Eine „Toilette für alle“ ist auch für schwerbehinderte Menschen geeignet. Hinter Hilda Back (links) und Judit Bauer sind Lifter und Liege zu sehen.
Belzer
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Wenn es denn überhaupt welche gibt - was vor allem in Bars und Restaurants selten der Fall ist.
Video: Zum Welttoilettentag: Wie Behinderte die Problematik erleben

Noch gravierender ist die Situation für Menschen, die schwerst oder mehrfach körperbehindert sind. Judit Bauer, Bereichsleiterin für inklusives Wohnen im Ingolstädter Hollerhaus, berichtet von untragbaren Zuständen: "Wenn wir mit unseren Klienten einen Ausflug machen, dann kommt es schon auch mal vor, dass wir sie zum Wickeln auf den Boden legen müssen. Das ist für einen Erwachsenen menschenunwürdig." Anders jedoch geht es nicht. Öffentliche Behindertentoiletten sind nicht dafür ausgestattet, dass Erwachsene versorgt werden, die sich nicht selbst aus dem Rollstuhl auf eine Klobrille stemmen können. Im Hollerhaus, wo auch ein Café und Bistro zu finden ist, hat man Abhilfe geschaffen - mit einer "Toilette für alle". Die ist deutlich größer als eine reguläre Behindertentoilette und hat neben dem höheren WC samt Griffen eine höhenverstellbare Liege, auf dem Betroffene gewickelt werden können. Mit einem Lifter werden die Menschen hineinbugsiert. "Weil manche Behinderte, Spastiker zum Beispiel, sich außerdem unkontrolliert bewegen, ist die Liege mit einer Art Schutzwand versehen, damit die Leute nicht rausfallen können."

15 000 Euro hat die Toilette gekostet, sie ist die einzige ihrer Art in der Region. Finanziert hat sie der Verein des Hollerhauses, außerdem ist für die Anschaffung gespendet worden. Viel Geld - aber: "Was kostet ein Fußballstadion?", fragt Hilda Back. "Die werden ja auch gebaut. Wir sprechen hier von einem Grundbedürfnis, das vernachlässigt wird. Es geht um eine Minderheit, dessen bin ich mir bewusst, aber deswegen haben wir trotzdem ein Recht darauf." In ihren Augen hat sich hinsichtlich der Belange von Behinderten viel getan, aber manches ärgert sie nach wie vor: "Das Absenken von Bordsteinen zum Beispiel, das ist doch eine Kleinigkeit mit wenig Aufwand, das viel schneller gehen müsste."

Symbol of cripple restrooms on entrance door.
Behinderte wünschen sich mehr davon: barrierefreie Toiletten. Die sind vor allem in Gastronomien rar.
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Ähnliche Erfahrungen wie Hilda Back hat auch Christine Wild gemacht. Die Rollstuhlfahrerin ist oft in der Ingolstädter Altstadt unterwegs, auch abends - da sind die meisten öffentlichen Behindertentoiletten allerdings schon geschlossen. "Es gibt zu wenige barrierefreie Toiletten", sagt die 48-Jährige. "Wenn ich abends in einer Bar oder im Restaurant bin und es dort keine Möglichkeit für mich gibt, dann muss ich im Zweifelsfall das Lokal verlassen und einen riesen Weg auf mich nehmen. Und das bei jedem Wetter." Es sei immer die Hauptfrage, ob es irgendwo in der Nähe die Möglichkeit gebe, auf Toilette zu gehen. "Wenn es gar nicht anders geht, muss ich weniger trinken oder meinen Abend entsprechend verkürzen."

In Eichstätt sieht die Situation ähnlich aus. "Auf jeden Fall gibt es nicht genug", antwortet auch Katrin Wintergerst von der Caritas Sozialstation auf die Frage nach öffentlichen Toiletten für Behinderte in der Bischofsstadt. "Bei uns gibt es viel alte Bausubstanz", erklärt die Beraterin der Offenen Behindertenarbeit. "Da ist es schwierig, behindertengerechte WCs einzubauen, das ist ein Problem." In Eichstätt Freizeitangebote für körperlich eingeschränkte Menschen anzubieten sei sehr schwierig. "Man muss immer mit einplanen, ob es auch Möglichkeiten gibt, auf die Toilette gehen zu können. In Gastronomien fehlt meistens ein entsprechendes WC, auch in den Kirchen sieht es schlecht aus." Nur im Kino, da sei es einigermaßen gut möglich, auch als Behinderter aufs Klo zu gehen. Hilfreich sei die Internetseite www.wheelmap.org, berichtet Wintergerst. Darauf sei eingezeichnet, wo überall behindertengerechte WCs zu finden seien. "Es müsste definitiv mehr davon geben", findet sie. "Auch auf manchen rollstuhlgerechten Wanderwegen im Altmühltal wäre das eine gute Sache." Aber viele Behinderte wüssten sich durchaus zu helfen, hätten für den Notfall kleine Säckchen dabei, quasi als "mobile Toilette".