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17.02.2014 21:37 Uhr | x gelesen
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Der nächste Archaeopteryx


Bild: Der nächste Archaeopteryx. Schamhaupten Schamhaupten (DK) Aufsehenerregende Entdeckung: In einem Steinbruch beim Altmannsteiner Ortsteil Schamhaupten hat ein Hobbysammler ein Fossil des Urvogels Archaeopteryx gefunden. Es handelt sich um das weltweit zwölfte Exemplar. Die Begeisterung über den Fund ist jedoch getrübt.

Schamhaupten (DK) Aufsehenerregende Entdeckung: In einem Steinbruch beim Altmannsteiner Ortsteil Schamhaupten hat ein Hobbysammler ein Fossil des Urvogels Archaeopteryx gefunden. Es handelt sich um das weltweit zwölfte Exemplar. Die Begeisterung über den Fund ist jedoch getrübt.


 


Für Franz und Rosi Gerstner ist die Entdeckung in ihrem kleinen Fossiliensteinbruch eine Sensation. „Ein Archaeopteryx – was wollen wir in Schamhaupten denn noch mehr erreichen“, fragt der Fossilienliebhaber, der seit 14 Jahren Urlauber und Hobbypaläontologen im Steinbruch unweit seines Hofs in Schamhaupten (Landkreis Eichstätt) graben lässt. Dass es dabei eines Tages einen bedeutenderen Fund geben könnte, war der Familie schon lange klar. Immerhin hatte vor rund 16 Jahren der Fund des Kleinsauriers Juravenator in Schamhaupten ein Dino-Fieber ausgelöst. Mit einem ähnlichen Effekt rechnen die Gerstners auch diesmal – auch wenn sie noch nicht genau wissen, ob sie sich über den Sensationsfund freuen sollen.

Schamhaupten: Der nächste Archaeopteryx
 

Der Unmut des Ehepaars hängt unter anderem mit der langen Zeit zusammen, die seit der Entdeckung vergangen ist. Bereits im Jahr 2010 zog ein Sammler aus dem Raum Nürnberg die gut erhaltene Versteinerung zwischen Schamhauptener Juraplatten hervor, wie Gerstner weiß. Der Eigentümer des Steinbruchs und Vorsitzende des Altmannsteiner Heimat- und Fremdenverkehrsvereins erfuhr jedoch erst im Sommer davon – zu seiner Verärgerung. Zwar hat der Nürnberger den Sensationsfund beim Eichstätter Landratsamt, dem Betreiber des kleinen Areals bei Schamhaupten, gemeldet. Gleichzeitig hat er den weltweit zwölften Archaeopteryx als nationales Kulturgut angemeldet. Den Gerstners ist das jedoch nicht genug. Nicht nur, dass ein derartiger Fund zur Hälfte ihnen gehört. Damit steht den beiden auch die Hälfte des Werts zu, die Fachwelt spricht bei einem vollständig erhaltenen Exemplar immerhin von mehreren Millionen Euro. Auch dass der Finder den Urvogel behalten will, stört das Ehepaar. „Das Geld ist für uns zweitrangig“, sagt Rosi Gerstner. Und ihr Mann betont: „Das Stück soll in ein Museum.“ Obwohl er und seine Frau selbst lange Zeit nichts von dem Sensationsfund vor ihrer Haustür wussten, vermutet Gerstner, dass sich dieser unter Hobbysammlern längst herumgesprochen hat.

„Wir hatten zuletzt Raubgräber ohne Ende“, beschreibt Gerstner ein großes Problem seiner Anlage. Der zunehmende Fossiliendiebstahl war mit ein Grund dafür, dass der Steinbruch seit Dezember gesperrt ist. Jetzt arbeiten die Verantwortlichen beim Naturpark Altmühltal und die Gerstners an einem neuen Konzept, das pünktlich zur Wiedereröffnung im Mai greifen soll. Die Lösung: mehr Kontrolle.

Dass sie damit den Ärger um ihr Exemplar vermieden hätten, erscheint zumindest möglich. Zwischenzeitlich haben die Gerstners den Schamhauptener Archaeopteryx auch selbst gesehen, zudem besitzen sie einige Fotos von dem wertvollen Stück. Bei dem Exemplar handelt es sich um eine Versteinerung, die in drei größere und mehrere kleinere Brocken zerbrochen ist. „Alles in allem etwa einen halben Meter groß“, schätzt Gerstner. „Er sieht aus wie ein größeres Huhn.“ Eine wissenschaftliche Einordnung des Schamhauptener Urvogels gibt es nicht, die Fachwelt schweigt sich derzeit noch aus.


Von Stefan Janda

 
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