Die im Zentrum des Datenskandals bei Facebook stehende britische Kommunikationsfirma Cambridge Analytica hat nach Ansicht ihres Ex-Mitarbeiters Christopher Wylie eine "ausschlaggebende Rolle" beim Brexit gespielt. Der Kanadier Christopher Wylie
Die im Zentrum des Datenskandals bei Facebook stehende britische Kommunikationsfirma Cambridge Analytica hat nach Ansicht ihres Ex-Mitarbeiters Christopher Wylie eine "ausschlaggebende Rolle" beim Brexit gespielt.
© 2018 AFP

Die im Zentrum des Datenskandals bei Facebook stehende britische Kommunikationsfirma Cambridge Analytica hat nach Ansicht ihres Ex-Mitarbeiters Christopher Wylie eine "ausschlaggebende Rolle" beim Brexit gespielt. Ohne Cambridge Analytica und ihre kanadische Schwesterfirma Aggregate IQ sei das Votum der Briten für den EU-Ausstieg "niemals möglich" gewesen, sagte Wylie der französischen Zeitung "Libération", der "Welt" und anderen europäischen Zeitungen in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Wylie wirft der Pro-Brexit-Kampagne "Vote Leave" um den heutigen britischen Außenminister Boris Johnson vor, vor dem Referendum 2016 deutlich mehr Geld in Datenanalysen und gezielte Werbung investiert zu haben als die britischen Wahlkampfregeln erlauben. Dem Kanadier zufolge wurden umgerechnet rund 700.000 Euro über Umwege an Aggregate IQ gezahlt. Diese Extra-Summe könne eine "ausschlaggebende Rolle für das Brexit-Votum gespielt haben". Schließlich habe das Pro-Brexit-Lager nur mit zwei Prozentpunkten Abstand gewonnen.

Cambridge Analytica soll auch die Profil-Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern abgefischt haben, um für die Kampagne des heutigen US-Präsidenten Donald Trump Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen. Facebook steht wegen des Datenskandals in den USA wie auch in Europa unter massivem politischen Druck. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich am Dienstag mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen, unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung", bei den deutschen Facebook-Nutzern für den Skandal.