Die Kursstürze an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen könnten nach Ansicht von Ökonomen Vorboten größerer Probleme sein. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung warnte vor einer "neuen Sorglosigkeit". Dax durch Kameralinse
Die Kursstürze an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen könnten nach Ansicht von Ökonomen Vorboten größerer Probleme sein. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung warnte vor einer "neuen Sorglosigkeit".
© 2018 AFP

Die Kursstürze an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen könnten nach Ansicht von Ökonomen Vorboten größerer Probleme sein. Durch zunehmende Deregulierung und sinkendes Risikobewusstsein bewegten sich die Finanzinstitute wieder auf den Zustand vor der letzten großen Krise vor zehn Jahren zu, heißt es in einem Bericht zur Stabilität der Finanzmärkte, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

"Uns beunruhigt die neue Sorglosigkeit bei Finanzmarktakteuren und wichtigen Politikern", erklärte IMK-Direktor Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Bericht wurde von den IMK-Ökonomen Thomas Theobald und Silke Tober verfasst.

Kritisch sehen die beiden Autoren des diesjährigen Berichts etwa die Pläne der US-Regierung, Vorschriften für Banken zu lockern, um sie zur "ungehemmten" Kreditvergabe anzuregen. Solange aber die Einkommen der Schuldner nicht steigen, erhöhe das die Gefahr von Kreditausfällen.

Ein weiteres Risiko könnten die Steuererleichterungen von US-Präsident Donald Trump darstellen. Davon profitierten vor allem Unternehmen und Reiche, die das Geld aber nicht produktiv investierten, sondern sie am Finanzmarkt anlegten, kritisierten die Autoren. Dadurch wiederum könnten Blasen entstehen. Wenn diese platzen, wären die Folgen laut IMK-Direktor Horn ungleich verteilt: "Eine tiefe, lang andauernde Rezession schädigt Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, die auf ihre Arbeit angewiesen sind, oft weitaus stärker als reiche Anleger."

Doch auch europäische Investoren seien nicht besser als ihre US-Kollegen: Sie lassen sich laut Bericht von den niedrigen Zinsen dazu verleiten, in riskante Staats- und Unternehmensanleihen zu investieren. Dabei unterschätzten sie aber das Risiko. Da die Investoren eng untereinander verflochten seien, wachse der potenzielle Schaden bei einem Ausfall oder einer Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank.

Steigende Zinsen könnten nach Ansicht der Autoren auch die Banken bedrohen, die sehr langfristige Immobilienkredite zu niedrigen Konditionen vergeben haben. Wenn der restliche Zinsmarkt wieder steigt, könnten diese Banken Probleme bekommen, die Kredite zu refinanzieren.

Regulatorische Lücken sehen die Autoren nach wie vor bei sogenannten Derivaten, die zur Risikoabsicherung, aber auch zum Spekulieren eingesetzt werden. Sie gelten als Brandbeschleuniger der Krise 2008. Die Geschäfte damit seien viel zu intransparent und die Kontrollinstanzen, die nach der Krise eingeführt wurden, nach wie vor nicht gut genug ausgestattet.

Eine völlig neue Herausforderung seien schließlich Kryptowährungen wie der Bitcoin, die in den vergangenen Monaten teils massive Kursschwankungen verzeichneten. Sie brauchen prinzipiell keine Zentralbank, wodurch sich die Frage stelle, wer sie künftig kontrollieren wird. Die Autoren empfehlen, einen "digitalen Euro konzeptionell vorzubereiten".