Mittwoch, 30.05.2012 |

 

24.08.2010 20:05 Uhr | 132x gelesen
Drucken Text vergrößern

Zwischen Taschendieben und Pornofilmern


München (DK) Taschendiebstähle, Maßkrug-Schlägereien und Bombendrohungen – während des Oktoberfests ist die Münchner Polizei im Dauerstress. Damit alle Einsätze koordiniert ablaufen, gibt es auf dem Festgelände die so genannte Wiesnwache.


Wo viel getrunken wird, da gibt es auch immer viele Probleme. Davon kann die Münchner Polizei ein Lied singen. Zwei Wochen im Jahr, immer wenn das Oktoberfest stattfindet, steht besonderer Stress an. 250 Kräfte hat die Polizei im Schichtbetrieb auf der Theresienwiese im Einsatz. Koordiniert wird alles von der Wiesnwache aus, die sich im Service-Zentrum der Stadt, unterhalb der Bavaria befindet.

"Der Alkohol ist das große Problem, weil er oft auch aus den friedlichsten Leuten aggressive macht", sagt Peter Reichl, Pressesprecher der Münchner Polizei. Schnell kommt es im Rausch zu Schlägereien und dann heißt es für die Beamten: Ausrücken! Allerdings immer in mindestens sechs Mann starken Gruppen. "Aus Gründen der Eigensicherung."

Gerade beim Umgang mit dem "schwierigen Publikum", wie Reichl die oft völlig Betrunkenen bezeichnet, sei Fingerspitzengefühl von den Beamten gefordert. Nachdem es im Jahr 1999 zu einigen Körperverletzungsdelikten seitens der Polizei kam, wurde das Wiesn-Konzept völlig reformiert. Die betroffenen Polizisten wurden entlassen. Seitdem melden sich die Beamten freiwillig für den Wiesn-Einsatz und müssen zudem ein spezielles Oktoberfest-Training absolvieren.

"Wir können da keine Heißsporne rausschicken, die gleich aus der Haut fahren", sagt Reichl. "Wenn man beim Gang durch ein Zelt ,Scheiß Bulle’ hört, schaltet man schon mal auf Durchzug." Sonst werde man ja nicht mehr fertig. Die meisten Kollegen hätten inzwischen ein dickes Fell.

Die Internationalisierung der Wiesn macht übrigens auch vor der Polizei nicht Halt. Mittlerweile unterstützen ausländische Beamte die Münchner. Beispielsweise seien im Bereich Taschendiebstahl Kollegen aus England sowie der Schweiz und Rumänien vor Ort. Und in ihrer Arbeit äußerst erfolgreich, wie Reichl betont. Am zweiten Wiesn-Wochenende, an dem das Oktoberfest traditionell von den Italienern in Beschlag genommen wird, kommt Unterstützung aus Bozen. Die "Austauschbeamten" helfen nicht nur bei Sprachproblemen, sondern haben auch dadurch, dass sie in ihrer italienischen Uniform auftreten, eine abschreckende Wirkung, erklärt Reichl. "Manche merken dann, dass sie sich doch nicht so daneben benehmen können. Wer weiß, wer das daheim erfährt"

Immer wieder werden Beamte im Einsatz auch verletzt. Vor zwei Jahren habe ein total betrunkener Engländer mit bloßen Händen seine Zelle komplett zerlegt. "Da war von der Holzbank nichts mehr übrig", erinnert sich Reichl. Wenn man so einen festnehmen müsse – auch zu sechst – dann gehe das nicht ohne Blessuren ab. Allerdings sei es meist nichts Schlimmes.

Neben dem Alkohol können vor allem die enormen Menschenmassen schnell zum Problem werden. Vor ein paar Jahren gab es den Fall, dass nach dem Wiesn-Anstich gegen 14 Uhr fast ein ganzes Zelt gleichzeitig auf die Toilette musste. "Eine brenzlige Situation", erinnert sich Reichl. "Es gab kein Vor und kein Zurück mehr." 100 Leute seien im Einsatz gewesen um die Paniksituation zu entschärfen. Schnell wurden alle Türen geöffnet, um Verletzungen zu verhindern.

In den vergangenen Jahren seien die Einsatzzahlen gestiegen und die Belastungen größer geworden. "Gerade an den Wochenenden geht es bei den Beamten bis an die Schmerzgrenze", sagt Reichl. Allerdings seien auch die Erfolge gestiegen. Vor allem durch die Videoüberwachung erwische man mehr Rauschgiftdealer und Taschendiebe.

Unterstützung bekommen die Beamten übrigens auch von tierischen Kollegen. Jeden Tag werden vor dem Einlass alle Zelte mit Spürhunden nach Sprengstoff abgesucht. Aber auch Pferde sind im Einsatz, vor allem im Umfeld der Wiesn – zum Beispiel auf den Parkplätzen. Von der erhöhten Position habe man einen guten Überblick, außerdem schrecke man so Langfinger ab, erklärt Reichl.

Aber natürlich sei auch auf der Wiesn nicht immer nur alles negativ. Gelegentlich rücken die Beamten auch zu etwas skurrilen Einsätzen aus. So war einmal ein Mann mit einer großen Würgeschlange auf dem Festgelände unterwegs, die er Besuchern für Geld um den Hals hängte. Weil der Mann keine Genehmigung besaß, wurde er angezeigt und die Schlange dem Tierheim übergeben. Und erst drei Jahre sei es her, dass eine kleine Produktionsfirma im Riesenrad einen Pornofilm drehte. Auch normale Besucher seien mit in der Kabine gewesen. "Das gab natürlich ein entsprechendes Hallo", erinnert sich Reichl. "Unten haben wir die dann aber entsprechend in Empfang genommen."


Von Sebastian Peterhans

Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Wenn die Rechnung nicht aufgeht
22-Jähriger stürzt von Schiff in die Donau
Die Rückkehr der Nibelungen
Dabei sein ist alles
Das Bier des Bürgermeisters
Entsetzen über "Hass auf Bäume"
Der "singende Cowboy" reitet wieder
Schütze von Memmingen knackte Waffenschrank des Vaters
"Vielfältiger als hier kann die Natur kaum sein"
14-Jähriger wird Haftrichter vorgeführt - Streit mit Freundin ging Tat voran
 


>