Steinkirchen: Panzer sorgt für Aufregung
Der Umzugswagen zur Asylpolitik mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" hatte im Internet viel Empörung ausgelöst.
Lönner
Steinkirchen

"Ilmtaler Asylabwehr" und Asylpaket III" stand auf den selbst gemalten Schildern. Das allein dürften bei einigen Zaungästen zumindest für Stirnrunzeln gesorgt haben, doch dass diese Aufschriften auch noch auf einem martialisch wirkenden Panzer zu lesen waren, war so manchem des Geschmacklosen zu viel. Als letzter aller Gaudiwagen fuhr das Gefährt durch die Straßen von Reichertshausen und Steinkirchen, wo sich die Empörung angesichts der vielfältigen Eindrücke, die auf die Zuschauer einprasselten, in Grenzen hielt. Im Gegenteil: Die Zuschauer winkten den jungen Leuten auf dem Panzer freundlich zu.

Die Urheber des Wagens selbst erklärten ihr Anliegen als Protest gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik. "Wir können das so nicht schaffen", sagt einer in Bezug auf die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingskrise. "Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen", sagt ein anderer. "Mir gefällt es so, wie es ist." Die kulturellen Unterschiede seien zu groß.

Auch wenn die jungen Männer keinen rassistischen oder fremdenfeindlichen Eindruck machten - als die ersten Bilder im Internet landeten, brach innerhalb von kurzer Zeit ein regelrechter "Shitstorm" los. Als "dumm", "ekelhaft" und "geschmacklos" wurde die Aktion verurteilt. Der Schauspieler Florian Simbeck ("Erkan und Stefan"), der für die SPD im Kreistag von Pfaffenhofen an der Ilm sitzt, hatte Fotos des Wagens auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Im Internet waren aber auch Einträge zu lesen, die auf die Satirefreiheit verwiesen.

Gestern am späten Nachmittag war die Panzerwagen-Affäre auch bei der Polizei gelandet, die nun ermittelt. Ob ein Anfangsverdacht auf Volksverhetzung besteht, ist aber noch nicht gesagt. Das wird die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt entscheiden, so Michael Heinzlmeier, Dienstgruppenleiter der Polizei in Pfaffenhofen. Zwei Polizisten waren gestern laut Heinzlmeier noch unterwegs, um Bilder von dem Wagen zu machen und eine Personalie aufzunehmen. Aktiv wurde die Polizei, weil ein Bürger sich über den Wagen beschwert habe, so der Polizist. "Zudem haben Kollegen aus München mehrere Beschwerden entgegengenommen und diese an uns weitergeleitet." Bis nach München gelangte der Fall ebenfalls wegen der Einträge in sozialen Netzwerken, woraufhin sich Bürger wohl bei ihrer Dienststelle vor Ort beschwerten.

Beim OCV ist man über den Vorfall natürlich mehr als unglücklich. "Im Nachhinein würde ich die jungen Leute nicht mehr losfahren lassen", räumt Konrad Moll, er ist beim OCV für den Umzug zuständig, unumwunden ein. Allerdings: Er kenne die jungen Leute, versicherte der Zugleiter, "die haben mit Rechtsradikalen nichts am Hut." Moll betonte zudem, dass die jungen Leute ihren Panzer nicht extra für die Asyl-Thematik gebastelt hätten, sondern mit diesem schon vergangenes Jahr am Gaudiwurm teilgenommen hätten.

"Das geht gar nicht", sagte Reichertshausens Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) in einer ersten Reaktion gegenüber unserer Zeitung. Der Rathauschef, der sich derzeit im Krankenstand befindet, hatte den Gaudiwurm selbst nicht besuchen können, kurz darauf aber einige im Internet veröffentlichten Bilder des "Panzerwagens" gesehen. "So etwas ist natürlich nicht tolerierbar", sagte der Rathauschef, "und auch nicht mit Fasching zu entschuldigen."