihnachtsgeld müssten "verbindlich in einem Tarifvertrag" geregelt werden, forderte auch Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. Der Ausstand fällt in die Zeit der Schnäppchentage "Black Friday" und "Cyber Monday", an denen die Händler mit Sonderangeboten locken. Sie fallen auf diesen Freitag und den kommenden Montag. Auch viele stationäre Händler beteiligen sich daran.

Der Online-Händler Amazon macht eine ganze Woche aus der Aktion und begann damit bereits am Montag. Zu dem Streik in Leipzig erklärte der Konzern, der Ausstand habe "keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens". Die "überwältigende Mehrheit" der Mitarbeiter arbeite in der Schnäppchenwoche ganz normal.

"Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", erklärte der Konzern. Das Unternehmen zahle in den Logistikzentren "am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist".

Verdi forderte den Konzern nach eigenen Angaben an allen deutschen Standorten erstmals auch zu einem speziellen Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit" auf. Amazon gefährde mit seiner Arbeitsweise "permanent" die Gesundheit seiner Beschäftigten, erklärte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

"Hoher Druck, immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen, permanente Leistungskontrollen und Überwachung, eine schlechte Führungskultur und unzureichende Erholungszeiten seien Gesundheitgefährdungen im Amazon-Arbeitsprozess. Das würden weit überdurchschnittlich hohe Krankheitsraten belegen.