S2 nach Dachau an der Station München Marienplatz
S2 nach Dachau an der Station München Marienplatz
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Bis 2017 sollte eigentlich alles fertig sein. Darauf hatten Vertreter des Freistaats und der Landeshauptstadt zuletzt immer mehr gehofft. Schließlich sollten die Touristenströme pünktlich zu den Olympischen Winterspielen 2018 ohne große Verzögerungen fließen. Von einem Sondertopf des Bundes, auch für andere Verkehrsprojekte, war die Rede. Nach der Entscheidung des IOC ist der Sondertopf vom Tisch. Und das Projekt steht wieder auf dem Wartegleis. Der Bau der zweiten Röhre werde sich ohne Olympiazuschlag möglicherweise bis 2025 oder noch länger verzögern, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kürzlich. Auf einmal ist wieder völlig ungewiss, wie stark sich der Bund beteiligt.

Über die Stammstrecke, über die in der Stadt von West nach Ost sämtliche S-Bahnen führen, wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert. Als die S-Bahn 1972 in Betrieb ging, war sie für 250 000 Fahrgäste pro Werktag konzipiert. Inzwischen nutzen sie aber täglich bis 800 000 Menschen. Und die Bevölkerung in der Region wächst. Für München rechnen Experten mit knapp 40 000 mehr Einwohner bis zum Jahr 2015 in den Umlandgemeinden mit einem Zuwachs von 120 000 Menschen. Der zweite Tunnel sei notwendig, um den „Kollaps“ im Münchner Nahverkehr zu verhindern, sagt Zeil. Im April hat der Freistaat bereits mit der Deutschen Bahn einen Finanzierungsvertrag unterzeichnet. Zwei Milliarden Euro wird der Tunnel voraussichtlich kosten. Nach den Plänen des Wirtschaftsministers soll fast die Hälfte der Summe vom Bund kommen. Dafür wird in Kürze ein Förderantrag gestellt. Die Olympiaabsage sei „kein Beinbruch, sondern allenfalls eine Verstauchung, die uns nicht zurückwirft“, verspricht Zeil.

Ob und wann Geld fließt, ist allerdings unsicher. Die Mittel beim Bund sind begrenzt – und Anträge gibt es viele. „Die Pläne sind auf Wunsch und Wolke gebaut“, sagt etwa der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter von den Grünen. Im Jahr 2019 läuft ein Gesetz aus, dass den Gemeinden Zuschüsse für Verkehrsprojekte sichert. Laut Hofreiter sind für die alten Bundesländer bis dahin noch etwas mehr als 2,5 Milliarden im Topf. Es sei unwahrscheinlich, dass von der Restsumme ein derart großer Teil nach Bayern gehe, meint Hofreiter.

Hofreiter wäre darüber wohl nicht unglücklich. Wie seine Parteifreunde im Landtag hält er den zweiten Tunnel für verfehlt. Auch die Freien Wähler (FW) und mehrere Verbände werben für Alternativen. Über einen Ausbau der oberirdischen Strecke im Süden (Südring) könnte der Verkehr ebenfalls entlastet werden, meinen die Kritiker. Das sei deutlich billiger. Morgen debattiert der Landtag auf Antrag der Freien Wähler über das Thema. Zeil habe immer wieder versprochen, die Finanzierung des zweiten Tunnels stehe kurz bevor, sagt FW-Fraktionsvize Michael Piazolo. „Es wird jetzt Zeit, dass man in eine Alternativplanung einsteigt.“