Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.07.2011 21:03 Uhr | 169x gelesen
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Ein stolzes, stures Volk


Bild: Ein stolzes, stures Volk .  Garmisch-Partenkirchen (DK) Der Mann, der die Münchner Olympiabewerbung zurück in die Spur brachte, sitzt in einem unscheinbaren Haus nahe der Garmischer Fußgängerzone. Peter Fischer, Chef des örtlichen Skiklubs, lehnt sich in seinem Sessel zurück und sagt: „Wenn Sie hier etwas erreichen wollen, müssen Sie auf die Leute zugehen.“

Garmisch-Partenkirchen (DK) Der Mann, der die Münchner Olympiabewerbung zurück in die Spur brachte, sitzt in einem unscheinbaren Haus nahe der Garmischer Fußgängerzone. Peter Fischer, Chef des örtlichen Skiklubs, lehnt sich in seinem Sessel zurück und sagt: „Wenn Sie hier etwas erreichen wollen, müssen Sie auf die Leute zugehen.“


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 Ein stolzes, ein stures Volk seien die Menschen im Werdenfelser Land. Wer nicht mit ihnen spricht, sie nicht ernst nimmt, der bekommt gar nichts von ihnen. Daran wäre die Bewerbung fast gescheitert. Bis Fischer sich einschaltete.

Nirgends haben sich Gegner und Befürworter der Olympiabewerbung so bekämpft wie in Garmisch-Partenkirchen. Umweltschützer fürchten um die Landschaft, Weidebesitzer weigerten sich, Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Es gab Krisengespräche, zuletzt zwei Bürgerentscheide. Inzwischen ist es ruhiger. Aber mancher befürchtet, dass die Gräben wieder aufreißen könnten, wenn am Mittwoch die Entscheidung über den Austragungsort der Winterspiele 2018 gefallen ist. So oder so.

Im Skiklub Garmisch ist die Begeisterung für Sportereignisse kaum zu übersehen. Überall hängen Bilder von Weltmeistern und Olympiasiegern. Viele kommen, wie die Skifahrerin Maria Riesch, aus Garmisch-Partenkirchen. In Fischers Büro hängen auch Fotos von der Eröffnungsfeier der Ski-WM, die Anfang des Jahres im Ort stattfand. Fischer hat sie hierher geholt. Viele rechnen ihm das hoch an. Und das wussten auch die Vertreter der Olympia- Bewerbungs- gesellschaft, als sie ihn ins Boot holten. Vor ein paar Monaten rief ihn der damalige Staatskanzleichef Siegfried Schneider an: „Sie müssen den Freistaat retten.“

Die Situation im Ort war völlig zerfahren. Noch immer weigerten sich Landwirte, ihre Grundstücke für Skipisten und Unterkünfte für Athleten herzugeben. Die Eigentümer fühlten sich vom Bürgermeister übergangen und von den Münchner Olympiaplanern von oben herab behandelt. Außerdem hatte das Bündnis „NOlympia“ ein Bürgerbegehren eingeleitet. Die Kritiker wollten, dass die Verträge mit dem Internationalen Olympischen Komitee überprüft werden. Sie halten sie für sittenwidrig. Unter anderem, weil München für andere Kommunen mitentscheidet, und weil die finanziellen Risiken der Allgemeinheit aufgebürdet würden. Zudem befürchtet das Bündnis immense Umweltschäden.

Gemeinsam mit anderen Olympiabefürwortern startete Fischer eine Gegeninitiative. Es begann ein für den kleinen Ort beispielloser Wahlkampf. Plakate wurden aufgehängt, Infostände errichtet, Handzettel verteilt. Mancher übertrieb es mit dem Eifer. Es kursiert die Geschichte von einem Grundstückseigentümer, der einem langjährigen Pächter den Vertrag kündigte, weil der sich gegen die Bewerbung engagierte. Auf beiden Seiten ist gar von Morddrohungen die Rede.

Einige Hundert Meter Luftlinie vom Skiklub entfernt wohnt Axel Doering. Er ist Kreisvorsitzender beim Bund Naturschutz und gilt als eifrigster Olympiagegner im Ort. Er spricht von „Verleumdung“ gegen ihn und seine Mitstreiter. Eine Bürgerinitiative hatte den Olympiagegnern vorgeworfen, das Leben von Kindern zu gefährden. Bund und Land wollen nämlich den Bau zweier Tunnel, die den Verkehr mildern sollen, forcieren. Allerdings nur, wenn die Bewerbung erfolgreich ist.

Am Ende gewann Fischer die Wahlschlacht knapp. Der Pro-Olympia-Bürgerentscheid bekam eine Zustimmung von 58 Prozent. Das Anliegen der Gegner wurde mit 51 Prozent abgelehnt, nur 130 Stimmen fehlten ihnen. Ein klares Ergebnis sieht anders aus. Und auch wenn die Lage im Ort sich entspannt hat: Die Kritik am Bürgermeister und an den Münchner Organisatoren hält sich hartnäckig in Garmisch-Partenkirchen. In der Fußgängerzone steht ein Mann in Lederhosen, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er besitzt ein Grundstück am Hausberg, wo unter anderem Snowboardwettbewerbe stattfinden sollen. Die Gemeinde würde dort gerne Straßen bauen. Geredet hat mit dem Eigentümer aber noch niemand. „Wenn jemand eine Straße durch meinen Garten bauen möchte, will ich, dass man mit mir redet“, sagt der Mann. Auch dem Chef der Garmischer Weidegenossenschaft, Josef Glatz, schwant, dass das Hickhack bei einem Zuschlag für München weitergehen könnte: „Danach geht es doch wieder von vorne los“, sagt er.

Bei der Gemeinde gibt man sich entspannt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, beteuert ein Sprecher. Nach dem Zuschlag werde man aber sicher wieder mit Eigentümern darüber sprechen, was das „Optimale für den Ort“ sei.

Damit aber alle wieder an einem Strang ziehen, ist viel Feingefühl nötig. Peter Fischer macht sich keine Illusionen über die Situation. Im Moment sei es nur ruhig, sagt er. Aber die Fronten seien noch die gleichen. „Es darf nicht passieren, dass am Ende dreckige Wäsche gewaschen wird“, appelliert der Skiklub-Chef. Ob die Spiele nun kommen oder nicht.


Von Til Huber

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