Jacqueline und Tobias Feig buchten ihre Hochzeitsreise bei Unplanned
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München
In der Abflughalle des Flughafens Berlin-Schönefeld herrscht reger Betrieb. Familien mit Koffern suchen nach dem richtigen Terminal, Anzugträger eilen mit Aktenkoffern durch die Halle. In einer ruhigen Ecke inmitten des Trubels sitzen Jacqueline und Tobias Feig. Beide haben vor zwei Tagen geheiratet, nun fliegen sie in die Flitterwochen. Wohin die Reise geht, weiß das Ehepaar aber kurz vor dem Start noch nicht.

Denn die Feigs haben sich für ihre Hochzeitsreise ins Abenteuer gestürzt. Beide hatten keine Lust auf die typische Pauschalreise in die Türkei oder nach Ägypten, mit riesigem Hotelbunker und All-Inclusive-Buffet. „Wir waren auf der Suche nach einem Honeymoon-Kurztrip. Wir sind abenteuerlustig, hatten aber den Kopf voll mit der Organisation unserer Hochzeit.“ Schließlich stieß das Paar in einem Reisemagazin auf Unplanned – ein Münchner Startup-Unternehmen, das Überraschungsreisen plant. Man gibt einen Reisezeitraum, das bevorzugte Verkehrsmittel sowie ein Budget an und beantwortet ein paar Fragen wie etwa „Bier oder Cocktail?“, „Jeans oder Abendkleid?“ und „kernig oder fancy?“. Auf dieser Basis schneidert Unplanned Reisen ins Unbekannte perfekt auf seine Kunden zu.
 

Unplanned-Idee entstand aus einer Bierlaune heraus


Das Ziel erfährt man erst am Abreisetag, eine Packliste sowie einen Wetterbericht gibt es schon drei Tage vorher. „Ein bisschen was müssen wir den Kunden schon verraten, wir wollen schließlich nicht, dass sie mit Badelatschen in Helsinki oder im Wintermantel auf Sizilien landen“, sagt Christian Diener. Er hat das Unternehmen 2016 zusammen mit Frauke Schmidt gegründet. Es sei im Grunde eine Zufallsidee gewesen, erzählt Diener. „Wir sind acht Freunde, die jedes Jahr zusammen in den Urlaub fahren. Es war immer ein wahnsinnig demokratischer Prozess: Wo soll die Reise hingehen, welche Unterkunft buchen wir, was wollen wir unternehmen?“ Die Whatsapp-Gruppe der Freunde explodierte in dieser Zeit schier vor Nachrichten – obwohl am Ende doch alle das Gleiche wollten: eine tolle Zeit zusammen verbringen.

„Schließlich saßen wir in Kroatien am Strand und haben überlegt, wie wir das in Zukunft ein wenig einfacher machen können. Aus einer Bierlaune heraus habe ich gesagt: ,Überweist mir einfach 300 Euro pro Person, schickt mir eure Personalausweise und ihr werdet schon noch rausfinden, wo es hingeht’“, erinnert sich Diener.



Seine Idee kam bei den Freunden so gut an, dass sich diese auf das Experiment einließen. „Vier Wochen bevor es losging, ist die Whatsapp-Gruppe wieder explodiert, weil die Leute wissen wollten: Was muss ich einpacken und wo geht es hin? Die Gruppe hat ihre eigene Dynamik entwickelt – und alle, denen wir davon erzählt haben, waren begeistert. Sie meinten, dass sie so etwas auch gerne ausprobieren würden.“

So beschlossen Christian Diener und Frauke Schmidt, mit dem Konzept online zu gehen. „Wir wollten wissen: Buchen das nur unsere Freunde oder interessiert das auch andere?“ Und der erste Erfolg kam schnell: Schon zwei Stunden, nachdem das Unternehmen online war, trudelte die erste Buchung ein.
 

