Pfaffenhofen: "Menschen für die Heimat sensibilisieren"
Generalkonservator Mathias Pfeil liegen die Denkmäler am Herzen. - Foto: Hoffmann
Pfaffenhofen

Herr Pfeil, mit dem Kommunalen Denkmalkonzept sollen neben den bereits bestehenden Denkmälern auch weitere Gebäude eines Ortes geschützt werden. Gibt es denn da so viele?

Mathias Pfeil: Die Denkmäler prägen natürlich Ortschaften, aber das sind insgesamt nur eineinhalb Prozent in Bayern. Das heißt, es gibt viel mehr Gebäude - auch historische Gebäude -, die nicht Denkmäler sind. Beim Kommunalen Denkmalkonzept geht es darum, nicht nur sie zu schützen, sondern das Typische einer Ortschaft.

 

Wie funktioniert das dann für die Gemeinden konkret?

Pfeil: Es ist freiwillig, also eine Gemeinde muss das nicht unbedingt machen. Das würde so funktionieren, dass man erst mal eine Bestandsbegehung macht und schaut, was das Besondere im Ort ist. Es geht ja darum, dass man die historische DNS findet. Also warum schaut der Ort so aus, wie er ausschaut. Dafür gibt es Gründe: Das ist die Topographie, aber auch was für Gebäude es sind. Sind es Ackerhäuser, sind es Handwerkerhäuser? Das macht einen Unterschied aus. Und wenn man diese historischen Grundlagen mal zusammengefasst und bewertet hat, in welchem Zustand die Gebäude sind, dann kann man auf dieser Basis auch Fortschritte bei der Neubebauung machen.

 

Werden auch die Bürger eines Ortes mit einbezogen?

Pfeil: Ja, unbedingt. Ein ganz wichtiges Element eines Kommunalen Denkmalkonzepts ist auch die Bürgerbeteiligung, weil die Menschen ja mitreden müssen. Und das funktioniert nur, wenn man die Leute mitnimmt und ihnen erklärt, was das Besondere in ihrer Ortschaft ist.

 

Und gibt es bereits positive Beispiele, wo dieses Konzept bereits umgesetzt wurde?

Pfeil: Das Kommunale Denkmalkonzept gibt es bereits seit ungefähr zwei Jahren, und wir haben einige schöne Projekte. Zum Beispiel haben wir in Viechtach in Niederbayern ein Projekt am Laufen. Dort sind schon planerische Aktionen durch den Stadtrat gegangen, an denen wir auch beteiligt waren und die in eine sehr gute Richtung gehen. Aber natürlich dauert so etwas. Die Ergebnisse eines solchen Konzepts sieht man nach drei bis fünf Jahren. Aber die Diskussionen, die wir haben, sind in ganz vielen Gemeinden schon sehr gut.

 

Anfang September wurde ein denkmalgeschütztes Handwerkerhaus in Giesing abgerissen. Kann man mit dem Kommunalen Denkmalkonzept dagegenhalten, um auch solche Gebäude besser zu schützen?

Pfeil: Ja, absolut. Aber dagegenhalten ist nicht der richtige Ausdruck, sondern es geht darum, eine Sensibilität zu entwickeln und den Leuten zu erklären, was das Besondere und Wertvolle ist. Da wird es natürlich immer so sein, dass es Investoren gibt, denen das völlig egal ist. Aber allein die Aufmerksamkeit der Menschen ist ganz wichtig. Und die war ja in Giesing schon sehr hoch. Wenn ich mir überlege, was für eine Reaktion der Bürgerschaft es auf diese Tat gab - das fand ich toll. Das ändert nichts daran, dass es abgerissen worden ist. Es geht darum, den Bezug zur eigenen Umwelt, zur Heimat zu stärken. Das ist präventive Denkmalpflege. Und das gilt natürlich für Stadtteile wie Giesing wie auch für kleinere Gebiete.

 

Das Gespräch führte Thomas Leurs.