Mittwoch, 30.05.2012 |

 

15.09.2011 21:38 Uhr | 392x gelesen
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Grüner Star-Gast in der Staatskanzlei


München (DK) Da sitzt er nun tatsächlich.


Die Arme über der Brust verschränkt, den Daumen in Denkerpose ans Kinn gelegt. Über den Rand seiner Brille blickt er ins Publikum, ein süffisantes Lächeln in den Augen. Ein Gefühl der Überlegenheit könnte man seiner Mimik entnehmen, ein kleinwenig Triumph vielleicht. Joschka Fischer, jahrzehntelanger Vorkämpfer der Grünen, ist am Mittwochabend Star-Gast in der bayerischen Staatskanzlei, dem jahrzehntelangen Machtzentrum der CSU. Seehofer will mit ihm über ein urgrünes Thema reden, das er nun auch zu seinem gemacht hat: den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Über die Einladung hatte es heftige Diskussionen gegeben. Seehofers Koalitionspartner FDP reagierte beleidigt. Wenn der Ministerpräsident Fischer einlade, müsse auch der bayerische Energieminister Martin Zeil (FDP) dabei sein, hieß es. Selbst CSU-Fraktionschef Georg Schmid betonte, er hätte Fischer nicht eingeladen. Mancher spekulierte: Wieder ein kalkulierter Affront des Regierungschefs gegen den liberalen Koalitionspartner? Ein weiteres Signal für künftige schwarz-grüne Koalitionen?

Neben dem Ex-Außenminister diskutieren Eon-Vorstandschef Johannes Theyssen, und die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert. Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Sigmund Gottlieb, moderiert den vierten „Dialog unter der Kuppel“. Über dem Podium wölbt sich die Marmordecke des Saals, die roten Säulen glänzen im Scheinwerferlicht. Wer hier spricht, ist nicht irgendwer.

Als Ersten fragt Gottlieb Joschka Fischer. Schwarz-Gelb vollende mit der Energiewende nun, was die Grünen begonnen hätten, sagt der BR-Mann. Ob ihm denn da nicht „die Glückshormone“ durch den Körper flössen? Eine Provokation. Aber Fischer entgegnet ganz ruhig: „Ja, warum denn nicht“ Die zwischenzeitige Atom-Laufzeitverlängerung sei zwar „ein schwerer Fehler“ gewesen, aber was zähle, sei das Ergebnis.

Seehofer hat die Beine übereinandergeschlagen, nickt zufrieden. Später erzählt er, welche „Verdächtigungen und Unterstellungen“ er im eigenen Lager habe aushalten müssen, um den neuen Kurs zu etablieren. Ob es ihn den überrasche, nun als erster grüner Ministerpräsident Bayerns dazustehen? „Nein“, sagt Seehofer kurz und knapp. So geht es weiter. Die Diskutanten spielen sich schon fast die Bälle zu. Ein dezentrales Energiesystem mit möglichst vier Erneuerbaren und viel Wettbewerb soll die Zukunft bringen. Möglichst rasch sollen Stromtrassen und Speichertechnologien ausgebaut werden. Selbst mit Energieboss Theyssen sind sich die beiden weitgehend einig.

Ein schwarz-grünes Bündnis wird an diesem Abend aber nicht eingefädelt. Er stehe zur schwarz-gelben Koalition, sagt Seehofer und betont, er bleibe ein „Pechschwarzer“. Fischer sagt: „Ich bin kein Schwarz-Grüner. Ich bin ein Rot-Grüner und werde das wohl auch bis ans Ende meiner Tage bleiben.“ Es seien nicht die große Politik, die Union und Grüne heute trennten, sondern „die weichen Themen“. In ihrem Gesellschaftsbild liegen beide Parteien noch zu weit auseinander. Nicht an Bundeswehreinsätzen oder Energiepolitik würde Schwarz-Grün wohl scheitern, sondern an Homo-Ehe, Herdprämie und Hanflegalisierung. Aber darüber haben Seehofer und sein grüner Star-Gast ja an diesem Abend nicht diskutiert – noch nicht.


Von Til Huber

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