Unplanned wirbt vor allem über soziale Medien


Die Freude war groß, doch dann folgte die Enttäuschung. Denn nach den ersten drei Buchungen passierte auf einmal gar nichts mehr. „Erst als die ersten Reisenden wieder zurückkamen und von ihrem Trip ausführlich auf Instagram berichteten, hat sich bei unseren Buchungen wieder etwas getan“, erzählt Diener. Mittlerweile sind die sozialen Netzwerke die beste Werbemöglichkeit für das Startup geworden: „35 Prozent aller Buchungen sind Empfehlungen von Freunden. Am Anfang mussten wir die Leute noch nach Bildern und Videos fragen. Mittlerweile schicken sie uns diese aber von selbst oder verlinken uns auf Instagram.“

So auch das Ehepaar Feig: Den Moment, in dem die beiden am Berliner Flughafen erfahren, wohin die Flitterwochen gehen, haben sie als Film festgehalten. So richtet Tobias Feig die Kamera auf Jacqueline, die mit vorsichtigen Handbewegungen den schwarzen Unplanned-Umschlag öffnet. Sie zieht ein weißes Blatt heraus, auf dem in schwarzen Buchstaben „Thessaloniki“ prangt. „Oh, falsch gelegen!“, ruft Jacqueline und lacht. Sofort beginnt sie im Kopf ihren gepackten Koffer durchzugehen. Hat sie überhaupt das Richtige eingepackt?

Überraschung am Flughafen: Julian Brosig, Mauro Glessner und Konrad Schmid (v. l. n. r.) reisten mit Unplanned nach Transsilvanien. Foto: Neumeier/Unplanned
München
Auch die vier Freunde Mauro Glessner, Maximilian Neumeier, Julian Brosig und Konrad Schmid aus München haben einen Film über ihre Reise gedreht. Der Zuschauer erlebt mit, wie die Freunde am Morgen noch ein wenig verschlafen über ihr Reiseziel rätseln und schon wenig später voller Vorfreude im Flieger nach Transsilvanien sitzen und durch ihr sogenanntes Travelbook blättern. Dieses Büchlein ist das Herzstück jeder Reise. Denn darin stehen maßgeschneiderte Tipps für die Urlauber. So empfiehlt das Travelbook den vier Münchner Freunden unter anderem ein rumänisches Rockkonzert und einen „Active Roadtrip“.

Eliza Marek und ihr Mann Thomas hingegen werden von ihrem Travelbook zu einem Kochkurs eingeladen. Ähnlich wie die Feigs hat auch das Ehepaar aus Tirol eine Hochzeitsreise ins Unbekannte gebucht. Das Reiseunternehmen schickt Braut und Bräutigam nach Andalusien. „Mein Mann Thomas war erst nicht so ganz überzeugt, als er den Vorschlag in unserem Travelbook sah“, erinnert sich Eliza Marek.

Doch Unplanned sollte mit der Idee recht behalten: „Letztendlich war der Kochkurs für uns einer der Höhepunkte der Reise – denn wir lernten, wie man eine originale Paella zubereitet“, erzählt Marek. Jacqueline und Tobias Feig sind vom Konzept des Travelbooks ebenfalls begeistert. „Es ist absolut praktisch, da es einem vielseitige Insidertipps liefert und das stundenlange Lesen von irgendwelchen Internetportalen erspart“, erklärt Jacqueline Feig. „Wir hätten nichts anders gemacht, wenn wir die Reise selbst geplant hätten.“ Deswegen will sich das Ehepaar Feig zum Hochzeitstag erneut eine Reise mit Unplanned schenken. „Wir wollen dieses Gefühl der Spannung und zugleich aber auch Entspannung noch einmal erleben.“

Für Christian Diener und Frauke Schmid ist das die Bestätigung schlechthin, hatten sie anfangs doch mit viel Gegenwind zu kämpfen. „Viele meinten: ,Niemand wird dir einfach 600 Euro geben, ohne zu wissen, wo es hingeht’“, sagt er. Mittlerweile widerlegen das die wachsenden Anhängerzahlen auf Facebook und Instagram – und natürlich auch die Buchungen. Denn immer mehr Menschen haben Lust auf ein Abenteuer – und stürzen sich mit Unplanned in einen Trip ins Unbekannte.